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Schön festhalten

... so das Fazit von Jens Riedel, Auto-Medienportal.Net, nach seinem Ritt auf der Zero SR/S



Da wird der Ruf nach Maßnahmen gegen Motorradlärm immer lauter und demonstrieren Motorradfahrer gegen Sonn- und Feiertagsfahrverbote – und Du ertappst Dich bei dem Gedanken, am Ende der Sackgasse auf den Fußweg abzubiegen und durch den Park zu fahren. Das wäre natürlich nicht erlaubt, aber Krach machen würde es mit der Zero SR/S auch nicht.

Nach der Ankündigung und mittlerweile auch erhältlichen Harley-Davidson Livewire, hatte Zero Motorcysles gekontert. Die kalifornischen Pioniere im Bereich Elektromotorrad haben im vergangenen Jahr mit der SR/F ein komplett neues Modell auf die Räder gestellt. Mittlerweile ist daraus eine Baureihe geworden, wenn irgendwie lag es auf der Hand, auf Basis der Streetfighter auch noch eine Supersportlerin zu kreieren. SR/S nennt sich die verschalte Variante mit dem niedrigen Sportlenker und an einen Haifisch erinnernder Frontmaske.

So oder so kann sich die SR sehen lassen. Gegenüber den übrigen Modellen mit ihrem von schwarzem Kunststoff umhüllten Akku, wirkt sie viel deutlicher wie ein herkömmliches Motorrad. Der goldfarbene Energiespeicher sitzt offen im Rahmen und trägt Kühlrippen. Auch der neu entwickelte Motor ZF 75-10 (ZF = Zero Force), mit 110 PS (82 kW) Spitzen- und 54 PS (40 kW) Dauerleistung der bislang stärkste der Marke, stammt von der F. Tempo 200 ist hinter der Verkleidung mühelos möglich, doch dann wird es der Zero auch recht schnell warm ums Herz. Will heißen, die Batterie ruft nach Kühlung und zieht nach einer gewissen Zeit ein wenig den Stecker. Als Dauergeschwindigkeit werden 177 km/h angegeben.

Achillesfrese bleibt auch bei der sportlichen Zero die Reichweite. Die Sonntagsausfahrt mit den klassich motorisierten Kumpels will gut überlegt sein. Wenn es über Landstraße geht, sollten aber 160 Kilometer drin sein. Unsere erste Tour startete bei 157 Kilometern Reichweite und endete bei verbliebenen 38 Kilometern mit 36 Prozent Restkapazität. Nach unserem Autobahnsprint meldete die SR/S nach dem Vollladen nur noch eine Reichweite von 107 Kilometern. Nach 20 Kilometern Fahrt und mit 88 Prozent Restkapazität standen dann aber schon wieder 125 Kilometer auf dem Display. Insofern ist die Angabe der durchschnittlichen Normreichweite mit 175 Kilometern zumindest nicht allzu hoch aus der Luft gegriffen, denn für außerorts gibt Zero 135 Kilometer an. Die EU-Norm kommt auf einen Mittelwert von 157 Kilometern, der also absolut realistisch erscheint.



Die Sitzhaltung ist sportlich ausgelegt, ohne allzu sehr auf die Handgelenke zu gehen. Die Positionierung der Rückspiegel auf der Verkleidungsschale ist perfekt, der Fußbremshebel liegt dagegen ungünstig nah am Rahmen und bietet auch nur eine relativ schmale Trittfläche. An den Bremsen an sich und der Dosierbarkeit gibt es aber nichts zu klagen.

Die Zero SR/S unterstützt Richtungswechsel mit einem spürbaren Eigenimpuls und lässt dem Fahrer die Wahl zwischen fünf Fahrstufen von „Eco“ über „Rain“ und „Street“ bis hin zu „Sport“ und einem individuell programmierbaren Profil. Die Abstufungen der Standardeinstellungen sind spürbar. An Vortrieb herrscht natürlich nirgendwo Mangel, dennoch entpuppt sich die Straßen-Gangart als beste Wahl. Wer die Sport-Kräfte ruft, der sollte sich beim ersten Mal auf einen gewaltigen Schub einstellen: Der Fahrer wird in gefühlten zweieinhalb Sekunden von null auf 100 km/h katapultiert. Schön festhalten! Offiziell gibt es keine Werksangabe für den Beschleunigungswert, aber er liegt definitiv unter 3,5 Sekunden. Vorwärts geht es mit einem immer höher klingendem Sirren, das irgendwann von den Abroll- und Windgeräuschen verschluckt wird.



Das Aufladen des Motorrads vollzieht sich daheim in einigermaßen akzeptablem Tempo. Bei den bereits genannten 36 Prozent Restkapazität prognostizierte das Display eine Ladezeit bis zur vollen Battreien von zweieinhalb Stunden. Am Ende waren es dann zwar fast drei Stunden, aber für den reinen Hausanschluss ist das ein recht guter Wert. Offiziell nennt Zero viereinhalb Stunden für eine volle Ladung.

Natürlich hält auch Zero optional ein Schnelladekabel bereit, mit dem sich das Laden auf etwa zwei Stunden verkürzen soll. Und mit dem zusätzlichen Powertank soll sich die Reichweite im kombinierten EU-Zyklus um etwa 30 Kilometer auf knapp 190 Kilometer strecken lassen. Beides zusammen geht allerdings nicht, denn unter der Tankattrappe ist nur Platz für eins von beiden. So oder so treibt es den Kaufpreis einer Zero SR/S noch einmal um rund 3500 Euro (inklusiver empfohlener Wallbox) in die Höhe. Gleichwohl bleibt sie mit einem Basispreis von 20.990 Euro im Kreise ihrer Kolleginnen relativ günstig. Als Modell Premium für 23.140 Euro bringt sie zudem mit Kostenvorteil bereits die drei Kilowatt mehr Rapid-Charger-Ladeleistung sowie Heizgriffe und Alu-Lenkerenden mit.

Fotos: Auto-Medienportal.Net

 


Veröffentlicht am: 05.08.2020

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