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Selbstgemachtes Desaster

Kommentar von Hans-Robert Richarz, Auto-Medienportal.Net

Was den Berlinern der Flughafen, den Hamburgern die Philharmonie, den Kölnern die Oper und den Schwaben das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, das ist den Bürgern der Bayer-Metropole Leverkusen gegenüber von Köln die Autobahnbrücke am Rheinkilometer 701,4.

Doch während sich in Berlin, Hamburg und anderswo ein Ende mit Schrecken abzeichnet, droht den Leverkusenern ein Schrecken ohne Ende. Statt – wie geplant – in absehbarer Zeit rückt die Fertigstellung der neuen Rheinquerung als Ersatz für die baufällig gewordene alte Brücke in weite Ferne.

Als der in die Jahre gekommene alte Bau an der A1 im Jahr 1965 eröffnet wurde, galt er als ingeniöses Meisterwerk, das für 40.000 Autos pro Tag ausgelegt war. Inzwischen nutzen ihn dreimal so viele, wobei bis vor vier Jahren der Lkw-Verkehr stark zugenommen hatte. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Laster maximal 20 Tonnen wogen, als die Brücke geplant wurde, heute sind 40 Tonnen die Regel. Dann wurden bei einer Routinekontrolle im Seilkasten der Brücke lange Risse entdeckt, weshalb für Transporter über 3,5 Tonnen Gewicht die Rheinüberquerung verboten wurde.

Eine neue Brücke musste her, denn die Leverkusener Brücke ist ein Nadelöhr für die gesamte Region. Jede Verzögerung des Neubaus verursacht volkswirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe. Im Durchschnitt verursachen die erforderlichen Umwege rund 150 Euro Mehrkosten pro Lkw und Tag.

Doch in den Planungen durch den landeseigenen Betrieb Straßen NRW, der Ausschreibung und der schlussendlichen Auftragsvergabe an den österreichischen Baukonzern Porr AG war von Anfang an der Wurm drin.
Prof. Dr. Roman Suthold, seit 2006 Leiter des Fachbereichs „Verkehr und Umwelt“ beim ADAC Nordrhein, kritisiert: „Der Neubau der Leverkusener Brücke ist wieder ein Großprojekt, das nicht nach Plan läuft. Nicht verwunderlich, denn hinter den Verzögerungen steht immer dasselbe Schema: Knallharter Wettbewerb sorgt für künstlich kleingerechnete Angebote. Am Ende ist das günstigste nicht mehr das wirtschaftlichste Angebot, weil Nachforderungen oder Insolvenzen Mehrkosten verursacht haben.“

Nicht nur die sprichwörtlich immer ins Feld geführte schwäbische Hausfrau weiß, dass das Billigste sich oftmals als das Teuerste herausstellt. Doch der Staat fällt regelmäßig auf vermeintlich lukrative Angebote herein, die sich im Lauf der Zeit als Millionen-, wenn nicht gar Milliardengrab herausstellen – siehe Berlin, Hamburg oder Stuttgart.

In Leverkusen war es billiger, aber schlecht verarbeiteter Stahl aus China für 22 tragende Brückenteile, der schließlich zum Desaster führte. Straßen NRW suchte deswegen Ende April sein Heil in der Flucht und kündigte von jetzt auf gleich seinen Vertrag zum Bau der Autobahnbrücke mit der Porr AG. „Die neue Brücke soll jahrzehntelang halten“, so begründete NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst den Schritt. „Da dürfen bei Qualität und Sicherheit keine Mängel akzeptiert werden.“ Richtig. Aber hätte man das nicht vorher wissen können?

Jetzt drohen langwierige Prozesse, Schadensersatzforderungen und eine neue Ausschreibung. Ursprünglich hatte die Porr AG angeboten, für die Brücke Stahlteile zu verwenden, die aus Ländern der Europäischen Gemeinschaft stammten. Doch die dadurch entstehenden Mehrkosten von 70 Millionen Euro waren den Auftraggebern zu viel.

„Der wesentliche Fehler der alten Ausschreibung war, den Preis als einziges Zuschlagskriterium vorzugeben“, erklärte Helmut Hesse, Ingenieur, Bauberater und Vertreter der Bürgerliste Leverkusen, die statt einer Brücken- eine Tunnellösung favorisiert. Er prophezeit einen Haufen von Problemen, die das Projekt enorm verzögern könnten.

„Der Zeitplan für das gesamte Bauprojekt ist völlig offen“, schrieb der „Kölner Stadtanzeiger“, „die Kostenfrage auch.“ Einziger Trost: Immerhin hat sich der Zustand der alten Brücke nicht mehr verschlechtert, seit Schwertransporter der Bannstrahl traf.

Foto: Auto-Medienportal.Net

 


Veröffentlicht am: 15.05.2020

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