Lieber ECHT kaputt als perfekt am Arsch

Warum Scheitern oft der beste Anfang ist



Ein tief bewegendes, schonungslos ehrliches und zugleich hoffnungsvolles Buch, das mitten ins Herz trifft.

Die Autorin schildert authentisch ihren Zusammenbruch, den Verlust von Erfolg, Status und gesellschaftlichen Rollen und den Moment, in dem sie bereit war, ihr Leben aufzugeben. Doch in dieser dunkelsten Stunde öffnete sich ein neuer Weg: Die Einsicht, dass das alte System aus Anpassung, Perfektion, Selbstoptimierung und fremden Erwartungen nicht mehr trägt. Trotz Schwere der Themen bleibt der Ton nahbar, lebensklug und manchmal ironisch – eine Einladung, nicht »perfekt zu strahlen«, sondern echt zu werden.

Die Autorin führt durch die »7 Schritte der Wahrheit«, das von ihr entwickelte Selbstheilungssystem, das Psychologie, persönliche Erfahrung, Spiritualität und einfache Reflexionsübungen verbindet. Sie führt Schritt für Schritt zu Klarheit über innere Muster, Rollen und Lebenslügen. Vom Erkennen der inneren Leere über das Ablegen von Masken, dem Aufspüren fehlender Liebe, bis hin zu radikaler Ehrlichkeit, Loslassen und Selbstvergebung zeigt es den Weg zurück zur inneren Freiheit. 

Ein Gespräch über Wahrheit, Selbstheilung und den Mut, nicht mehr weiterzumachen



Frau Dr.in Jankovic-Steiner, was war der Auslöser für dieses Buch?
Dr.in Jankovic-Steiner:
Der ehrliche Auslöser war, dass ich jahrelang ein sehr erfolgreiches Leben geführt habe. Viel Geld, großer beruflicher Erfolg, ein funktionierendes Außen. Fünf Tage pro Woche sah alles beeindruckend aus. Die anderen zwei Tage lag ich zu Hause, gefangen in Fressattacken, Depressionen, Burnout und diesem Wunsch, einfach zu verschwinden.

Ich konnte diesen Glanz nur aufrechterhalten, weil ich selbständig war. Wäre ich angestellt gewesen, hätte man bemerkt, dass ich nicht mehr konnte. An Tagen, an denen ich vor innerer Leere kaum atmen konnte und mich für undankbar hielt, hatte ich Ausreden bereit. Termine, Stress, Projekte. Alles war plausibel, solange niemand hinter die Fassade blickte. Ich denke vielen geht es ähnlich. Das ist der Grund.

Der Titel ist provokant. Warum »Lieber echt kaputt als perfekt am Arsch«?
Dr.in Jankovic-Steiner:
Weil es Zeit wird, ehrlich zu sein. Perfekt war gestern. Kaputt ist für mich das neue »Perfekt», einfach Mut zur Lücke.

Kaputt ist der Punkt, an dem ein echtes Leben beginnt. Der Moment, an dem die Wahrheit stärker wird als die Maske. Ich habe damals alles verloren. Geld, weil ich falsch investiert habe. Menschen, denen ich vertraut habe. Und zum Schluss meine eigene körperliche Sicherheit. Ich erhielt eine Todesdiagnose und lebte sechs Wochen lang mit der Überzeugung, dass ich sterbe. Das hat mir den Rest gegeben.

Die letzten drei Jahre waren ein einziges Fallen. Und immer wenn ich dachte, tiefer geht es nicht, ging es noch tiefer. Dabei habe ich erkannt, ein perfekter Arsch kann mich hier nicht retten.


Sie sprechen von einem „neuen System“. Was meinen Sie damit?
Dr.in Jankovic-Steiner:
Das alte System hat ausgedient. Wir haben jahrzehntelang geglaubt, Sicherheit läge in Geld, Status, Beziehungen, selbst in solchen, die uns längst krank machten. Wir dachten, wenn wir nur brav funktionieren, bleibt unser Leben stabil. Doch wir stehen längst mitten in einer Krise. Arbeitsplätze brechen weg. Beziehungen zerfallen. Menschen leben in Angst, in Ohnmacht, in einem inneren Zittern, das kaum jemand ausspricht.

ich bin durch diese drei Jahre gegangen und habe erkannt, was wirklich fehlt. Das Außen bricht. Das Innere ist nie aufgebaut worden. Menschen, die ihr Leben ausschließlich im Außen geführt haben und denen jetzt alles entgleitet, werden kollabieren, wenn sie nicht endlich ehrlich nach Innen schauen.
Das neue System ist eine Haltung, wie sie kaum jemand lebt. Eine Orientierung nach innen. Ein Aufbau dessen, was in uns tragfähig ist, während das Außen wankt.


Manche könnten Ihnen vorwerfen, Sie kritisieren mit diesem Buch Woke Menschen, die sehr stark über Gefühle und Sensibilität sprechen. Tun Sie das?
Dr.in Jankovic-Steiner:
Ich bin kein Mensch, der bewertet, diesen Hochmut habe ich in den letzten drei Jahren zurücklassen müssen. Was ich beobachte, ist etwas anderes. Im alten System waren Fallen eingebaut, die heute noch wirken. Die wichtigste davon heißt: Zugehörigkeit. Hauptsache ich gehöre irgendwo dazu, egal ob ich mich darin wiederfinde oder nicht. Viele vertreten eine Meinung, doch kaum jemand weiß, wohin sie führt.

