Das E-Bike der Zukunft

... ist ein Fahrrad

Wie sieht das E-Bike der Zukunft aus? Die Antwort vieler Hersteller von E-Bike-Antriebssystemen lautet: „wie ein Fahrrad“. Was einfach klingt, ist für die Akteure im E-Bike-Markt durchaus eine Herausforderung, wie sich auch auf der Eurobike in Friedrichshafen (30. August bis 2. September 2017) zeigen wird.

Fünf Jahre sind in innovationsgetriebenen Branchen eine lange Zeit. Das wird deutlich, wenn man in der E-Bike-Geschichte zurückblickt: Zwar rollten die ersten E-Bikes schon vor der Jahrtausendwende in den Fahrradhandel, der größte Innovationsschub und somit auch die Voraussetzungen für einen E-Bike-Boom an der Fahrrad-Ladentheke lassen sich aber erst in den Jahren nach 2010 beobachten.

Das Innovationstempo wird sich auch in den nächsten Jahren nicht verlangsamen. Ein wichtiges Entwicklungsziel ist dabei, E-Bikes und Fahrrad wieder näher zusammen zu bringen. „Ein E-Bike wird sich in der Optik immer mehr einem normalen Rad annähern. War beispielsweise in der Vergangenheit der Gepäckträger-Akku Standard, so wird diese Lösung in den kommenden Jahren zu Gunsten von semi-integrierten oder voll-integrierten Akkus abnehmen“, sagt Michael Wild, Marketing- und Presse-Leiter von Shimano-Vertreiber Paul Lange.

Bei Bosch, Europas Marktführer unter den Antriebsherstellern, wird die Entwicklung ähnlich eingeschätzt, wie Claus Fleischer, Leiter der E-Bike-Sparte von Bosch berichtet: „Aus unserer Sicht wird es im Jahr 2022 Pedelecs geben, die sich bei Formensprache und Design kaum mehr vom traditionellen Fahrrad unterscheiden lassen. Antriebe sowie Akkus werden kompakter und leichter und so gut in das Rahmen-Design integriert, dass das E-Bike optisch kaum bis gar nicht mehr von einem Fahrrad ohne elektrischen Antrieb unterschieden werden kann. Andererseits wird es auch in fünf Jahren noch eine Vielzahl von Pedelec-Modellen geben, die ganz klar als solche identifizierbar sind: Denn während der eine tendenziell lieber puristisch und schlicht unterwegs ist, möchte der andere bewusst als E-Biker wahrgenommen werden – und damit ein klares Statement setzen.“

Was ganz einfach klingt – nämlich leichtere und leistungsfähigere Batterien in die E-Bikes zu packen – stellt Fahrradhersteller durchaus vor Herausforderungen. „Mit der zunehmenden Integration von E-Bike-Komponenten werden auch die Entwicklungsaufgaben für Fahrradhersteller anspruchsvoller. Das Produktmanagement bei einem E-Bike-Anbieter wird dabei immer mehr zum Projektmanagement, bei dem das Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Partner und Akteure koordiniert werden muss“, erklärt Jens Steinhäuser, der beim Fahrradhersteller Hartje die Entwicklung der sportiven Marke Conway verantwortet.

Wie sieht nun ein typisches E-Bike im Jahr 2022 aus? „Das E-Bike des Jahres 2022 lässt sich überhaupt nicht explizit skizzieren, weil es das E-Bike 2022 gar nicht gibt. Schon heute sehen wir, dass Elektroantriebe immer mehr Fahrrad-Typen und -Kategorien erschließen. Und dieser Trend wird sich fortsetzen. E-Bikes werden im Jahr 2022 in so vielen Facetten bestehen, dass jeder Versuch, sie umfassend zu beschreiben, den Rahmen bei weitem sprengen würde“, meint Michael Wild vom Shimano-Vertreiber Paul Lange.

Diese Marktdynamik spiegelt sich auch auf der Eurobike wider, die als Leitmesse der Fahrradindustrie für den E-Bike-Markt zu den international wichtigsten Plattformen zählt. „Die Eurobike bricht mit über 1350 Ausstellern aus rund 50 Ländern in 2017 wieder alle Rekorde. Dabei dokumentiert die Entwicklung der Eurobike, wie sich aktuell die Struktur der Fahrradbranche ändert. Die Messebesucher werden auf der Eurobike wieder viele neue Namen unter den Ausstellern sehen. Einige davon, die heute zu den marktbestimmenden Unternehmen in der Fahrradszene zählen, waren noch vor ein paar Jahren in der Branche eher unbekannt. Dafür sind einige Namen, die in den letzten Jahrzehnten durchaus groß waren, heute nicht mehr auf dem Messeparkett präsent“, beobachtet Stefan Reisinger, Bereichsleiter der Eurobike bei der Messe Friedrichshafen.

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