Morgengruß von Helmut Harff: Angst

… Wut, Trauer und Hilflosigkeit

Irgendwelche bekloppte Typen haben auch gestern wieder Menschen ermordet. Da das fast vor unserer Haustür passierte, war das mehr als eine kurze Meldung in der Tagesschau wert. Klar, dass auch meine Anteilnahme den Verletzten und allen Angehörigen und anderen Bekannten und Freunden der Toten und sonst wie von den Anschlägen in Brüssel Betroffenen gilt.

Es macht mich wieder einmal zornig, dass Menschen sterben und leiden mussten und müssen, nur weil Verrückte meinen, so ihre Ziele durchsetzten zu können. Ich bin auch zornig, weil genau das ihnen gelingt. Ich bin ebenfalls zornig, weil uns Politiker in solchen Situationen immer wieder versichern, dass wir an unserer westlichen Lebensweise nichts ändern werden.

Mein Zorn trifft die Politiker gleich noch einmal. Ich bin verdammt stinkig, weil man es nicht schafft, beispielsweise alle Sicherheitsorgane in ganz Europa dazu zu verknacken, endlich in der Terrorabwehr wirklich zusammen zu arbeiten. Wollen die das nicht, muss man die Verantwortlichen für diese unverantwortliche Handlungsweise in die Wüste – wie wäre es mit der Sahara – schicken – und den bockigen Diensten den Geldhahn zudrehen.

Ich bin auch sauer auf die Politiker, weil sie augenscheinlich nicht nur in Deutschland seit Jahren bei der Polizei und anderen Sicherheitsorganen gespart haben, was man nur einsparen kann. Wann werden Typen wie unser Finanzminister endlich begreifen, dass das erste Staatsziel nicht ein vermeindlich ausgeglichener Staathaushalt ist? Müssen wegen dem Sparwahn von einigen Politikern und der Ignoranz von Geheimdienstlern noch mehr Menschen sterben? Denken die erst um, wenn Parteien wie die AfD sie aus dem Amt gedrängt haben oder Bomben – was Gott verhüten möge – vor den Türen ihrer Ämter explodieren?

Ich bin auch sauer wegen des nach jedem Anschlag wiederkehrenden Aktionismus. Plötzlich stehen überall Polizisten mit Maschinenpistolen rum. Die ohnehin schon überlasteten Frauen und Männer müssen dann so tun, als ob der Staat handlungsfähig ist. Das kommt mir vor, als würde ich mir überall Pflaster hin kleben, wenn sich die beste Frau der Welt geschnitten hat. Es ist schlicht unsinnig.

Ich bin aber auch hilflos bei der Frage, wie man nun auf den Terrorismus – welcher Art und Herkunft auch immer – reagieren soll. Leider ist es so, dass die Mörder im Namen eines Gottes oder einer Weltanschauung es immer wieder schaffen, unser Leben zu verändern. Das gelang der RAF, das gelang den russischen Anarchisten und das gelang dem Mörder von Sarajevo. Der wird immerhin für den Ausbruch des 1. Weltkrieges verantwortlich gemacht.

Sehen wir uns um, bei uns in Deutschland und sonst wo in Europa. Überall werden Sicherheitsschleusen aufgestellt, werden Überwachungskameras installiert, werden Daten gespeichert, werden wir überwacht, werden Großveranstaltungen abgesagt. Und das Ergebnis? Die Terroristen bomben fröhlich weiter. Mal sehen, was nun nach den Anschlägen in Brüssel direkt vor der Tür des Europaparlaments passiert. Ich befürchte, es bleibt bei einigem Aktionismus, vielen Krokodilstränen und endlosen Reden.

Bei so viel Wut und Hilflosigkeit schmeckt mir nicht einmal ein frischen Frühstücksbrötchen. Allein dafür hasse ich die Terroristen.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

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