
In den kommenden Wochen beginnt für viele Kinder die Schule wieder. Für einige fängt die Schulzeit mit der Einschulung an. Da machen sich viele Eltern Gedanken über einen sicheren Schulweg, insbesondere für die Erstklässler. Verkehrssicherheitsexperten raten, richtiges Verhalten im Straßenverkehr mit Schulkindern rechtzeitig einzuüben.
Wie relevant der Übungsbedarf ist, zeigt ein Blick auf die aktuelle Unfallstatistik, wie Verkehrsverbände betonen. Danach starben im vergangenen Jahr in Deutschland 74 Kinder unter 15 Jahren bei einem Verkehrsunfall, 13 davon waren mit dem Fahrrad unterwegs. Rund 29.200 Kinder wurden verletzt. Im Schnitt sei alle 18 Minuten ein Kind im Verkehr zu Schaden gekommen, fasst der ADAC zusammen.
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Statistiken einen deutlich höheren Anteil an Verkehrsunfällen von 6- bis 14-Jährigen zu Zeiten des Schulbeginns verzeichnen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ereigneten sich im Jahr 2024 in der Zeit von 7 bis 8 Uhr 13 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Kindern, also in der Zeit des morgendlichen Schulwegs.
Eltern sollten dabei bedenken, dass den Jüngsten noch die Kompetenzen zur Einschätzung von Geschwindigkeit, Entfernungen und komplexen Verkehrssituationen fehlt, erklären die Verkehrsverbände wichtige Ursachen für Probleme von Kindern im Straßenverkehr. Routinen bei der Schulwegbewältigung müssten sich erst herausbilden, betont stellvertretend der AvD. Deshalb legt der Verband Eltern und Erziehungsberechtigten dringend nahe, ab der ersten Klasse beständig die aktive Teilnahme am Straßenverkehr einzuüben – ganz besonders in den ersten Wochen der Schulzeit und am besten noch vorher.
Konkret rät der AvD Eltern, den Schulweg zunächst zusammen mit den Kindern zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. Später können die Schulkinder dies dann auch eigenständig tun. Die Wege sollten möglichst schon vor dem Schulstart abgegangen werden – und dies nicht nur einmal, sondern mehrfach. Damit der Schulweg zur Routine wird. Die Landesverkehrswacht NRW beispielsweise empfiehlt, einen einfachen Schulweg mindestens viermal, einen schwierigeren und längeren mindestens zehnmal gemeinsam zurückzulegen.
Da Grundschulen oft im Wohnumfeld liegen, würden so auch der Orientierungssinn und die körperliche Fitness der Kinder gestärkt, erklärt der AvD. Und die Kleinen üben, wie Straßen und Kreuzungen zu überqueren, Gefahrenstellen und sonstige Besonderheiten der Route zu bewältigen sind. Der kürzeste Weg muss dabei nicht immer der sicherste sein, mahnen Verkehrssicherheitsexperten. Vielmehr können kleine Umwege helfen, Gefahrenstellen im wahrsten Wortsinn zu umgehen.
In Kooperation mit Eltern, Kommunen und der Polizei bemühen sich auch die Schulen darum, den Gang vom und zum Unterricht für Kinder sicherer zu machen. So können nach einer Eingewöhnungszeit Grundschüler in Gruppen und gemeinsam mit Erwachsenen eine feste Route mit verbindlichen Abholzeiten laufen. Diese Form des Schulwegs wird als „Laufbus“, „Pedibus“, „Walkingbus“ oder „Schulbus auf Füßen“ bezeichnet. Auch hier gehe es um die Einübung von sicherem Verhalten im Straßenverkehr, stellt der AvD fest. Der Verkehrsverband rät Eltern daher, bei ihrer Grundschule zu erfragen, ob eine solche Schulwegbegleitung angeboten wird. Darüber hinaus sind bei vielen Schulen inzwischen sogenannte Schulwegpläne zu bekommen, in denen die kritischen Stellen gekennzeichnet sind.
