Morgengruß von Helmut Harff: Fundstücke

… auf einem Waldspaziergang

Die Sonne scheint, es ist kalt und die Landschaft weiß überzuckert. Was liegt also näher, als sich warm anzuziehen und sich auf zu einem Waldspaziergang zu machen. Genau das taten die beste Frau der Welt und ich auch gestern wieder. Wozu wohnt man fast im Wald.

Es machte wirklich Spaß, bis wir nach einigen Kilometern auf etwas aufmerksam wurden, was einfach nicht in den Wald gehört. Um so genauer wir hinsahen, um so mehr sahen wir überall Plastikreste. Das wunderte uns, den das nächste Dorf ist bestimmt zwei Kilometer entfernt und außer der wenig befahrenen Autobahn Richtung Polen gibt es keine befestigte Straße, von Industriebetrieben gar nicht zu reden. Ich rede von der Lausitz. Da gibt es außer Braunkohle nicht viel.

Und doch, überall im Wald sahen wir Plastikmüll. Nein, es war kein Haushaltsmüll, den ein geiziger Zeitgenosse nicht in seiner Mülltonne, sondern im Wald entsorgt hat. Das war Flatterband von Absperrungen – zum Teil mit Polizeiaufdruck, es waren leere Verpackungen, es waren zerfetzte, ziemlich dicke Plasteplanen und ähnlicher, wenig haushaltstypischer Müll, der da den Wald verschandelte.

Wir fragten uns, ob da wirklich das Verbot für Plastik-Trinkhalme und –Ohrstäbchen etwas helfen wird. Wohl eher nicht. Wieso verbietet man nicht den Einsatz von Plastik als Verpackungsmaterial – beispielsweise für Autos oder Windräder? Wieso darf noch immer Plastikfolie als Verpackungsmaterial oder als Polstermaterial bei Paketen verwendet werden? Allein ich schmeiße Monat für Monat mindestens fünf Quadratmeter Waffelfolie weg, die in Paketen als Polster eingesetzt werden.

Beim Weitergehen fielen uns Heuballen auf, die farbenfroh in Plastikfolie eingewickelt worden und so auf dem Feld lagern. Ist das für die Umwelt nicht schädlicher als der menthanhaltige Pups der Kühe? Denen kann man die Blähungen schlecht abgewöhnen, Heuballen werden auch ohne umweltbelastende Umhüllungen gelagert.

Der Waldspaziergang zeigte mir mal wieder die Unfähigkeit der Politik, das Problem des Plasikabfalls  in den Griff zu bekommen. Wäre die Politik ein Ernährungsberater, würde sie mir empfehlen, beim Eisbein den Senf, und bei der Torte die Dekokirsche wegzulassen um deutlich abzunehmen.

Wann wachen die Verantwortlichen endlich auf und geben ihr unseliges klein-klein in Sachen Umweltschutz auf? Wann machen Sie mal wirklich ernst und hören mit ihren Sonntagsreden auf? Vielleicht sollten die Verantwortlichen in der Politik beim nächsten Besuch in der Lausitz auch mal einen Waldspaziergang machen.

Sie meinen, die kommen nicht hierher? Hallo, wir haben in Brandenburg Landtagswahlen und das Problem der Bewältigung des Kohleausstiegs. Da geben sich schon jetzt die Politiker die Klinke in die Hand. Wobei die am ehesten die Autoklinke in der Hand haben und sich darüber freuen, dass sie die obligatorische saure Spreewaldgurke nicht auf einem Plastikteller serviert bekommen. So ein Bild würde sich auch in der Presse nicht gut machen. Den Plastikmüll im Wald bekommen die so garantiert nicht zu sehen. Oder wollen die den gar nicht sehen?

Draußen ist nach wie vor schönes Winterwetter. Da macht der Weg zum Bäcker gleich nochmal soviel Spaß.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück.

Foto: Pixabay

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