Ein Zuhause zum Wohlfühlen: So gestalten Sie Ihr Zuhause tierfreundlich

... von Dr. Sarah Endersby, MRCVS, Technical Director für den Bereich Wellbeing bei Ceva Animal Health



Gemütliche Rückzugsorte, geeignete Materialien und die richtige Heizung: Dr. Sarah Endersby, MRCVS und Technical Director für den Bereich Wellbeing bei Ceva Animal Health, erklärt, wie sich ein Zuhause wirklich tierfreundlich gestalten lässt, ohne dabei auf Stil verzichten zu müssen.

Immer mehr Familien berücksichtigen bei der Gestaltung ihres Zuhauses auch das Wohlbefinden ihrer Haustiere. Dabei geht es nicht nur um eine ansprechende Gestaltung, sondern um die Gesundheit und das Verhalten der Tiere: Die Umgebung, in der ein Hund oder eine Katze lebt, beeinflusst das Stressniveau, die Schlafqualität und sogar die Beziehung zu uns Menschen. Im Folgenden finden Sie einige wichtige Aspekte, die Sie berücksichtigen können, um Ihr Zuhause für Ihre vierbeinigen Begleiter noch angenehmer zu gestalten.

Ein eigener Rückzugsort

Jedes Haustier sollte Zugang zu einem eigenen „Rückzugsort“ haben, an den es sich zurückziehen kann, wenn zu Hause viel los ist. Dort kann es zur Ruhe kommen, Stress abbauen und ungestört schlafen. Welcher Platz sich dafür eignet, zeigt das Tier häufig selbst: Achten Sie darauf, wohin es sich zurückzieht, wenn es zu Hause etwas hektischer wird. Wichtig ist vor allem, dass es sich dort sicher fühlt und nicht gestört wird.

Dabei hat jedes Haustier andere Vorlieben: Manche möchten gerne in der Nähe der Familie sein, während andere einen abgeschiedeneren Platz bevorzugen. Deshalb kann es sinnvoll sein, mehrere Rückzugsmöglichkeiten anzubieten. Auch zwischen Hunden und Katzen gibt es Unterschiede: Während Hunde ihren Rückzugsort häufig gerne mit Artgenossen teilen, schätzen Katzen eher einen eigenen Bereich für sich.

Der richtige Platz für einen Rückzugsort


Wenig genutzte Räume, etwa ein Gästezimmer oder ein begehbarer Kleiderschrank, eignen sich besonders gut als Rückzugsorte. Dort können Haustiere dem Trubel des Alltags entkommen, ohne dass der Bereich für sie schwer zugänglich ist. Mit einer Box, einem Karton oder einem gemütlichen Bett lässt sich dort ein Rückzugsort ganz nach den Vorlieben des Tieres einrichten. Für Hunde eignet sich häufig auch der Platz unter einer Treppe. Katzen bevorzugen dagegen meist erhöhte Plätze wie einen Kratzbaum oder eine Fensterbank, von denen aus sie ihre Umgebung beobachten und sich gleichzeitig sicher fühlen können.

Die Materialien für ein tierfreundliches Zuhause die einen Unterschied machen


Auch bei der Einrichtung lohnt es sich, auf die richtigen Materialien zu achten, denn sie können das Wohlbefinden von Haustieren beeinflussen. Weiche Stoffe wie kurzfloriger Samt, Fleece oder Kunstfell sorgen für ein Gefühl von Komfort und Geborgenheit. Bei glatten Oberflächen oder Leder besteht dagegen weniger Gefahr, dass Tiere mit ihren Krallen hängen bleiben, was sowohl für das Tier als auch für den Halter Stress vermeiden kann. Weniger geeignet sind locker gewebte Stoffe, rutschige Oberflächen und Materialien, die bei Berührung viel Lärm verursachen, da sie Tiere erschrecken können.

Auch bei der Farbwahl gibt es einiges zu beachten. Sanfte, neutrale Töne und gedeckte Blautöne können zu einer ruhigeren Atmosphäre beitragen. Weiß kann aufgrund der unterschiedlichen visuellen Wahrnehmung von Haustieren dagegen besonders stark „leuchten“ und dadurch zu viele Reize auslösen. Sinnvoll können außerdem matte Oberflächen sein, die Blendungen reduzieren, sowie schallabsorbierende Materialien, die Geräusche und Hall dämpfen.

Ein einfaches Tierbett oder spezielle Tiermöbel?

Das hängt vor allem vom jeweiligen Tier ab. Oft reicht bereits ein einfaches Tierbett aus, in manchen Fällen können speziellere Lösungen jedoch einen deutlichen Unterschied machen. Ältere Hunde profitieren beispielsweise von orthopädischen Betten, die ihre Gelenke entlasten. Katzen mögen es häufig besonders warm und bevorzugen daher beheizte Betten oder geschlossene Schlafhöhlen, in denen sie sich geschützt fühlen und die Wärme länger erhalten bleibt. Auch erhöhte Plätze sind bei Katzen sehr beliebt. Dafür müssen keine aufwendigen Kletterlandschaften gebaut werden. Häufig reicht es schon aus, auf vorhandenen Regalen oder Möbeln etwas Platz für die Katze freizumachen.

