Morgengruß von Helmut Harff: Gartenzeit

Ich will eine Schubkarre

Eigentlich kann ich mir an Wochenenden wie diesem meinen Morgengruß sparen. Ihn werden deutlich weniger lesen, als noch vor drei, vier Wochen. Warum? Weil alle Gartenbesitzer schon am frühen Morgen mit den Hufen scharren und auf die wenigen hundert Quadratmeter eigener oder gepachteter Scholle streben.

Die Gartensaison hat begonnen. Das sieht man an den Frühjahrsblühern und sogar im Supermarkt werden Samen, Knollen, Pflanzen und Bäume angeboten. Vor den Gartenmärkten werden die Parkplätze knapp und längst nicht jeder Wunsch kann gerade befriedigt werden. Gartenkolonien muss man gar nicht sehen, man hört und riecht schon, wenn man sich ihnen nähert. Da wird gehämmert und gesägt, aber auch gern der Pinsel geschwungen. Deshalb überlagert auch noch der Geruch frischer Farbe den der ersten Blumen.

Garten, das war der Albtraum meiner Kindheit. Wir mussten jedes Wochenende in den Garten. Wurde gebaut, ging es ja noch, doch mit Erde, mit dem Grünzeug hatte ich immer so meine Schwierigkeiten. Eine Liebesbeziehung war das nicht. Ich bezweifele auch, dass es dazu jemals kommt.

Und jetzt? Jetzt haben die beste Frau der Welt und ich einen Garten. Die Reihenfolge ist nicht pure Höflichkeit, denn den Garten hat hauptsächlich die beste Frau der Welt. Ich habe nun mal nicht den Drang, in der Erde rumzuwühlen. Der Spaß an Baumaßnahmen ist auch eher zurück gegangen. Ich beschreibe lieber, was mich beim Thema Garten so beschäftigt.

Also rücken gerade die Handwerker an und sorgen dafür, dass unsere Laube richtig und auf einer tollen Terrasse aufgestellt wird. Die verstehen ihr Handwerk. Auch beim Garten gilt: Schuster bleib bei deinen Leisten.

Doch eines macht mir Spaß: Darüber zu sinnieren - jemand in meiner Nähe meint zu spinnen - was man so alles auf 200 Quadratmeter anstellen kann. Würde man davon nur die Hälfte in die Tat umsetzen, so müsste der Garten zehnmal so groß sein. Doch spinnen ist ja erlaubt und vielleicht ist ja eine wirklich gute Idee darunter.

Eines ist aber schon klar, ich will einen kleinen Teich und ich will - siehe oben - eine Schubkarre. Warum? Auf dem Grundstück muss noch der gesamte Aushub vom Terrassenbau verteilt werden. Dazu braucht man eine Schubkarre. Davon bin ich überzeugt.

Und ansonsten? Ich werde sicherlich hier und da den Pinsel schwingen und die Schubkarre beladen. Aber vor allem werde ich auch im Garten der Grillmeister sein. Sagen wir es genauer: Mein Reich ist die Terrasse - ich bin sozusagen der Terrassenmeister. Die Chefgärtnerin ist völlig unangefochten die beste Frau der Welt. Bei so einer Arbeitsteilung können wir sicher sein, dass es um den Garten nie Zank und Streit gibt. Den hört man jetzt schon aus so manchem Garten.

Ich mache jetzt schnell Frühstück. Wir wollen noch in die Baumschule und auf dem Rückweg beim Baumarkt vorbei.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Allen Gärtner wünsche ich einen grünen Daumen und einen Internetanschluss im Garten. Warum? Wie sonst sollen Sie das hier lesen können?

 

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