
Napoleon nannte die Donau die "Königin der Flüsse Europas". Auf einer Länge von fast 3000 Kilometern durchquert sie zehn Länder, fließt durch lebendige Städte und kleine Dörfer. An ihren Ufern erstrecken sich unberührte Auen und Kulturlandschaften. Wer heute mit einem Kreuzfahrtschiff auf dem Fluss unterwegs ist, erlebt nicht nur Landschaften und Städte, sondern eine Reise durch Geschichte, Kulturen und politische Veränderungen eines ganzen Kontinents.
Eine dieser Reisen führt von Passau über Linz bis nach Budapest und zurück über Bratislava und die Wachau an Bord der MS Celina von Nicko Cruises, einem Schiff, das vor allem für Flussreisen auf Europas zweitlängstem Strom eingesetzt wird. Eine Kreuzfahrt auf der Donau hat etwas Kontemplatives. Das Schiff gleitet langsam durch wechselnde Landschaften. Man spürt, wie sich Architektur, Küche und Lebensgefühl verändern. Und all das kann man erleben, ohne jeden Tag wieder die Koffer packen und aus Hotels ein- und auschecken zu müssen. So kann man jeden Morgen in einem anderen Landstrich aufwachen und tagsüber selbst entscheiden, ob man Ausflüge unternimmt oder lieber an Bord bleibt.
Die Drei-Flüsse-Stadt Passau
Start der Reise ist in Passau, jener Stadt, in der Donau, Inn und Ilz zusammenfließen. Sie mischen hier nicht nur ihr Wasser, sondern auch die Farben – ein Naturphänomen, das man sogar schon vom Ufer aus beobachten kann Es lohnt sich, die schöne Altstadt vor der Abfahrt bei einem geführten Spaziergang zu erkunden. Danach heißt es: Leinen los! Noch schnell ein letzter Blick auf den Dom, dann schiebt sich die Celina lautlos flussabwärts. Wer oben an Deck steht, merkt: Der Reiz liegt nicht im Tempo, sondern im Perspektivwechsel. Die Donau fließt von hier aus weiter Richtung Osten, vorbei an barocken Klöstern, Weinbergen und historischen Städten bis nach Linz.
Linzer Torte und Ars Electronica
Die oberösterreichische Landeshauptstadt zeichnet sich durch einen großen Hauptplatz mit barocken Fassaden und die imposante Dreifaltigkeitssäule aus. Wer mag, geht zu Fuß durch die Altstadt, genießt einen Kaffee und die berühmte Linzer Torte. Oder man besucht den Dom, in dem einst Anton Bruckner an der Orgel musizierte. Sehenswert ist auch das Ars Electronica Center: Künstliche Intelligenz, digitale Kunst und interaktive Installationen sind hier zu erleben. Die Stadt fühlt sich jung und experimentierfreudig an und die Anlegestelle ist direkt im Zentrum, so dass man auch abends nochmal einen individuellen Spaziergang machen kann.
Postkartenidylle in Steyr
Ein optionaler Ausflug führt nach Steyr, einem hübschen Ort mit dem barocken Stadtplatz und interessanten historischen Bauten. Zwischen gotischen Bürgerhäusern lässt sich gut verstehen, warum hier seit Jahrhunderten Handel getrieben wird. Der Stadtplatz wirkt wie aus einem historischen Film und am Zusammenfluss von Enns und Steyr lohnt sich eine kleine Rast.
Während das Schiff weiter stromabwärts fährt, ziehen UNESCO-Welterbestätten, mittelalterliche Burgen und moderne Metropolen vorbei. Für manche Gäste ist das Sonnendeck der bevorzugte Ort, um die Ausblicke zu genießen, für andere ist der Salon ein lebendiger Treffpunkt. Besonders aufregend sind die Schleusen-Passagen, in denen das Schiff teilweise über zehn Meter Höhenunterschied ausgleichen kann. Schließlich nähert man sich der österreichischen Hauptstadt.
