Als ein Herzog die Burg neu erfand

Wie Georg II. der Veste Heldburg ihr heutiges Gesicht gab



(djd). Wer die Veste Heldburg zum ersten Mal sieht, könnte sie für eine reine Märchenburg halten. Hoch über Heldburg gelegen, mit Türmen, Mauern und weitem Blick über Südthüringen, wirkt sie wie ein Ort aus einer anderen Zeit. Doch ihre markante Erscheinung ist nicht einfach mittelalterlich gewachsen. 

Das Gesamtbild, welches Besucherinnen und Besucher heute sehen, geht auf einen Umbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück – und auf die erstaunlich genaue Vorstellungskraft eines außergewöhnlichen Mannes: Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914). 

Der „Theaterherzog“ entwirft eine Burg

Im Deutschen Burgenmuseum auf der Veste ist ihm nun eine Sonderausstellung gewidmet. Sie erzählt nicht nur vom „Theaterherzog“, der als Reformer und Förderer der Theaterkunst gilt und mit historisch genauen Bühnenbildern und realistischen Inszenierungen berühmt wurde, die Zeitgenossen wie Johannes Brahms begeisterten. Sie zeigt auch, wie sehr Georg II. Architektur, Räume und Wirkung bis ins Detail zusammendachte. Ab 1874 ließ er die Veste Heldburg nach seinen Vorstellungen umbauen, wählte Handwerker und Künstler aus und überwachte die Arbeiten. So prägte er das äußere Erscheinungsbild der Burg, wie es bis heute zu sehen ist.

Mitten im Exponat stehen

Die Sonderausstellung „Herzog – Bauherr – Künstler. Georg II. von Sachsen-Meiningen und die Veste Heldburg“ macht zum 200. Geburtstag des Herzogs seine persönliche Handschrift sichtbar und erlebbar. Was sie von einer gewöhnlichen Museumsausstellung unterscheidet: Die Burg selbst ist ihr wichtigstes Exponat. Wer durch die Räume geht, schaut nicht nur auf Modelle, Dokumente und originale Stücke, sondern bewegt sich mitten durch das, was erklärt wird. Die akribisch genauen Vorstellungen des Herzogs und seiner dritten Gemahlin Helene Freifrau von Heldburg fanden ihre Umsetzung auf der ganzen Burganlage und wurden geschickt in den bis dorthin historisch gewachsenen Bestand integriert. Die Ausstellung erklärt die Burg, und die Burg illustriert die Ausstellung. Und erzählt davon, wie stark ein Einzelner einen Ort formen kann. 

Gerade das macht den Besuch auch für jene interessant, die mit Dynastien, Titeln und Jahreszahlen sonst wenig anfangen können und nicht wegen einer Fürstenbiografie anreisen würden. Nach dem Rundgang lädt das Burgrestaurant Helene, benannt nach der Herzogin, zu einem Besuch auf der Terrasse ein. Informationen zu Öffnungszeiten und Begleitprogramm stehen unter www.deutschesburgenmuseum.de. Bis zum 23. Mai können Interessierte außerdem an einem Kunstwettbewerb rund um Georg II. und die Veste teilnehmen.

Foto: djd/Deutsches Burgmuseum/Marcus Glahn

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