Morgengruß von Helmut Harff: Wetter

Wenn einem gar nichts mehr einfällt

Über das Wetter kann und darf man immer reden. Das weiß man und ließt man in jedem Buch, in dem man erfährt, wie man Fettnäpfchen beim Smaltalk vermeidet.

Über das Wetter redet man aber auch dann, wenn man nicht weiß, worüber man gerade reden soll, wenn einem ansonsten so gar nichts einfällt. Nun wissen Sie, warum ich mich heute über das Wetter auslasse.

Vor meinem Fenster kann ich gerade eine beginnende Sinnflut beobachten. Es schüttet wie aus Eimern und die Monotonie des Regens wird hin und wieder von Blitz und Donner unterbrochen. Da muss ich schon aufpassen, nicht in Depression zu verfallen. So ein flächiges Grau am Himmel ist wirklich nichts, was meine Laune hebt. Da möchte ich mich am liebsten ins Bett verkriechen. Doch das geht ja nicht, denn ich muss erst diese Kolumne ordentlich zu Ende bringen.

Ja, das Wetter! Haben Sie auch den Eindruck, dass es immer zum Wochenende schlechter wird? Mir geht es zumindest so. Wetter und Wochenende, das sind - so zumindest mein Eindruck - zwei Dinge, die einfach nicht zusammen passen wollen. War das früher anders? Vielleicht, wieso sonst haben unsere Altvorderen ausgerechnet den Sonntag zum freien Tag erkoren? Man könnte ja auch den Dienstag oder den Mittwoch zum allgemein arbeitsfreien Tag ernennen. Man sollte einmal klären, welcher Tag der Woche in den vergangenen 50, 100 oder 200 Jahren der schönste war. Dann erklären wir den zum neuen Sonntag.

Sicherlich werden die Kirchen etwas dagegen haben. Da kommt mir noch eine Idee: Vielleicht ist das Wetter am Sonntag so schlecht, damit die Leute in die Kirche und danach zum Frühschoppen gehen. Auch wenn heute wahrscheinlich mehr zum Frühschoppen als in die Kirche gehen, bleibt es so: Wäre das Wetter toll, würden die Leute lieber an den Strand gehen, Radtouren machen oder sonst wie geschlossene Räume meiden. Gut, zum Frühschoppen kann man auch in den Biergarten gehen.

Was nun? Am Wetter können wir Gott sei Dank nichts ändern, auch wenn man das vor allem am Wochenende gern hätte. Brötchen mit dem Rad holen fällt genauso ins Wasser, wie die Taufe des neuen Schlauchbootes am Badesee. Das Schlauchboot kann warten und es wird Brötchen aus dem Tiefkühlfach geben.

Ansonsten wird es ein Tag in den eigenen vier Wänden werden. Ja, ich weiß, es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Doch ich habe leider keine gefütterte Badehose und auch nichts, was mich über Stunden auf dem Rad wirklich trocken hält. Aber, es gibt garantiert Ausstellungen und Museen, die schon lange auf meiner Liste stehen und noch nicht mit einem Erledigt-Häckchen versehen sind.

Außerdem habe ich bei diesem Wetter ein ganz besonderes Hobby: Ich setzte mich an einem sehr belebten Ort in ein Café ans Fenster und beobachte die Leute, wie sie mit dem Schirm kämpfen und versuchen möglichst trocken von A nach B zu kommen.

So, nun hat die beste Frau der Welt die Frühstücksbrötchen aufgebacken. Zeit Schluss zu machen.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Lassen Sie sich vom Wetter nicht die Laune verderben.

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