Aufgespießt: Elite

… schon fast ein Schimpfwort

(Helmut Harff/Chefredakteur) Wenn es um das Unwort des Jahres - vielleicht aber auch um das Wort des Jahres - geht, so steht für mich "Elite" oder "Eliten" ganz oben auf der Hitliste. Mit diesem Wort kann man heute Leute beleidigen und sogar Wahlen gewinnen.

Nicht nur in den USA scheint es einen eigenartigen Elitebegriff zu geben. Man kann erfolgreich sein oder zumindest so tun, man kann dicke Autos fahren, ein eigenes Flugzeug haben und Milliarden Dollar besitzen und wird dennoch nicht zu den Eliten gezählt. Selbst eine tolle Frisur und eine schöne Frau machen einen noch nicht elitär.

Was sagt uns das? Eliten sind anders. Eliten können, müssen aber nicht reich sein. Eliten können, müssen aber nicht tolle Autos und Flugzeuge besitzen. Die Frage bleibt, was heute Menschen zur Elite macht?

Für mich besteht der Unterschied zwischen reich und elitär in der Bildung. Bildung macht Menschen zu Eliten. Wer über den Tellerrand sehen kann, wer sich in den verschiedensten Themenbereichen auskennt, wer belesen und kulturell gebildet ist, wer sprachgewand ist, wer weit gereist ist, wer sich mit Kunst und anderen schönen Dingen umgibt - und dabei Stil beweist, der gehört für mich zur Elite.

Damit kann man zur Elite gehören, ohne wirklich reich zu sein. Als tatsächlich armer Mensch hat man es aber sehr schwer, Aufnahme in elitäre Kreise, solche wie gerade beschrieben, zu finden. Doch es ist sicherlich leichter, als eben mit riesigen Villen, Hochhäusern, Yachten oder Flugzeugen zu punkten.

Wenn Bildung aber eine der Hauptvoraussetzungen dafür ist, Zugang zur Elite der Gesellschaft zu finden, dann habe ich die Sorge, dass es um die Eliten hierzulande nicht wirklich gut bestellt ist. Ja, immer mehr junge Menschen machen Abitur, wir haben die wohl dichteste Theaterlandschaft und viele Museen. Wir haben aber auch ein Bildungssystem, das alles andere als auf die Ausbildung von Eliten ausgerichtet ist. Kunst und Kultur spielen in den Schulen immer weniger eine Rolle. Bildung wird immer mehr als Bildung angesehen, die man für die Karriere benötigt. Alles andere fällt immer mehr hinten runter.

Wenn dann nicht Eltern oder das Umfeld von jungen Menschen hier in die Bresche springen, wenn die nicht daran interessiert sind, dass Deutschland ein Land der Eliten bleibt, dann kann man sich schon Sorgen machen. Dann muss man sich auch über die noch schier überbordende Kulturlandschaft in Deutschland sorgen. Ohne Bildungseliten werden die schlicht überflüssig.

Gibt es keine Bildungseliten mehr, gibt es auch keine Gentlemans mehr. Denn die zeichnen sich ja gerade durch ihre Individualität, durch ihren Stil, durch ihre Kunst- und Kulturbeflissenheit aus.

Fragen wir doch mal zur Bundestagswahl, wie die, die da von uns gewählt werden wollen, wie sie es mit den Eliten, mit den Bildungseliten halten.

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