Offene Wohnräume: zwar angenehm für uns, nicht immer für unsere Haustiere

Offene Wohnräume sind wegen ihrer Helligkeit und des offenen Raumgefühls beliebt, können für Haustiere jedoch eine Herausforderung darstellen. Ständige Reize und fehlende klare Abgrenzungen machen es ihnen schwerer, einen Ort zu finden, an dem sie zur Ruhe kommen können. Hunde sind dabei zahlreichen visuellen Reizen ausgesetzt, etwa Bewegungen vor dem Fenster oder Geräuschen im Haushalt, die Stress und eine stärkere Reaktionsbereitschaft auslösen können. Katzen wiederum ziehen sich von Natur aus gerne zurück und finden in sehr offenen Räumen oft nur schwer einen ruhigen Platz für sich.

Auch in einem bereits offen gestalteten Zuhause lässt sich einiges verändern. Mit Teppichen, niedrigen Möbeln oder Bücherregalen können beispielsweise kleine, voneinander abgegrenzte Bereiche geschaffen werden. Ausziehbare Absperrgitter oder Schiebetüren bieten zusätzlich die Möglichkeit, einzelne Bereiche bei Bedarf voneinander zu trennen. Für Katzen können erhöhte Plätze wie Kratzbäume oder Wandregale mit geschützten Rückzugsorten wie Schlafhöhlen kombiniert werden. So haben sie sowohl sichere Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, als auch erhöhte Plätze, von denen aus sie ihre Umgebung beobachten können.

Sicherheit geht vor

Eine ruhige Umgebung sollte für Haustiere gleichzeitig sicher und verlässlich sein. Medikamente und giftige Lebensmittel wie Schokolade oder Weintrauben sollten immer außer Reichweite aufbewahrt werden. Schwere Möbel sollten gesichert, Stromkabel geschützt und giftige Zimmerpflanzen durch tierfreundliche Alternativen ersetzt werden.

Auch rutschige Böden sollten möglichst vermieden und Laufwege sowie mögliche Sprungwege für Katzen freigehalten werden. Wärmequellen wie Kamine oder Holzöfen sollten ebenfalls so gesichert werden, dass Haustiere keinen direkten Zugang dazu haben. Zudem sollte jedes Haustier jederzeit einen freien Weg zu seinem sicheren Rückzugsort haben, falls es sich erschreckt und sich dorthin zurückziehen möchte.

Und wie sieht es mit einer Fußbodenheizung aus?

Auch die Art der Heizung wird bei der Gestaltung eines tierfreundlichen Zuhauses häufig unterschätzt. Anders als Heizkörper verteilt eine Fußbodenheizung die Wärme gleichmäßig im Raum und verhindert kalte Zugluft am Boden, also genau dort, wo sich Haustiere häufig aufhalten. Besonders Katzen mögen diese Wärme, da ihre natürliche thermoneutrale Zone mit etwa 30 bis 38 °C höher liegt als die des Menschen. In Haushalten mit mehreren Katzen kann die gleichmäßige Wärmeverteilung außerdem dazu beitragen, Konkurrenz um die wärmsten Plätze zu vermeiden. Auch ältere Haustiere mit steifen Gelenken können von einer Fußbodenheizung profitieren.

Bei Hunden sind die Vorlieben individueller und hängen unter anderem von Rasse, Alter, Körperbau und Felltyp ab. Hunde mit dichtem, zweischichtigem Fell bevorzugen möglicherweise kühlere Plätze, während kurzhaarige oder schlankere Hunde Wärme häufig als angenehm empfinden. Grundsätzlich erwärmt eine Fußbodenheizung eher den Raum als den Boden selbst. Solange Haustiere also auch kühlere Bereiche aufsuchen können, können sie selbst den Platz wählen, an dem sie sich am wohlsten fühlen.

Es empfiehlt sich aber auch, mindestens einen Raum ohne Fußbodenheizung zu lassen, beispielsweise einen Hauswirtschaftsraum oder einen gefliesten Bereich. So steht Haustieren in den wärmeren Monaten oder wenn sie es grundsätzlich etwas kühler mögen, ein kühler Rückzugsort zur Verfügung. Für Hunde können auch erhöhte Betten oder kühlende Auflagen dabei helfen, für einen Ausgleich in wärmeren Räumen zu sorgen. Außerdem sollte stets frisches Wasser bereitstehen, da Haustiere bei höheren Temperaturen mehr Flüssigkeit benötigen.

Heizkörper und Kamine: mögliche Risiken beachten


Heizkörper sind für Haustiere in der Regel unproblematisch, können jedoch so heiß werden, dass die Wärme unangenehm wird. Besonders bei älteren Tieren, Welpen oder Tieren mit eingeschränkter Beweglichkeit ist Vorsicht geboten, da sie sich unter Umständen nicht schnell genug vom Heizkörper entfernen können. Für Katzen eignen sich spezielle Heizkörperliegen, auf denen sie die Wärme genießen können, ohne direkt mit dem Heizkörper in Berührung zu kommen. Bei Kaminen und Holzöfen ist besondere Vorsicht geboten. Funken und Glut können Verbrennungen verursachen, und auch die Oberflächen von Öfen bleiben noch lange heiß, nachdem das Feuer bereits erloschen ist. Vor allem für Katzen kann dies zum Risiko werden, da sie die verbleibende Wärme häufig anzieht. Ein stabiler, sicher befestigter Funkenschutz ist daher ebenso empfehlenswert wie eine entsprechende Beaufsichtigung.

Alles in allem,  ist es für das tägliche Wohlbefinden unserer Haustiere besonders wichtig, dass sie selbst entscheiden können, wo sie sich ausruhen, spielen oder zurückziehen möchten. Schon kleine Veränderungen bei der Gestaltung unseres Zuhauses können die Lebensqualität von Hunden und Katzen spürbar verbessern und damit auch unsere eigene.

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