Morgengruß von Helmut Harff: Vorfreude

… doch worauf?

Gestern las ich im „Märkischen Boten“ eine Kolumne von Jürgen Heinrich. Er beschäftigt sich mit der Vorfreude und fragt, worauf wir uns eigentlich freuen.

Ja, worauf freuen wir uns? Die Frage kann ich nicht beantworten, zumal meine Vorfreude schon etwas länger anhält. Ich freue mich nämlich nicht nur auf Weihnachten, sondern schon auf die heute beginnende Adventszeit. Da backe ich, da schmücke ich mit der besten Frau der Welt die Wohnung, da genieße ich schon den einen oder anderen Lebkuchen und vor allem Spekulatius.

Ich freue mich auf brennende Kerzen, auf einen Glühwein am heimischen Kamin und auf Grünkohl mit Knacker auf dem Weihnachtsmarkt. Vor allem auf Weihnachtsmärkte freue ich mich. Ich freue mich auch darauf, Geschenke zu kaufen, die Weihnachtsgans auszusuchen. Selbstverständlich freue ich mich auf den Weihnachtsbaum.

Und doch, das ist alles schön und gut und sorgt ebenso wie die Weihnachtsmusik für eine ganz eigene Stimmungslage bei mir, wie sie nur die Advents- und Weihnachtszeit zu bieten hat. Die wird noch einmal gesteigert, wenn Frau Holle ihre Betten schüttelt.

Ja, ich freue mich auch auf die weihnachtlichen Geschichten, auf weihnachtliche Musik und auf weihnachtliche Konzerte auf den Weihnachtsmärkten und in der Kirche. Ich freue mich auf das Weihnachtsoratorium, die geistliche Musik, die nur in den wenigen Tagen im Advent und der Weihnachtszeit passt.

Diese Musik, die Geschichten sind es, die dann meine Vorfreunde auf den eigentlichen Grund des Weihnachtsfestes steigern – die Geburt eines kleinen Kindes vor mehr als 2.000 Jahren in der Region, die heute zu den krisengeschüttelsten überhaupt gehören. Dieser Knabe, der wohl nie wusste, dass er zu den wichtigsten Menschen überhaupt gezählt werden wird, hat die Welt verändert.
 
Wobei, da sind wir wieder bei der Vorfreude: Er, dessen Geburtstagsfeier wir gerade vorbereiten, zeigte auf, wie sich die Welt verändern ließe. Gelungen ist das bisher nicht. Wie vor 2017 Jahren ist die Heimat des Jesus von Nazareth noch immer Schauplatz von Unterdrückung und Leid. Was bleibt, ist die Vorfreude darauf, dass es endlich Friede auf Erden geben wird.

Doch reicht unsere Vorfreude auf Friede auf Erden? Kommt der allein, wenn wir uns nur genug darauf freuen? Nein, der Friede muss von uns gemacht werden. Nur die Vorfreude reicht ja schon nicht dafür, dass wir am 24. Dezember unter dem geschmückten Weihnachtsbaum Geschenke auspacken können. Dafür müssen wir was tun und tun das mit viel Vorfreude. Wir sollten, nein wir müssen mindestens genauso aktiv sein, damit aus unserer Vorfreude wirklich Friede auf Erden wird. Erst dann haben wir die Botschaft von Weihnachten verstanden.

Ich bin jetzt voller Vorfreude darauf, das erste Lichtlein am Adventskranz zu entzünden.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Genießen Sie die Vorfreude auf all das, was die Adventszeit zu bieten hat.

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