Alles Nerds oder Perverse!

Kurzfilm Handarbeit (2019)

(Günther Dorn / genussmaenner.de) Eine Zensurbehörde in irgendeinem arabischen Land. Ibrahim (Husam Chadat) ist der Oberzensor und wacht darüber, dass in allen Zeitungen und Zeitschriften die Damen züchtig verhüllt sind. Sind sie das nicht, hilft er mit seinem schwarzen, alles verdeckenden Edding-Stift nach und bedeckt die Körperteile, die da so schamlos gezeigt werden. Wo das nicht möglich ist, verbietet er eine Zeitung komplett.

Von seinen unterstellten Mitarbeitern in der Zensurbehörde hält er nicht viel - sie machen Ibrahim keine Freude: Mal schießen sie viel zu weit über das Ziel hinaus, das nächste Mal ist ihre Arbeit ein Witz. "Entweder sind sie Nerds oder Perverse!", erklärt er seinem Kollegen Waleed (Mohamad Al Rashi).

Untergebener Waleed bringt regelmäßig neues Material, das Ibrahim hingebungsvoll prüft und zensiert. Ibrahim muß die Arbeit der Kollegen überwachen und - wo nötig - korrigierend eingreifen. Eine mühsame, noch dazu schweißtreibende Arbeit - eine Belastung für Herz, Seele - und Hormone. Doch eines Tages entdeckt Waleed in einer dieser Zeitungen ein Bild, das Ibrahim unmöglich sehen darf: Er riskiert alles, um diese Zeitung vor Ibrahim zu verbergen.

Marie-Amélie Steul zeigt einen erfrischenden und unterhaltsamen Kurzfilm und die Kämpfe, die Zensoren mit anderen und mit sich ausfechten. In ihrer Satire nimmt die deutsch-französische Regisseurin die Zensur auf die Schippe und offenbart die Schwächen der ach so Korrekten und Scheinheiligen.

 

Die perfekte Besetzung für die Filmfigur Ibrahim ist der deutsch-syrische Schauspieler Husam Chadat. Vielen ist der 52-Jährige aus Tatort, Notruf Hafenkante oder Polizeiruf 110 bekannt und er verkörpert den Zensor Ibrahim glaubwürdig und finster - vollkommen desillusioniert von der verkommenen Welt um ihn herum. Und doch schlägt auch unter der strengen Maske ein Herz.

Sein provokanter Gegenpart Waleed, gespielt von Mohamad Al Rashi, ist dem Leben und Lieben mehr zugeneigt und betrachtet die schweißtreibende Arbeit der Zensoren mit einem Augenzwinkern: "Stell Dir vor, Deine Ehefrau wüßte, was Du dir hier den ganzen Tag anschaust!", neckt er den Oberzensor gerne. Die dritte Hauptdarstellerin ist leider nur in Fotos zu sehen. Die Münchner Schauspielerin Özge Delioglan spielt die schöne Muznah.

Drehbuch, Produktion und Regie - alles in der Hand von Marie-Amélie Steul und gedreht der wurde der Film in Berlin. Für die Kamera zeichnet verantwortlich Jacob Seemann und den Schnitt übernahm Patricia Mestanza Niemi.

 

genussmaenner.de empfiehlt: Anschauen!

Premiere hatte der Film während der Berlinale im Februar 2019. Demnächst ist er voraussichtlich auf verschiedenen Filmfestivals zu sehen. Wer die Zeit hat: genussmaenner.de empfiehlt: Hingehen und auf jeden Fall anschauen!

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