Morgengruß von Helmut Harff:: Wechselwillig

… aber längst nicht immer...

Wir Deutschen sind wechselwillig, liest man immer wieder. Wir binden uns nicht für lange Zeit, sehen immer, ob sich nicht was besseres findet. Klar, ich meine unsere Bindung an einen Partner. Wir finden uns vielleicht nicht so schnell – warum gibt es sonst so viele Singles – aber wir trennen uns dafür um so schneller. Jede zweite Ehe wird der Statistik nach geschieden. Wie viele nicht eheliche Partnerschaften in die Brüche gehen, das weiß wohl niemand. Wahrscheinlich sind es noch mehr, als eheliche, denn die Hürden sind weitaus niedriger.

Diesem Trennungswahn, dieser augenscheinlichen Bindungsunfähigkeit, steht entgegen, dass wir in anderen Lebensbereichen super treu sind. Treu sind wir vor allem unseren Versicherungen und Banken. Zwar meckern wir zu gern über die Versicherungen und Banken - meistens mehr als über den Partner – doch eine Trennung kommt für die meisten Deutschen nicht in Frage.

Wir beklagen uns auch gern über die Abzocker in den Nadelstreifen, über zu hohe Gebühren, über zahlungsunwillige Versicherungen. Doch deshalb gleich wechseln? Wir doch nicht! Das gilt im Übrigen nicht nur für Versicherungen und Banken, sondern auch für Energie- und Telefonanbieter. Zu denen stehen die meisten von uns in unverbrüchlicher Treue. Wären wir so trennungsunwillig in unseren Partnerschaften, müssten Scheidungsanwälte sich ein neues Betätigungsfeld suchen.

Doch ab kommenden Sonntag ist es mal wieder so weit. Wir können ohne Angabe von Gründen unseren Kfz-Versicherer wechseln. Es ist sozusagen Schlussverkauf im Versicherungsmarkt. Ich werde allerdings nie begreifen, warum man die Autoversicherung nicht wechseln kann, wenn man will. Warum ausgerechnet im November?

Doch mal ehrlich, es werden auch 2015 wieder nur verhältnismäßig wenige sein, die sich auf die Suche nach einem günstigen Versicherer für ihren fahrbaren Untersatz machen. Das ist ja auch viel schwieriger als sich von einem Partner zu trennen. Man muss den Computer hochfahren, nach Vergleichsportalen oder gleich nach Kfz-Versicherer suchen. Man fragt bestimmt noch Freunde und Bekannte. Dann muss man Formulare ausfüllen, in den Fahrzeugschein blicken, überlegen wie man heißt, wo das Auto nachts steht, wie viele Kilometer man zu welchen Zweck zurücklegt.

Das ist eine schreckliche Arbeit – dagegen ist ja eine Scheidung fast ein Kinderspiel. Und dann der Schock: man zahlt bisher zu viel, zumindest gibt es deutlich billigere Angebote. Die beste Frau der Welt und ich haben uns der oben genannten Prozedur gestern abend bei einem Glas Wein unterzogen. Um am Ende einen Eurobeitrag genannt zu bekommen, muss man wirklich viele Angaben machen. Doch nach der dritten Maske, die man ausfüllt, hat man die Sache schon gut im Griff.

Warum wir so viele Masken ausgefüllt haben? Weil wir keinem Vergleichsportal allein trauen. Erst wenn mehrerer zu ähnlichen oder gar gleichen Ergebnissen kommen, sind die für uns relevant. Dann haben wir auch noch bei den günstigen Versicherern direkt nachgesehen. Siehe da, die waren zum Teil noch günstiger als bei den Vergleichsportalen ausgewiesen.

Nach knapp drei Stunden wussten wir, dass die jetzige Kfz-Versicherung gut und gern 220 Euro zu teuer ist. 220 Euro jährliche Einsparung für zweimal drei Stunden und eine Flasche Wein – das nenne ich mal einen guten Stundenlohn. Damit ist aber sicherlich noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Nun werden wir noch mit dem Versicherungsvertreter über den einen oder anderen Euro verhandeln. In der Regel geht da noch was.

Zugegeben, etwas Zeit muss man schon aufwenden, wenn man Geld sparen möchte. Doch wie geschildert ist das wesentlich ergiebiger, als wegen eines um 2 Cent niedrigeren Spritpreises 10 Kliometer zur nächsten Tanke zu fahren. Dabei darf man nicht mal einen Wein trinken.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück. Da spare ich nicht.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Nicht vergessen: Versicherung checken!

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