Pophits kommen und gehen

Aber wenn Deutsche die Gitarre rausholen, landet die Nadel bei Metallica und „Tage wie diese“



In den deutschen Streaming-Charts dominieren Pophits und Sommersongs. Wer aber zur Gitarre, ans Klavier oder zur Ukulele greift, trifft ganz andere Entscheidungen. Wie Daten der Plattform Chordify zeigen, wird beim Musizieren in Deutschland nicht „Espresso“ angestimmt, sondern „Nothing Else Matters“, „Hotel California“ und „Tage wie diese“.

Sommerhits laufen gut – aber nur in den Kopfhörern


Musiktrends auf Streaming-Plattformen spiegeln nicht wider, zu welchen Songs die Menschen selbst an den Instrumenten aktiv werden. Das zeigt eine Analyse der Suchanfragen von Nutzern der Musikplattform Chordify aus den Jahren 2020 bis 2025. In den vergangenen Jahren tauchten Songs wie „Blinding Lights“ von The Weeknd, „Beggin’“ von Måneskin, „As It Was“ von Harry Styles, „Say Yes to Heaven“ von Lana Del Rey oder „Birds of a Feather“ von Billie Eilish auf den deutschen Spotify-Sommerhitlisten auf. In den Chordify-Daten für Deutschland sind die meisten dieser Songs schlicht nicht vorhanden.

Dass diese saisonalen Hits so selten mitgespielt werden, hat einen einfachen Grund: Die Stärke vieler Sommerhits liegt vor allem im Rhythmus, der Produktion und der Atmosphäre des Augenblicks. Das sind Elemente, die sich nicht mal eben mit ein paar Akkorden auf der akustischen Gitarre einfangen lassen. Das sorgt dafür, dass man deutlich seltener das Instrument in die Hand nimmt, um live zum Originalsong mitzuspielen.

„Nothing Else Matters“ schlägt jeden Sommerhit


Was die Deutschen Jahr für Jahr tatsächlich auf ihren Instrumenten begleiten wollen, ist auffällig beständig. Metallicas „Nothing Else Matters“ von 1991 stand 2020 auf Platz eins der meistgesuchten Songs zum Mitspielen auf Chordify in Deutschland. 2021 erneut. Und seitdem hält sich der Song konstant in den Top 3. Kein einziger Spotify-Sommerhit hat ihn von dort verdrängt.

Auch Eagles’ „Hotel California“, R.E.M.s „Losing My Religion“, „Let Her Go“ von Passenger, Pink Floyds „Wish You Were Here“ und Israel Kamakawiwoʻoles „Somewhere Over the Rainbow“ kehren jedes Jahr in den Akkord-Daten zurück. Das Jahr der Veröffentlichung spielt dabei keine Rolle.

Besonders auffällig: Amy Winehouse. „Back to Black“ aus dem Jahr 2006 kletterte zwischen 2023 und 2025 in die deutschen Chordify-Top-5 der meistgesuchten Akkorde – ohne je Teil einer Spotify-Sommerhitliste gewesen zu sein.

Das deutsche Phänomen: „Komet“ schafft es

Nationale Klassiker dominieren die Playlists in vielen Ländern. In Deutschland ist das Bild etwas gemischter – internationale Evergreens führen klar. Doch es gibt einen deutschsprachigen Song, der sich wirklich durchgesetzt hat.

„Komet“ von Udo Lindenberg und Apache 207 schaffte 2023 den Sprung in die deutschen Chordify-Top-5 zum Mitspielen. 2024 war er noch immer dort. Als einer der wenigen deutschsprachigen Songs, der gleichzeitig in den Streaming-Charts und in den Akkord-Daten auftaucht.

Auch „Tage wie diese“ von Die Toten Hosen wird seit 2020 regelmäßig in Deutschland zum Mitspielen ausgewählt. Beide Songs zeigen: Deutschsprachige Musik kann sich fest im Repertoire verankern, wenn sie melodisch und emotional stark genug ist.

Gitarre, Klavier, Ukulele: immer dieselben Songs


Egal welches Instrument: In den deutschen Chordify-Daten tauchen immer wieder dieselben Titel auf. Gitarristen greifen zu „Nothing Else Matters“, „Hotel California“ und „Let Her Go“. Am Klavier stehen „Shallow“ von Lady Gaga und Bradley Cooper sowie „Perfect“ von Ed Sheeran hoch im Kurs. Ukulele-Spieler stimmen fast immer „Somewhere Over the Rainbow“ oder „Dance Monkey“ von Tones and I an.

Einen kurzen Ausstieg aus diesem Muster gab es 2023: Miley Cyrus’ „Flowers“ erreichte Platz eins bei allen Instrumenten gleichzeitig. Einer der wenigen Fälle, in denen sich Streaming-Erfolg und das Interesse am aktiven Mitspielen überschneiden.

Diese Songs kommen und gehen. Und diese bleiben

Nicht alle Pophits verinfachen sich dauerhaft auf den interaktiven Notenständern. „Flowers“ hielt sich 2023 und 2024 in den deutschen Top 5. Lady Gaga und Bruno Mars’ „Die With a Smile“ landete 2025 auf Platz drei der beliebtesten Songs zum Begleiten. Robbie Williams’ „Angels“ tauchte 2025 quer durch alle Spielstufen auf.

Auf der anderen Seite: „Birds of a Feather“ von Billie Eilish, „Good Luck, Babe!“ von Chappell Roan oder „Say Yes to Heaven“ von Lana Del Rey verzeichneten zwar riesige Streamingzahlen, tauchten in den deutschen Chordify-Daten zum Mitspielen aber kaum auf.

Die vollständigen Ergebnisse der Analyse sind hier einsehbar.

Foto: Pixabay

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