Wann reagiert die Bundesregierung auf unfaire Spritpreise?

AvD fordert Maßnahmen im Sinne der Verbraucher



Die Preisentwicklung an deutschen Tankstellen ist aus Sicht des Automobilclub von Deutschland (AvD) nicht nachvollziehbar und belastet die Autofahrer weiterhin massiv. Nach der Eskalation im Nahen Osten kam es Ende Februar 2026 zu einem enormen Preisanstieg. Die Mineralölkonzerne argumentierten mit zukünftig höheren Rohölpreisen, die sie direkt an die Verbraucher weitergegeben haben. 


Nach mehreren Wochen hat die Bundesregierung kürzlich erste Maßnahmen gegen die hohen Spritpreise ergriffen, doch diese kommen nur sehr verzögert bei den Autofahrern an. In den meisten europäischen Nachbarländern wurden hingegen ganz im Sinne der Verbraucher die Steigerungen viel moderater und die Vergünstigungen deutlich schneller umgesetzt. Der AvD fordert daher eine vollständige und nachvollziehbare Weitergabe der staatlichen Entlastung sowie eine konsequente Anwendung der verschärften Kartellaufsicht.

Die Bundesregierung bestätigte, dass der Ölpreis infolge der Krise „um etwa 30 Prozent gestiegen“ ist, und hat zum 1. Mai mit der Absenkung der Energiesteuer eine gezielte Maßnahme eingeführt. Inklusive der Mehrwertsteuer soll dies vorerst für zwei Monate bis zu 17 Cent brutto pro Liter Ersparnis ausmachen. Ziel war eine „schnelle, direkte und unbürokratische Entlastung“ der Verbraucher. Doch genau diese Entlastung kommt bislang nur sehr langsam und unvollständig an.

Spritpreise schnell hoch, langsam runter

Noch vor wenigen Wochen wurden direkt steigende Preise von den Mineralölkonzernen mit künftig höheren Wiederbeschaffungskosten begründet und das, obwohl die Tanks noch mit günstiger eingekauftem Kraftstoff gefüllt waren. Heute gilt plötzlich das Gegenteil. Die Konzerne argumentieren mit den teuer eingekauften Lagerbeständen. Bereits im Gesetzgebungsverfahren äußerte Christian Küchen, Vorstand des Wirtschaftsverbandes Fuels und Energie, dass ein Teil der Senkung möglicherweise nicht weitergegeben wird. Sein Argument war, dass die Tanks der Tankstellen noch mit „normal versteuertem Benzin und Diesel“ gefüllt seien, und dieses würde zunächst abverkauft werden.

Steigende Preise werden also sofort an die Verbraucher weitergegeben und sinkende nur deutlich langsamer! Man spricht hier vom sogenannten „Rakete-und-Feder“-Prinzip, bei dem Preise rasch steigen, aber nur verzögert wieder absinken.

Kontrollieren und Eingreifen

Schon die Tatsache, dass am Tag vor der geplanten Entlastung (30. April), die Preise noch einmal kräftig erhöht wurden, um weniger von den Steuersenkungen betroffen zu sein, wirft Fragen auf. Die Behörden verweisen in diesem Zusammenhang auf ihre nur begrenzte Eingriffsmöglichkeit. Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, stellte klar, dass die Absenkung um 17 Cent nicht verpflichtend sei. Ein unmittelbares Eingreifen sei daher nicht möglich. 

Ein Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands nannte das Kartellamt in diesem Fall „einen zahnlosen Tiger“. Der AvD stellt sich hier die Frage, warum bestehende Instrumente nicht konsequenter genutzt werden, obwohl die Bundesregierung ausdrücklich betont, dass das Kartellamt gegen missbräuchliche Preiserhöhungen einfacher und schärfer vorgehen solle.

Fakt ist, dass die aktuelle Preisgestaltung weder transparent noch fair ist. Es entsteht der Eindruck, dass Marktmechanismen einseitig zulasten der Verbraucher wirken. Wenn Preiserhöhungen sofort, Entlastungen jedoch nur verzögert weitergegeben werden, untergräbt dies das Vertrauen in den Markt. Daher fordert der AvD eine vollständige und nachvollziehbare Weitergabe staatlicher Entlastungen, eine konsequente Anwendung der verschärften Kartellaufsicht sowie die Prüfung weiterer Maßnahmen, etwa zur Abschöpfung von Krisengewinnen.

AvD Präsident Lutz Leif Linden: „Der AvD fordert seit jeher, dass die individuelle Mobilität bezahlbar bleiben muss. Die Autofahrer in Deutschland erwarten hier zu Recht Fairness an der Zapfsäule. Daher müssen Politik und Behörden jetzt sicherstellen, dass diese auch durchgesetzt wird.“ 

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