
Im Rahmen eines Pressegesprächs haben Intendanz und Geschäftsführung des Lausitz Festivals im Hangar 1 auf dem ehemaligen Flugplatz Cottbus-Nord die Programmschwerpunkte der diesjährigen Festivalausgabe in Brandenburg vorgestellt.
Die historische Flugzeughalle ist in diesem Jahr Spielort eines weiteren Shakespeare-Stücks des Lausitz Festivals, bei dem der Cast der Erfolgsproduktion »Othello / Die Fremden« (2024/2025), ergänzt um die Schauspielerin Corinna Harfouch, an vier Abenden im August zu erleben sein wird. Die Premiere ist bereits ausverkauft. Besonderes Augenmerk galt einer Reihe von Veranstaltungen in Brandenburg und Sachsen, die neu ins Programm aufgenommen wurden. Das Lausitz Festival findet wie stets in beiden Bundesländern statt.
So teilen sich Schloss Bad Muskau/Mužakow und das Brandenburgische Landesmuseum für Moderne Kunst Cottbus/Chóśebuz (BLMK) die Ausstellung »Der grelle Schein der Ränder«, die Videokunst sowie eine größere Installation des brasilianischen Gegenwartskünstlers Jonathas de Andrade in die Lausitz bringt. In einem wichtigen Strang seiner Kunst feiert de Andrade auf formal faszinierend eigene Art die Würde und Autonomie von Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft Brasiliens leben. Seine Werke bestätigen zugleich die Macht des Individuums und die Macht der Gemeinschaft, und zwar nicht in ihrer Gegensätzlichkeit, sondern als zwei einander nährende Pole.
Der in Berlin lebende Kurator Kobi Ben-Meir hat de Andrades Arbeiten fürs Lausitz Festival ausgewählt, die überwiegend in Schloss Bad Muskau/Mužakow zu sehen sein werden. Die Direktorin des BLMK Ulrike Kremeier kuratiert parallel dazu in ihrem Haus eine aus Malerei, Grafik und Fotografie der 20er- und 30er-Jahre bestehende Schau, deren Exponate mit zwei Videos de Andrades in Dialog treten. Die von der Bundeskulturstiftung geförderte Ausstellung gewinnt durch ein Filmkonzert in der Energiefabrik Knappenrode/Hórnikecy noch ein besonderes Highlight hinzu: Drei brasilianische Musiker, mit denen de Andrade seit langem eng zusammenarbeitet, spielen zu drei seiner Kurzfilme auf einer Vielzahl an Percussion-Instrumenten live einen speziell auf diese Filme komponierten Soundtrack.
Die Neuübersetzung eines polnischen Romans aus dem späten 19. Jahrhundert sorgte im Jahr 2024 für eine kleine literarische Sensation: Ein Übersetzer-Tandem (Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein) nahm sich des 1200-Seiten-Werks »Die Puppe« von Boleslaw Prus an, der als osteuropäisches Pendant zu Charles Dickens gilt. Der neue Literatur-Dramaturg des Lausitz Festivals Thoralf Czichon wird im Gespräch mit den beiden Übersetzern in einer Veranstaltung in Schloss Altdöbern das Werk und den Autor vorstellen, zudem werden einige Passagen aus dem Roman gelesen. Czichon studiert Literatur in Wien, arbeitet dort zudem Teilzeit in einer kleinen, feinen Buchhandlung und betreibt einen viel gesehenen YouTube-Kanal (»LiteraturNews«), über den er seine kundige Begeisterung für das Lesen und das Sprechen über Literatur in die Welt bringt.
In der Energiefabrik Knappenrode/Hórniceky trifft Czichon im Lauf des Festivals auch auf die in der DDR geborenen Autorin, Illustratorin und Sprechkünstlerin Judith Schalansky. Deren neues, geistreiches und aufregendes Buch »Marmor. Quecksilber. Nebel. Woraus die Welt gemacht ist« wird Ausgangspunkt eines Abends sein, der sich frei zwischen Lesung und Gespräch bewegt.
Ein drittes Literatur-Thema in seinem Programm 2026 hat das Festival gleichfalls bekanntgegeben: »Passion. Über die Menschlichkeit«, ein MusikHörSpiel nach dem Roman »Passion« der belgischen Schriftstellerin Amélie Nothomb, kommt mit dem bekannten Schauspieler Götz Schubert und Manuel Munzlinger (Oboe, Komposition) in die Dorfkirche Cunewalde. Für diesen Text hat sich Nothomb in Jesus hineinversetzt, der seine letzte Nacht vor der Kreuzigung in Golgatha in Gefangenschaft verbringt. Ihr imaginierter, packender Monolog wird von den beiden Bühnenkünstlern zu einem vielschichtigen Gesamtkunstwerk aus Text, Schauspiel und Musik verwoben.
Das Lausitz Labor, von Anbeginn des Festivals dessen philosophische Ideenschmiede, Hort geschliffener Debatten und Platz für geistige Kursbestimmung, kehrt zum vierten Mal in Folge ins Alte Stadthaus Cottbus zurück. Die dreitägige Veranstaltung beginnt diesmal bereits am Donnerstag und endet am Sonnabend. Zu den wie stets hochkarätigen Gästen der beiden Philosophen Christiane Voss und Christoph Menke zählen diesmal u.a. Rahel Jaeggi (Schweiz), Maria-Sybilla Lotter, der deutsche Historiker Götz Aly und Didier Eribon (Frankreich), dessen autobiografisch-philosophisches Buch »Rückkehr nach Reims« auch in Deutschland viele Leser gefunden hat.
Am Eröffnungstag des Lausitz Labors findet zudem die erste von insgesamt drei Aufführungen des »Poème Symphonique« statt, einem von György Ligeti komponierten Klassiker der Mechanischen Musik. Das kurze, intensive Stück für 100 in unterschiedlichen Geschwindigkeiten tickende Metronome entstand 1962, zur Hoch-Zeit der sogenannten Fluxus-Bewegung in der Kunst. In seinem harmonie- und melodielosen, gleichwohl innerlich sehr bewegten Charakter öffnet das Stück, das keinerlei Interpreten braucht, vielerlei Assoziations- und Gedankenräume. Zwei weitere Aufführungen finden in Hoyerswerda und Zittau statt.
Das Finale der siebten Ausgabe des Lausitz Festival bestreitet eine der ganz großen Stimmen des Jazz, die US-amerikanische Sängerin Dee Dee Bridgewater. Sie präsentiert ihr Programm WE EXIST!, bei dem Songs aus der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 60er-Jahre im Zentrum stehen. Zum Konzert in der Kulturweberei Finsterwalde bringt sie ein Trio aus Improvisatorinnen an Klavier, Bass und Schlagzeug mit. Bridgewater beherrscht die hohe Kunst des Scat-Gesangs aus dem Effeff, wickelt ihr Publikum aber auch mit jedem anderen Ton ihrer großartigen Stimme um den Finger.
Spätsommer der Inspirationen in Brandenburg
Das Lausitz Festival gibt Ergänzungen seines Programms bekannt
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