Wiener Genüsse
Im historischen Kern von Wien verdichtet sich die Vergangenheit. Die Hofburg, in der früher die Habsburger residierten, wirkt monumental. Man kann durch ihre Arkaden schlendern und sich für einen Moment vorstellen, wie hier einst Weltpolitik verhandelt wurde. Fiaker rollen über das Pflaster und ein paar Schritte weiter ragt der Stephansdom über den Stephansplatz. Sein Südturm ist bis heute eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Wer die 343 Stufen hochsteigt, wird mit einem Blick über die Dächer Wiens belohnt – rote Ziegel, grüne Kupferdächer und dazwischen moderne Glasfassaden. Im berühmten Café Demel kann man anschließend eine Pause einlegen. Hier wird die Wiener Kaffeehauskultur zur Bühne. Hinter Glas locken verführerische Torten und traditionell gekleidete Kellner balancieren Tabletts, auf denen Melange und süße Leckereien thronen. Das Kaffeehaus ist in Wien kein bloßer Ort zum Koffeintanken, es ist ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt.
Kontrast in Klosterneuburg
Ein paar Kilometer weiter flussaufwärts liegt Klosterneuburg, viel ruhiger und grüner als Wien. Das Stift Klosterneuburg thront über der Stadt, ein mächtiger Komplex mit jahrhundertealter Geschichte. Weinberge ziehen sich die Hänge hinauf und der Blick reicht weit ins Umland. Es ist dieser Kontrast, der Donau-Reisen so spannend macht: gerade war man noch im urbanen Trubel, jetzt steht man zwischen Reben und Barockmauern.
Budapest leuchtet
Für viele Gäste ist Budapest der Höhepunkt der Reise. Bei der gemächlichen Einfahrt werden einige der Sehenswürdigkeiten schon anmoderiert und viele genießen das Panorama mit einem Cocktail in der Hand vom Sonnendeck aus. Am rechten Donauufer liegen die Stadtteile Buda mit dem Burgberg und Obuda mit den Ruinen des alten römischen Legionslagers Aquincum, am linken Ufer der Stadtteil Pest. Im 18. Jahrhundert kamen die Habsburger unter Maria Theresia als Besatzer. Ihren Architekten verdankt die Burg ihre Wandlung zum heutigen Barockschloss. Weitläufige Boulevards, berühmte Thermalbäder, berühmte Cafés und Märkte, in denen ungarische Spezialitäten wie Paprika, Salami und Foie Gras in allen Variationen angeboten werden, sind tagsüber lohnende Ziele. Besonders schön sind das spektakuläre neugotische Parlament, die Kettenbrücke und die Lichter der Stadt bei Einbruch der Dämmerung – sie alle spiegeln sich im Wasser.
Erlebnisse in der Puszta
Ein lohnender Ausflug von Budapest aus führt in die Puszta. Sie ist Teil der Großen Ungarischen Tiefebene, ein scheinbar endloses Grasland, das im Sommer flimmert und im Herbst golden wirkt. Auf dem Weg erlebt man plötzlich eine Überraschung: am Straßenrand stehen hohe Elektromasten, grau, funktional, scheinbar gesichtslos. Und dann – beim zweiten Blick – haben sie plötzlich Augen. Was zunächst wie eine optische Täuschung wirkt, entpuppt sich als Kunst im Vorbeifahren. Einige der Masten sind so geformt, dass sie menschliche Gesichter darstellen. Mal schauen sie erstaunt, mal mürrisch, mal amüsiert mit hochgezogenen Brauen. Gerade in der weiten Landschaft, in der der Horizont dominiert, wirken sie wie Landmarken mit Humor.
Beliebte Ziele in der Puszta sind die traditionsreichen Reiterhöfe. Die weitläufigen Güter wirken wie eine Mischung aus landwirtschaftlichem Betrieb und folkloristischer Bühne. Weiße Stallungen, Holzzäune, Kutschen – alles sorgfältig arrangiert, aber mit authentischem Hintergrund, denn Pferdezucht hat hier Tradition. Im Mittelpunkt stehen die Reiterspiele. Die Csikós, die ungarischen Pferdehirten, zeigen akrobatische Kunststücke, für die sie weltweit bekannt sind. Am spektakulärsten ist der „Puszta-Fünfer“, bei dem ein Reiter auf zwei Pferden steht und drei weitere vor sich her lenkt – in vollem Galopp. Hier bekommt man eine Ahnung davon, wie sehr Pferde die Kultur dieser Region geprägt haben.
