
(djd). Die Sicherheit in deutschen Autobahntunneln hat höchste Priorität. Doch was passiert, wenn ein Notfall eintritt und man sofort Hilfe benötigt? In diesen Momenten behält Thomas Weyrich den Überblick. Als erfahrener Operator und Schichtleiter überwacht er in der Zentralen Betriebsleitstelle im thüringischen Zella-Mehlis insgesamt 42 Röhrenkilometer.
In seinem Arbeitsalltag zählt jede Sekunde, und richtiges Verhalten kann über Leben und Tod entscheiden. Im Interview verrät Weyrich, warum ein Anruf aus der Notrufstation Leben retten kann und welche Fehler man unbedingt vermeiden sollte. Mehr Tipps und Infos gibt es hier.
Warum sollte man im Tunnel die orangenen Notfrufstationen nutzen, anstatt den Notruf über 112 oder 110 per Handy zu wählen?
Thomas Weyrich:
Ein Anruf per Handy kostet genau die wertvollen Minuten, die wir mit der Notrufkabine sparen. Wer das Mobiltelefon nutzt, erreicht mit seinem Anruf zuerst eine allgemeine Rettungsleitstelle. Diese hat oft nicht sofort den genauen Tunnelstandort parat und muss uns dann erst kontaktieren. Außerdem haben diese reinen Rettungsleitstellen keinen visuellen Einblick in die Tunnelröhren. Das führt zu Kommunikationsverlusten und erheblichen Verzögerungen bei der Einleitung der Rettungsmaßnahmen. Im Gegensatz dazu sind wir über die Notrufkabine sofort informiert und handlungsfähig.
Wie geht es nach dem Notruf weiter?
Thomas Weyrich:
Während wir allgemeine Informationen erfragen, leitet mein Team parallel dazu bereits Maßnahmen ein. Erkennen wir ein ernstes Szenario über unsere Kameras – etwa Rauchentwicklung – sperren wir die betroffene Tunnelröhre beziehungsweise den kompletten Tunnel sofort über Schrankenanlagen, damit keine weiteren Fahrzeuge einfahren und die Gefahr erhöhen. Gleichzeitig alarmieren wir die zuständige Rettungsleitung und Polizeidienststelle, indem wir eine vordefinierte Einsatzstufe übermitteln. Jede Stufe definiert genau, welche Feuerwehren, Rettungsdienste und Polizeikräfte in welcher Stärke ausrücken.
Welche typischen Fehler gilt es zu vermeiden?
Thomas Weyrich:
Das größte Problem sehen wir in mangelnder Rückmeldung der Verkehrsteilnehmer und der falschen Einschätzung der Situation. Oft fahren sie in eine Pannenbucht, melden sich dann aber nicht. Wir sehen dann das stehende Fahrzeug und müssen trotzdem kontrollieren, was los ist. Ein anderer häufiger Fehler: Verkehrsteilnehmer verlassen ihr Fahrzeug nicht sofort, wenn ein Problem auftritt. Besonders bei einem Brand sind die ersten Minuten entscheidend. Die größte Gefahr stellen nicht die Flammen selbst, sondern giftige Gase und Rauch dar. Unser Appell daher: Verlassen Sie Ihr Fahrzeug sofort und bringen Sie sich in Sicherheit!
Foto: djd/Fernstraßen-Bundesamt
Im Notfall ist frühes Handeln ausschlaggebend
Interview mit Operator Thomas Weyrich über die Sicherheit in Autobahntunneln
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