
Der Schnee ist weg, die Sonne scheint, und der Asphalt sieht auf den ersten Blick sicher aus. Doch genau hier schnappt die Falle zu. Bei Statera Bikes in Gengenbach beobachtet das Team derzeit ein gefährliches Phänomen: Das trügerische Sicherheitsgefühl nach dem Tauwetter. Sobald die weiße Pracht verschwindet, ziehen Radfahrer das Tempo wieder an und vertrauen auf den gewohnten Grip.
„Das ist eine gefährliche Illusion“, warnt Tim Scholz von Statera Bikes. „Trockene Kälte ist oft tückischer als eine geschlossene Schneedecke, weil die Gefahr unsichtbar wird. Reifglätte in Schattenlagen oder gefrorene Restfeuchtigkeit verwandeln die Straße punktuell in eine Eisbahn, während der Fahrer eigentlich schon wieder im Frühlingsmodus ist.“
Die physikalische Belastung für das Material bleibt trotz der freien Straßen extrem. Viele Radfahrer unterschätzen, was die trockene, klirrende Kälte mit ihrer Technik anstellt. Wo vorher Schneematsch die Kette spülte, bildet das zurückgebliebene Streusalz nun zusammen mit feinem Straßenstaub eine aggressive Schleifpaste. Diese setzt sich in die Glieder und vernichtet die Schmierung im Zeitraffer. Das Ergebnis ist ein lautstarkes Knirschen und ein massiver Verschleiß. Tim Scholz sieht hier einen klassischen Wartungsfehler: „Viele denken, wenn es trocken ist, reicht die Pflege vom letzten Monat. Aber die trockene Kälte entzieht den Schmierstoffen jede Geschmeidigkeit. Die Technik läuft im wahrsten Sinne des Wortes heiß, obwohl es draußen friert.“
Auch das Fahrverhalten passt sich oft zu schnell an die optisch freien Wege an. Wer bei fünf Grad minus in die Kurve geht, verlässt sich auf die Haftung seiner Reifen. Doch die Gummimischung bleibt bei diesen Temperaturen hart und spröde. Sie verzahnt sich nicht mit dem Asphalt, sondern gleitet lediglich darüber hinweg. „Ein Rad braucht im Moment eine ganz andere Führung als im Sommer“, erklärt Scholz. „Der Kontakt zur Straße ist bei trockener Kälte extrem direkt und unbarmherzig. Jeder kleine Fahrfehler, jede hektische Lenkbewegung wird sofort an den Rahmen weitergegeben, weil das Material nicht mehr dämpft.“ Die Souveränität des Sommers ist bei diesen Bedingungen ein riskanter Ratgeber.
Sicherheit ist jetzt vor allem eine Frage der technischen Wachsamkeit. Es gilt, das Rad nicht nur optisch sauber, sondern funktional geschmeidig zu halten. Ein spezielles Trocken-Schmiermittel für die Kette und ein bewusst reduzierter Luftdruck sind bei der aktuellen Wetterlage die besten Lebensversicherungen auf zwei Rädern. Wer akzeptiert, dass die „saubere“ Straße eine winterliche Maske trägt, kommt entspannter an sein Ziel. „Man darf sich von der Sonne nicht täuschen lassen“, resümiert Tim Scholz. „Winter bleibt Winter, auch wenn kein Schnee mehr liegt. Wer das ignoriert, zahlt am Ende drauf - entweder beim Materialverschleiß oder im schlimmsten Fall bei der eigenen Sicherheit.“
Zusammengefasst - Worauf Biker achten sollten
Vorsicht vor „Black Ice“: Auch wenn die Straße trocken wirkt, halten sich in Schattenlagen oft hauchdünne Eisschichten. Ein defensiver Fahrstil in Kurven bleibt Pflicht.
Schleifpaste verhindern: Staub und Salzreste wirken bei Trockenheit wie Schmirgelpapier. Die Kette benötigt jetzt häufiger eine Reinigung und frisches, kältebeständiges Öl.
Harter Gummi, wenig Grip: Reifenmischungen verhärten bei Minusgraden. Ein leicht gesenkter Luftdruck hilft auch auf trockenem Asphalt, die Kontaktfläche und damit die Sicherheit zu erhöhen.
Chill-Faktor für die Technik: Züge und Bremskolben können bei extremer Trockenkälte schwergängig werden. Ein kurzer Funktionscheck vor der Abfahrt verhindert böse Überraschungen bei der ersten Bremsung.
Statera Bikes
Statera Bikes ist einer der größten Bike-Händler im Schwarzwald Auf 1.400 Quadratmetern Im Ladengeschäft und auch online stehen Bike-Enthusiasten oder Freizeitradlern Fahrräder und E-Bikes aller gängigen Marken zur Verfügung Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und beschäftigt 60 Mitarbeiter.
Foto: Pixabay
Die Winter-Illusion
Warum trockene Straßen für Radfahrer jetzt zur Falle werden
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