Das können Unternehmen von Sportlern lernen

Beratung durch Psychologinnen und Psychologen von TÜV Rheinland



Zwischen Leistungssport und Wirtschaft gibt es viele Parallelen: Es kommt bei beiden darauf an, Ziele zu erreichen und als Team zu agieren. Dabei sind Motivation, Teamstruktur und Kommunikation wesentliche Erfolgsfaktoren. Aber auch der zukunftsorientierte Umgang mit Rückschlägen ist wichtig.


„Jede Sportlerin und jeder Sportler muss in ihrer beziehungsweise seiner Karriere Rückschläge verkraften. In der Sportpsychologie analysieren wir, welche für die Niederlage verantwortlichen Faktoren konnte der Sportler selbst beeinflussen. Dort lohnt es sich, genauer hinzuschauen und aus den Fehlern zu lernen“, erklärt Julian Trahe, Sport- und Arbeitspsychologe bei TÜV Rheinland. Auch in Unternehmen zahle es sich aus, nach einem Rückschlag nicht nach Schuldigen zu suchen, sondern die Ursachen zu betrachten und Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen. Dabei sei es Aufgabe der Unternehmenskultur und der Führungskräfte, diese positive Fehlerkultur vorzuleben. TÜV Rheinland begleitet Unternehmen dabei mit Angeboten zur Arbeits-, Betriebs- und Organisations-Psychologie.

Mehr Fokus durch Innehalten

Gerade in Krisen können Meetings sehr emotional sein. Hier helfen Methoden der Sportpsychologie bei der Fokussierung: „Atemtechniken, beispielsweise fünf Sekunden einatmen, sieben Sekunden den Atem anhalten und acht Sekunden ausatmen oder Achtsamkeitsübungen vor oder in Meetings bauen Stress ab und helfen den Teilnehmenden, lösungsorientierter zusammenzuarbeiten“, erläutert Trahe.

Stärken der Teammitglieder nutzen

Die meisten Sportlerinnen und Sportler haben ein klares Ziel vor Augen und nutzen Visualisierungstechniken, um sich vorzustellen, wie es sein wird, am Wettkampf teilzunehmen. Sie arbeiten Schritt für Schritt auf dieses Ereignis hin. In Unternehmen sind die Ziele hingegen oft nicht klar benannt und somit nicht visualisierbar. Dabei zeigt die Erfahrung, dass Ziele, die gemeinsam mit dem Team entwickelt wurden, häufiger erreicht werden. „Neben dem gemeinsamen Ziel ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden auch persönliche Entwicklungsziele haben. Das bedeutet, dass sie sich ihren Stärken entsprechend ins Team einbringen können. Ganz wesentlich ist dabei das Feedback der Führungskraft und des Teams: Lob lässt Mitarbeitende wachsen und gibt Kraft, auch mit negativen Rückmeldungen umzugehen“, so Trahe. Bei kritischem Feedback sollte ebenso wie bei Rückschlägen eine lösungsorientierte Herangehensweise gewählt werden, die der Führungskraft und der betroffenen Person die Möglichkeit gibt, aus dem Geschehenen zu lernen.

Vertrauen fördert persönliche Entwicklung


Um die Stärken der Beschäftigten zu erkennen, ist ein moderner Führungsstil, bei dem Führungskräfte auf Augenhöhe mit den Mitarbeitenden kommunizieren und Interesse an den Menschen zeigen, ebenso entscheidend wie ein Vertrauensvorschuss. Letzterer ermöglicht es, Beschäftigten neue Projekte und weiterführende Aufgaben zu übertragen, die die persönliche Entwicklung fördern. Welche das sein könnten, erfahren Führungskräfte meist im persönlichen Austausch, beispielsweise in regelmäßigen Feedbackgesprächen.

Der Schlüssel zum Erfolg: ein funktionierendes Team

In Teams arbeiten oft sehr unterschiedliche Menschen zusammen. Für den Teamzusammenhalt und auch bei der Auswahl neuer Teammitglieder ist es daher wichtig, dass Kolleginnen und Kollegen trotz aller Unterschiede miteinander harmonieren. „Aufgabe des Trainers oder der Trainerin ist es, eine Gemeinschaft zu formen. Das bedeutet auch, Konflikte zu erkennen und bei Bedarf zu vermitteln, gemeinsame Gespräche zu führen und gegebenenfalls auch einen externen Mediator hinzuzuziehen. In Unternehmen fällt den Führungskräften die Rolle des Trainers zu, denn schwelende Konflikte senken die Leistungsfähigkeit des Teams“, erläutert der Sportpsychologe.

Für den Zusammenhalt eines Teams sind zudem reale Begegnungen wichtig, um sich auf persönlicher Ebenen kennen zu lernen. Im virtuellen Raum bieten Update-Calls am Morgen ebenso Austauschmöglichkeiten wie regelmäßige Termine für ein virtuelles Kaffeetrinken, bei dem persönliche Themen im Mittelpunkt stehen. „Gemeinsame Erlebnisse schweißen ein Team zusammen und motivieren die Mitglieder, immer das Beste zu geben – im Sport und im Unternehmen“, betont Trahe.

Foto: Pixabay

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