Durch solche Aktionen würden auch die Bring- und Abholstaus mit dem Auto vor den Schulen vermieden, hebt der AvD hervor. Was Verkehrssicherheitsverantwortliche auch unter dem Aspekt begrüßen, weil diese „Elterntaxis“ nicht selten selbst zu Verkehrsgefährdungen werden, wenn sich Autos und Fußgänger vor den Schuleingängen unkoordiniert begegnen.
Der Weg vom Elternhaus zur Schule und zurück bedeutet für viele Jungen und Mädchen häufig den Start in die selbstständige Mobilität. Und die beginnt vielfach mit dem Fahrrad als erstem Fortbewegungsmittel. Fahrradfahren sei für Kinder ein wichtiges Stück Selbstständigkeit, verdeutlicht der ADAC. Der Verkehrsclub hält es vor dem Hintergrund für besonders bedenklich, dass es vielen Kindern, die am Straßenverkehr teilnehmen, offenbar an wichtigen Fähigkeiten fehlt, um sich auf dem Rad sicher im Straßenverkehr bewegen zu können. So sollen nach einer Erhebung der ADAC-Stiftung nur knapp 60 Prozent der 7- bis 9-Jährigen Schulterblick, Handzeichen und einhändiges Fahren beherrschen. Deshalb ruft die Organisation Eltern auf, statt die Kinder im Elterntaxi zur Schule zu chauffieren, die Sommerferien zum gemeinsamen Üben zu nutzen – rechtzeitig vor dem Schulstart.
Laut einer Elternbefragung der ADAC-Stiftung sollen 96 Prozent der Kinder in Deutschland zwischen 4 und 12 Jahren Fahrradfahren können. Erhebliche Defizite sehen Eltern demnach jedoch bei den Fähigkeiten, die für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr unerlässlich sind: 38 Prozent der 7- bis 9-Jährigen beherrschen keinen Schulterblick, können nicht sicher einhändig fahren und somit auch keine eindeutigen Handzeichen geben. Selbst bei den 10- bis 12-Jährigen, die üblicherweise die schulische Radfahrausbildung bereits absolviert haben, liege dieser Anteil bei über 20 Prozent, berichtet die ADAC-Stiftung.
Damit fehlt es vielen Kindern an Techniken, die als Kernkompetenz für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr gelten, warnt die Mobilitäts- und Rettungsorganisation des ADAC. Begründung: Beim Anfahren, Abbiegen oder an Kreuzungen müssen Kinder mehrere Dinge gleichzeitig leisten – das Gleichgewicht halten, den Verkehr beobachten, Handzeichen geben und Regeln beachten. Nach Auffassung der Eltern sollten Kinder diese Fertigkeiten spätestens am Ende der dritten Klasse erlernt haben.
Radfahren sei für Kinder mehr als nur Fortbewegung, sondern ein Stück Selbstständigkeit und eine wichtige Etappe auf dem Weg, sich sicher in der eigenen Umgebung zu bewegen, erklärt die Vorständin der ADAC-Stiftung, Christina Tillmann. „Dafür brauchen Kinder Übung und Vorbilder, und die finden sie zuerst bei den eigenen Eltern“, sagt sie und rät: „Die Sommerferien sind eine gute Gelegenheit, gemeinsam als Familie zu üben. Wer jetzt Zeit auf dem Rad verbringt, macht sein Kind fit für den Schulweg und für alle weiteren Strecken.“
Die Verantwortung dafür sehen die Eltern laut der Befragung der ADAC-Stiftung klar bei sich: 52 Prozent meinen, sie seien zuerst selbst verpflichtet, Kindern sicheres Verhalten im Verkehr beizubringen. Weitere 36 Prozent verorten die Aufgabe gleichermaßen bei sich und der Schule. Nur rund 10 Prozent ordnen sie primär der Schule zu. Die schulische Radfahrausbildung bekommt von den Eltern dabei überwiegend gute Noten: 83 Prozent finden, dass sie wesentliche Kompetenzen für den Straßenverkehr vermittelt.
Quelle: GOSLAR INSTITUT
Vor dem Schulstart: sichere Schulwege einüben
... reduziert Unfälle
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