Morgengruß von Helmut Harff: Ich bin noch da

... wenn auch nicht zu ganz

Sie haben sich sicherlich schon gewundert, dass es schon lange keinen Morgenkommentar gab. Nein, ich habe mich zumindest nicht freiwillig zurück gezogen, noch habe ich keine Lust mehr oder bin in Rente gegangen.

Es ist viel einfacher: Ich wurde total ausgebremst, beziehungsweise mein Körper hat einfach seinen Dienst aufgekündigt. Nun gehöre ich nicht zu den Männern, die meinen, zum Arzt zu gehen ist nur etwas für Weicheier.

Ich habe mich von der Besten Frau der Welt ins Krankenhaus fahren lassen und da bin ich nun schon über eine Woche. Die war nun alles andere als prickelnd. Pünktlich zum 65. Geburtstag erhielt ich die Diagnose Lungenentzündung, hervorgerufen durch einen sich dort eingenisteten Krebs. Dumm gelaufen.

Doch was macht man mit so einer Diagnose? Man wartet auf seine OP. Aus der werde ich mit einer verkleinerten Lunge aufwachen. Das ist schon vielen so gegangen und Jammern hilft wirklich nicht weiter. Einerseits sind die Dinge wie sie sind und andererseits muss man das Beste aus der Situation machen. Hier bekommt der Satz vom positiven Denken einen viel realeren Sinn, als wenn mal das Finanzamt nervt.

Was bleibt also? Die Zukunft organisieren. Ich werde sicherlich am Schreibtisch sitzen können, ich werde auch hier und da reisen können, Messen besuchen. Ich werde viel draußen rumlaufen, mit meinem E-Bike unterwegs sein und ich werde ganz sicher weiter golfen können - keine schlechten Aussicht.

Eines muss ich sicher lernen: Etwas kleinere Brötchen backen. Der Besten Frau der Welt - das ist sie wirklich - reicht das sicherlich nicht, denn sie weiß, wie ungeduldig ich bin. Aber sie passt auf.

Ja, was macht so ein völlig überraschender Einschnitt ins Leben? Es verändert es, es relativiert vieles. Es zeigt aber auch, wer wirklich zu einem steht. Ja, das ist die Beste Frau der Welt, das ist die Familie und das ist vor allem mein Freund und Kollege Günther. Ihm verdanken Sie, dass sie auch in den vergangenen und den nächsten Tagen immer wieder Neues auf genussmaenner.de zu lesen finden.

Bleibt nur das Fazit, dass Mann sich nicht um den Arztbesuch drücken soll, dass Dinge einfach passieren und dass man - egal was passiert - immer versucht, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Ich freue mich darauf, mit der Besten Frau der Welt wieder zusammen Frühstücken zu können.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Sonntagsfrühstück und viel Gesundheit.

Foto:
Martina Brunotte

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