Wer am Abend wieder an Deck der Celina steht und sieht, wie die Lichter von Budapest im Wasser tanzen, versteht schnell, warum die Donau seit Jahrhunderten Dichter, Musiker und Reisende inspiriert. Der Fluss ist Bühne und Weg zugleich – ein Ort, an dem Europa in seiner ganzen Vielfalt sichtbar wird. Doch es wird Zeit, die Rückreise anzutreten, auf der auch noch viele Sehenswürdigkeiten besucht werden.
Bratislava, Stift Melk und die Wachau
Nach dem großen Auftritt von Budapest wirkt Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei, fast entspannt. Die Altstadt ist kompakt, die Wege kurz und die Burg über der Stadt bietet den klassischen Postkartenblick auf die Donau. Ein Spaziergang reicht, um ein Gefühl zu bekommen für die slowakische Sprache und die Mischung aus Ostblock-Vergangenheit und neuer Kreativszene.
Flussreisen haben oft diesen besonderen Moment: Man sitzt an Deck und plötzlich taucht auf einem Felsen ein Bauwerk auf, das aussieht wie ein Filmset. In Melk ist es das gewaltige Benediktinerstift, gelb leuchtend über der Donau. Der Aufstieg lohnt sich, selbst für jene, die mit Kirche sonst wenig anfangen können.
Zwischen Melk und Krems beginnt die Wachau – jener Donauabschnitt, der als der malerischste gilt. Vom Sonnendeck aus ziehen steile Weinberge, kleine Orte mit Zwiebeltürmen und Burgruinen auf Felsen vorbei. Die Landschaft wirkt fast zu perfekt, um zufällig entstanden zu sein. Mit ihren Aprikosenhainen, Trockensteinmauern und Weinterrassen ist die Wachau eine Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte gewachsen ist.
Abschied in Passau
Als die MS Celina wieder in Passau anlegt, ist es Zeit für ein Resümee. Innerhalb weniger Tage sah man Metropolen wie Wien oder Budapest, dazwischen kleine Orte, Weinberge und Auenlandschaften. Europa verdichtet auf wenigen hundert Kilometern – kulturell, architektonisch und kulinarisch. Es bleiben viele Erinnerungen, auch an das Zuhause auf Zeit, die MS Celina. Mit maximal 178 Passagieren stellte sich schnell ein vertrautes Gefühl an Bord ein. Das Schiff ist stilvoll und komfortabel eingerichtet. Besonders empfehlenswert sind die Kabinen auf dem Mittel- und Oberdeck, denn sie verfügen über bis zum Boden reichende Panoramafenster, die man komplett öffnen kann. Die Ausflüge sind gut strukturiert und das kulturelle ist Angebot reichhaltig. Die exquisite Küche bietet Gerichte, die sich oft an der landestypischen Küche orientieren, so dass man die jeweiligen Länder auch kulinarisch besser kennenlernt.
Das festliche Galadinner ist einer der Höhepunkte auf dem Schiff.
Die Donau steht heute auch symbolisch für das europäische Projekt. Viele der Städte entlang des Flusses waren einst durch politische Systeme, Ideologien und Grenzen getrennt. Während des Kalten Krieges verlief entlang der Donau teilweise die Trennlinie zwischen Ost und West. Doch heute verbindet sie Regionen, die immer enger zusammenarbeiten – wirtschaftlich, kulturell, touristisch und politisch. Eine Kreuzfahrt ist eine der schönsten Reisearten, um diese Verbundenheit und Weltoffenheit selbst zu erleben.
Foto: Barbara Altherr
Unterwegs auf dem Fluss, der Europa prägt
Eine Donau-Kreuzfahrt von Passau bis Budapest
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