„Das habe ich im Griff“: Unfallfahrer geben sich besonders selbstsicher

DA Direkt Ablenkungsstudie 2026 zeigt gefährliche Fehleinschätzung am Steuer



Wer bereits einen Unfall oder eine gefährliche Situation erlebt hat, müsste eigentlich besonders vorsichtig sein. Doch die aktuelle DA Direkt Ablenkungsstudie von Civey im Auftrag des Direktversicherers zeigt ein anderes Bild: Ausgerechnet Autofahrer mit eigener Unfall- oder Gefahrenerfahrung sind überdurchschnittlich häufig davon überzeugt, Ablenkungen beim Fahren kontrollieren zu können. Gleichzeitig berichten sie deutlich häufiger von kritischen Situationen durch mangelnde Aufmerksamkeit.

Fast vier von zehn haben eine Unfall- oder Gefahrenerfahrung


39 Prozent der befragten Autofahrer haben innerhalb der vergangenen drei Jahre mindestens einen Unfall oder eine gefährliche Situation erlebt. Diese Erfahrung hat vielfach offenbar nicht an der Überzeugung der eigenen Fähigkeiten gerüttelt.

So geben 35 Prozent von ihnen an, kurze Ablenkungen beim Autofahren „im Griff“ zu haben. Unter Autofahrern ohne entsprechende Erlebnisse liegt dieser Anteil lediglich bei 28 Prozent. Auch die Gewissheit, gefährliche Ablenkungen rechtzeitig erkennen zu können, ist in dieser Gruppe stärker verbreitet. Fast jeder Zweite stimmt dieser Aussage zu, gegenüber knapp 40 Prozent der übrigen Autofahrer.

„Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Risikobewusstsein und Selbsteinschätzung“
, sagt Silvia Künnemann, Leiterin Product & Customer Experience bei DA Direkt. „Viele Autofahrer wissen grundsätzlich, dass Ablenkung gefährlich ist. Gleichzeitig vertrauen sie darauf, selbst einschätzen zu können, wann eine Ablenkung noch harmlos ist. Genau darin liegt ein erhebliches Risiko.“

Ablenkung führt regelmäßig zu konkreten Fahrfehlern

Tatsächlich zeigt die Studie, dass Ablenkung für viele Autofahrer bereits spürbare Folgen hatte. Nach konkreten Situationen in den vergangenen 12 Monaten gefragt, berichteten knapp drei von zehn Befragten mit Unfall- oder Gefahrenerfahrung von zu spätem Bremsen aufgrund von Ablenkung. 19 Prozent haben ein Fahrzeug oder eine Person zu spät bemerkt oder sind unbeabsichtigt von ihrer Spur abgekommen. Mehr als jeder Zehnte (11 %) erlebte sogar einen Beinahe-Zusammenstoß. Die Werte unter Autofahrern ohne Unfallerfahrungen liegen deutlich darunter.

Nicht das Smartphone lenkt am häufigsten ab

Interessant ist dabei auch der Blick auf die tatsächlichen Ablenkungsquellen. Während über die Hälfte der Autofahrer das Smartphone als größte Gefahrenquelle ansehen, entstehen Ablenkungen im Alltag häufiger an anderer Stelle. Mit 15 Prozent liest beispielsweise nur eine Minderheit zumindest gelegentlich eingehende Nachrichten auf dem Handy. Demgegenüber schauen 35 Prozent immer wieder auffälligen Passanten hinterher. Besonders verbreitet sind zudem intensive Gespräche mit Mitfahrenden, die Auswahl von Musik oder Podcasts sowie Einstellungen an Navigation oder Infotainmentsystemen während der Fahrt.

„Viele Ablenkungen wirken harmlos, weil sie alltäglich sind“, erklärt Kfz-Versicherungsexpertin Künnemann. „Doch Aufmerksamkeit kennt keine Prioritäten. Schon wenige Sekunden, in denen der Blick oder die Gedanken nicht auf das Verkehrsgeschehen gerichtet sind, können zu einer kritischen Situation führen.“

Foto: Pixabay

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