Wirtschafts-News vom 7. Dezember 2017

Michael Weyland informiert...

(Michael Weyland) Nach dem Aus von Air Berlin entsteht das vierte Quasi-Monopol im Mobilitätsmarkt. In der breiten Öffentlichkeit verstärkt sich die Befürchtung, dass Fliegen in Deutschland zukünftig deutlich teurer werden könnte, als dies bisher der Fall war. Nachdem die Übernahme der insolventen Air Berlin im Sommer von vielen geradezu „herbeigesehnt“ wurde, zeigen sich mittlerweile recht deutliche Konsequenzen.

Im innerdeutschen Flugverkehr herrscht ein Kapazitätsengpass, nachdem das Insolvenzverfahren im Fall Air Berlin eröffnet und die direkte Weiternutzung ihrer Flugzeuge nicht möglich ist. Mehr als die Hälfte der Air Berlin-Maschinen (80 von insgesamt 140), die bislang innerdeutsche Flugverbindungen bedient haben, sind seit Ende Oktober nicht im Einsatz.

In dieser Situation ist es nur konsequent, dass die Ticketpreise bei den verbleibenden Anbietern steigen. „Auch wenn das Lufthansa-Management beteuert, dass die Preise nicht gezielt angehoben werden, ändert dies nichts daran, dass die Preise steigen. Dafür sorgen die Buchungssysteme der Airlines, die sensibel auf Nachfrageänderungen reagieren („Dynamisches Pricing“). Für die Lufthansa ist dies Chance und Risiko zugleich“, betont Prof. Dr. Andreas Krämer als Autor der Studie Pricing Lab 2017, die zur Ermittlung und Bewertung von Trends im Preismanagement dient und die jährlich mehrmals in Kooperation von der exeo Strategic Consulting AG und der Rogator AG durchgeführt wird und die u.a. die veränderten Mobilitätsstrukturen bei Fernreisen in Deutschland untersucht.

Wenn, wie die Lufthansa vorrechnet, jeden Tag 60.000 Sitzplätze im innerdeutschen Luftverkehr fehlen und die Kapazität nicht kurzfristig bereitgestellt werden kann, dann bieten sich für die Reisenden folgende Optionen. Erstens, gar nicht zu fliegen (dies stellt für die meisten keine echte Option dar). Zweitens trotzdem zu fliegen (und zu akzeptieren, dass der Flug bei 100 % Auslastung weniger komfortabel und gleichzeitig deutlich teurer ist). Oder drittens, auf eine Verkehrsmittelalternative wie Pkw, Bahn oder Fernbus auszuweichen. Allerdings werden in die Verkehrsmittelwahl in der Regel nicht alle objektiv möglichen Alternativen einbezogen.Von Personen, die in den vergangenen 12 Monaten Flugreisen unternommen haben, erwägen nur   30 % die Nutzung der Bahn und noch weniger (19 %) den Fernbus.  Zwar ist der Fernbus in der Regel günstiger als die Bahn, allerdings im Normalfall auch erheblich langsamer und somit für die eher zeitsensiblen Fluggäste weniger akzeptabel. 

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