
Die aktuellen Entwicklungen auf den internationalen Energiemärkten sorgen weiterhin für erheblichen Druck auf die Kraftstoffpreise in Deutschland. Zwar wurde zuletzt eine Waffenruhe in der Golfregion vereinbart und auch die wichtige Handelsroute „Straße von Hormus“ wieder geöffnet, dennoch bleibt die Lage angespannt.
Anhaltende militärische Auseinandersetzungen sowie Zweifel an der Stabilität der Waffenruhe verhindern bislang eine nachhaltige Entspannung der Rohölmärkte. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) gibt eine Übersicht und fordert Maßnahmen, die zu einer direkten Entspannung an der Zapfsäule führen.
Die weltpolitische Unsicherheit spiegelt sich unmittelbar an den Zapfsäulen wider und die in den vergangenen Wochen extrem angestiegenen Spritpreise werden sich in absehbarer Zeit eher nicht auf das Niveau von vor Ausbruch des Krieges herabsenken. Wenn überhaupt. Der sogenannte „Rakete & Feder“-Effekt beschreibt das bekannte Phänomen: Steigende Rohölpreise werden sehr schnell weitergegeben, während sinkende Einkaufspreise nur verzögert ankommen. Selbst bei kurzfristiger Entspannung ist daher kein schneller Preisrückgang zu erwarten, wie der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille bestätigte.
Spritpreise und Steuern
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Entwicklung. Vor Ausbruch der Krise lagen die Preise Ende Februar 2026 noch bei rund 1,82 Euro je Liter Super E5 und 1,73 Euro für Diesel. Beim bisherigen Höchststand am 6. April wurden bereits 2,25 Euro für Super E5 und über 2,45 Euro für Diesel fällig, ein Anstieg von rund 24 Prozent bei Super und fast 42 Prozent bei Diesel. Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung beim Diesel, da er eigentlich steuerlich begünstigt ist. Die Energiesteuer liegt mit rund 47,04 Cent pro Liter deutlich niedriger als bei Benzin mit 65,45 Cent. Historisch war Diesel daher meist günstiger. Umso fraglicher ist es, dass der Dieselpreis aktuell stärker steigt als der Benzinpreis. Mineralölkonzerne weisen hier darauf hin, dass neben Steuern vor allem Marktverwerfungen infolge der geopolitischen Krise, die Nachfrage im Güterverkehr und Versorgungsengpässe den Preis treiben.
Die zum 1. April eingeführte Regelung mit nur einer täglichen Preiserhöhung hat erwartungsgemäß keine spürbare Entlastung gebracht. Der AvD sieht sich in seiner bereits zuvor geübten Kritik bestätigt. Ohne funktionierenden Wettbewerb bleiben solche Eingriffe wirkungslos. Zusätzlich bleiben die staatlichen Belastungen als strukturelles Problem. In Deutschland entfallen rund 54 bis 60 Prozent des Kraftstoffpreises auf Steuern und Abgaben. Andere EU-Staaten zeigen, dass gezielte Eingriffe wirksam sind. Polen hat die Mehrwertsteuer deutlich gesenkt und zusätzlich Preisobergrenzen eingeführt. Belgien arbeitet mit staatlich festgelegten Höchstpreisen, die regelmäßig angepasst werden. In Frankreich greifen sowohl staatliche Kontrollen als auch freiwillige Preisdeckel großer Anbieter, um extreme Ausschläge zu begrenzen. Diese Maßnahmen reduzieren zumindest kurzfristig die Belastung für Verbraucher.
Gezielte Maßnahmen zur Entlastung
Kurzfristig könnten in Deutschland temporäre Steuerentlastungen eine direkte Ersparnis bringen. Auch Baden-Württembergs Minister Peter Hauk hatte kürzlich eine Senkung der Energiesteuer sowie einen Spritpreisdeckel ins Spiel gebracht. Langfristig hält der AvD jedoch weitergehende Maßnahmen für notwendig. Dazu zählt insbesondere die Einführung einer Übergewinnsteuer, um in Krisenzeiten die außergewöhnlichen Zusatzgewinne der Mineralölkonzerne abzuschöpfen, auch wenn dies nicht automatisch zu niedrigeren Preisen an den Zapfsäulen führen wird.
Der AvD fordert dazu ein entschlossenes politisches Handeln, um die strukturellen Ursachen der Preisentwicklung anzugehen und Autofahrer nachhaltig und gezielt zu entlasten. AvD Präsident Lutz Leif Linden: „Wir sehen erhebliche Defizite bei Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Preisbildung. Es ist nicht zu erkennen, wie sich der Preis konkret zusammensetzt und ob Preissteigerungen tatsächlich marktbedingt oder strategisch motiviert sind. Daher begrüßen wir kartellrechtliche Prüfungen, sehen aber gezielte Entlastungen direkt an der Zapfsäule als größeres Thema. Der AvD setzt sich auch weiterhin für das übergeordnete Ziel ein, individuelle Mobilität bezahlbar zu halten, da sie für viele Bürger essenziell ist!“
Quelle: AvD
Trotz Waffenruhe keine schnelle Entspannung der Spritpreise
Gezielte Maßnahmen zur direkten Entlastung der Verbraucher nötig
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