Ich kritisiere nicht Sensibilität. Ich kritisiere den Wahnsinn, wenn intime Themen nach außen gekehrt und öffentlich seziert werden. Ich kritisiere, wenn Menschen das Recht verlieren, eine eigene Sicht zu haben, ohne sofort an den Pranger gestellt zu werden. Meinungsfreiheit wird plötzlich als Bedrohung empfunden. Das sehe ich sehr stark im Social-Media-Bereich und in Diskussionen, die eigentlich Raum für Tiefe bräuchten. Mit dieser Dynamik kann ich wenig anfangen, denn sie zerstört mehr, als sie klärt.


Gibt es Ihrer Meinung nach einen Ich-mag-mich-nicht-Trend?
Dr.in Jankovic-Steiner:
Ich sehe diesen Trend so nicht. Was ich wahrnehme, ist etwas anderes. Die ganze Selbstliebe-Bewegung, dieses Mantra, sich zehnmal am Tag zu sagen, dass man sich liebt, bringt viele Menschen in eine innere Hochspannung.
Denn was passiert wirklich?

Ich sage mir „Ich liebe mich“, glaube es aber nicht. Mein Nervensystem wird dabei immer enger, immer angespannter, weil der Körper spürt, dass die Worte und die Wahrheit nicht zusammenpassen. Das erzeugt Stress, der oft unbemerkt bleibt, aber unterschwellig alles belastet.

Wenn jemand dagegen sagt „Ich mag mich gerade nicht, weil … (und das weil ist wichtig)“, entsteht etwas im Körper: Wahrheit. Aus Ehrlichkeit wächst Erkenntnis und daraus Bewegung. Man kann etwas verändern, weil man einen klaren Ausgangspunkt hat. Aber zu behaupten, man liebe sich grenzenlos, während man innerlich zusammenbricht, erzeugt Druck. Und Druck ist für Heilung Gift.


Sie sind Psychologin. Kritisiert Ihr Buch auch die Geschäftemacherei im Gesundheits- und Selbsthilfebereich?
Dr.in Jankovic-Steiner:
Ja. Sehr deutlich. In diesem Buch werden Manipulationstechniken offengelegt, denen ich selbst einmal aufgesessen bin und die ich – das sage ich heute offen – in der Hexenschule Wien auch weitergegeben habe, unbewusst und absolut nicht berechnend und dennoch habe ich es getan. Dabei sind ein paar Stellschrauben immens wichtig, die in dem Buch beleuchtet werden, wenn man die erkennt, dann kann man nicht mehr manipuliert werden und ja, sie haben mit dem Inneren zu tun.

Das ganze New-Age-Konstrukt funktioniert über die Fehlbarkeit des Menschen.
Das höchste Ziel ist dort Selbstoptimierung. Und wenn man es nicht schafft, wer ist dann schuld? Man selbst.

Mit dieser Logik kommt man in eine Abwärtsspirale. Man sucht immer neue Programme, neue Methoden, neue Erkenntnisse, und merkt nicht, dass all das den eigenen inneren Mangel nur füttert.

Dieses Buch deckt diese Mechanismen auf. Nicht, um anzuprangern, sondern um die Leserinnen wieder in ihre eigene Kraft zu bringen. Wenn Heilung abhängig macht, ist es keine Heilung. Wenn ein System verspricht, dich besser zu machen, hält es dich klein.


Ist dieses Buch ein Anti-Ratgeber? Sie geben ja keine klassischen Tipps.
Dr.in Jankovic-Steiner:
Ja, wenn man unter Ratgeber versteht, dass jemand vorgibt, wie man zu sein hat. In diesem Sinn ist es ein Anti-Ratgeber. Ich möchte niemandem erklären, wie das Leben funktioniert. Ich möchte keinen Menschen in ein System pressen, das ihn wieder von sich selbst wegführt.

Gleichzeitig ist es eine Anleitung. Ein klarer Weg in sieben Schritten, der Leserinnen und Lesern hilft, ihre eigenen Antworten zu finden. Wahrheit entsteht nicht durch Vorgaben. Wahrheit entsteht, wenn jemand endlich sieht, was in ihm selbst liegt.

Sie haben bereits andere Bücher veröffentlicht. Wie fügt sich dieses in Ihr bisheriges Werk ein?
Dr.in Jankovic-Steiner:
Meine früheren Bücher waren stärker fachlich und methodisch orientiert. Viel Struktur, viel Psychologie, viel Vermittlung. Dann kamen die Hexenbücher, die einen spielerischen Zugang ermöglicht haben. Sie haben Räume geöffnet, in denen Frauen sich ausprobieren konnten und dennoch war dies aus einer alten Haltung heraus publiziert und ob es den Menschen (langfristig) wirklich geholfen hat … ich stelle auch das in Frage.

Dieses neue Buch steht an einem anderen Punkt. Es ist persönlicher. Radikaler. Klarer. Alles, was ich gelernt habe, fachlich und menschlich, fließt hier zusammen. Es erklärt weniger und zeigt mehr. Es geht weg vom Denken und hinein in das Erleben. Ich glaube, dieses Buch ist das ehrlichste, das ich bisher geschrieben habe.

Was wünschen Sie sich, dass Leserinnen und Leser nach der letzten Seite fühlen oder tun?
Dr.in Jankovic-Steiner:
Ich wünsche mir, dass sie aufhören, sich zu reparieren. Dass sie endlich aufhören, sich selbst als Baustelle zu betrachten. Dass sie sich ernst nehmen, auch im Unfertigen, auch im Chaos.

Ich wünsche mir, dass sie den Mut entwickeln, ein Leben zu wählen, das sich wahr anfühlt, auch wenn es nicht perfekt ist. Vielleicht gerade dann. Denn dort beginnt ein echter Neubeginn.


Lieber ECHT kaputt als perfekt am Arsch
Autorin: Birgit Jankovic-Steiner
Verlag: Ueberreuter 
Preis: 18,00 Euro
ISBN: 978-3-8000-7808-0

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