
Wenn am 1. Februar 2026 in Nassereith das Geläut schwerer Schellen durch die Gassen hallt und eine Woche später, am 8. Februar 2026, in Imst maskierte Figuren die Straßen übernehmen, erwacht jahrhundertealte Tradition zum Leben. Zwei außergewöhnliche Fasnachtsbräuche verwandeln Orte und Plätze in Bühnen archaischer Rituale, die seit Jahrhunderten das Gemeinschaftsleben prägen.
Das Schellerlaufen in Nassereith und die Imster Buabefasnacht stehen für eine Form von Brauchtum, die weit über regionale Grenzen hinausstrahlt und zum Teil schon von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. Ihre besondere Kraft liegt nicht zuletzt in ihrer Seltenheit: Nur alle drei beziehungsweise vier Jahre entfalten diese traditionsreichen Ereignisse ihre Faszination.
Nassereither Schellerlaufen – farbenfroher, einzigartiger Brauch
Das Nassereither Schellerlaufen wird nur alle drei Jahre begangen und folgt einem präzise überlieferten Ritual mit festgelegten Figuren und Abläufen. Namensgebend sind die Scheller: Männer in farbenprächtigen Gewändern, mit aufwendig geschnitzten Zirbenholzmasken mit barocken Schnurrbärten und bis zu 30 Kilogramm schweren Schellen um die Hüften. Mit kraftvollen Bewegungen bringen sie die Glocken zum Hallen und verleihen dem Umzug seine unverwechselbare Klangkulisse. Feste Begleiter sind die Kehrer und die Roller, die den Schellern vorangehen. Ihre Masken zeigen jugendliche Gesichter mit feinem Oberlippenbart. Während der Kehrer mit seinem Besen die Reinigung des Weges stilisiert, sind es beim Roller glänzende Rollen um die Hüfte getragen, deren helles Läuten einen bewussten akustischen Gegenpol zu den schweren Schellen bildet. Die reich geschmückten Kostüme sorgen für eine außergewöhnliche Farbenvielfalt und machen den Umzug zu einem eindrucksvollen visuellen Erlebnis.
Zentrales Element des Schellenlaufens ist der Bärenkampf, ein archaisches Schauspiel von hoher Symbolkraft. In diesem rituellen Kampf tritt der Bär seinem Treiber gegenüber und geht schließlich als Sieger hervor, ein Sinnbild für das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings. Verkörpert wird der Bär dabei nicht von einem Tier, sondern von einem Menschen im kunstvoll gestalteten Bärenkostüm. Neben der intensiven Klang- und Bewegungsdynamik prägen vor allem die ausdrucksstarken Holzmasken heimischer Künstler den Charakter des Nassereither Schellerlaufens. Nach dem traditionellen Bettläuten am Abend endet das Geschehen, Masken und Gewänder verschwinden wieder für die nächsten drei Jahre in den Truhen der Aktiven. Seit 2012 ist das Nassereither Schellerlaufen als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.
Ablauf des Nassereither Schellerlaufens am Sonntag, den 1. Februar
08:00 Uhr Umschlagen – Prinz Karneval
09:45 Uhr Aufzug der Masken
12:00 Uhr Beginn des Schellerlaufens
18:00 Uhr Ende des Schellerlaufens
Imster Buabefasnacht – Gelebte Tradition der nächsten Generation
Die Imster Buabefasnacht ist weit mehr als ein eine Miniaturversion des großen Imster Schemenlaufens, das den erwachsenen Männern vorbehalten ist. Sie ist eine sorgfältige Anpassung der Tradition für die jüngsten Träger. Die Imster Burschen schlüpfen dabei alle vier Jahre in die traditionellen Gewänder und Masken. 350 waren es in der vergangenen Fasnacht im Jahr 2023. Da die Kostüme der Erwachsenen für die meisten jungen Burschen zu groß und zu schwer sind, werden für die kleinen Fasnachtler eigene „Gwandle“ geschneidert und eigene Masken geschnitzt. Dieser hohe handwerkliche Aufwand macht deutlich, welchen Stellenwert die Buabefasnacht in Imst einnimmt. Sie ist ein eigenständiger Ausdruck gelebter Fasnacht, der den Nachwuchs behutsam und zugleich ernsthaft an die jahrhundertealte Tradition heranführt.
Die Vorbereitungen auf die Imster Buabefasnacht beginnen lange vor dem eigentlichen Veranstaltungstag und sind fester Bestandteil des Fasnachtsgeschehens. Über Wochen hinweg wird genäht, geschnitzt und geprobt: „Gwandle“ entstehen in aufwendiger Handarbeit, „Larvle“ werden individuell aus Holz gefertigt und mit viel Geduld bemalt. Parallel dazu üben die Buabe ihre Rollen, Sprünge und Formationen, lernen Abläufe, Reihenfolgen und das richtige Zusammenspiel im Tanzkreis. Begleitet und angeleitet von erfahrenen Fasnachtlern wächst so nicht nur die Sicherheit im Ablauf, sondern auch das Verständnis für die Bedeutung des Brauchs. Diese intensive Vorbereitung macht die Buabefasnacht zu mehr als einem Umzug – sie ist erlebbare Tradition, die von Generation zu Generation weitergetragen wird.
Ablauf der Imster Buabesfasnacht am Sonntag, den 8. Februar
10:00 Uhr: Zusammenkommen, Aufzug der Buabe
12:00 Uhr: Start des Umzugs mit dem Mittagsläuten
16:30 Uhr: Ende der Buabefasnacht im Schlusskreis
Fotos: Gerhard Berger
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Die Imster Buabefasnacht und das Nassereither Schellerlaufen als lebendige Zeugnisse jahrhundertealter Kultur
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