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Die Champagne

... wo sich Champagner mit Architektur verbindet

Das Champagner automatisch mit Luxus verbunden wird, schuldet er nicht nur seinen berühmten Anhängern, die ihn in Strömen genossen haben oder es immer noch tun. Architektur und Kunst haben der Imagebildung ebenso zugetragen.

Jugendstil, Art Nouveau oder auch Zeitgenössisches – Architektur begleitet den Nektar der Könige auch heute. Um die Juwele zu entdecken, kommt man nicht umhin, in die Champagne zu reisen.

Traditionsfamilie in traditionellen Mauern

Kaum zu glauben. Als 1908 das Gesetz zur Limitierung der Bezeichnung „Champagne“ in Kraft trat, gehörten die Weinberge des Departement Aube nicht mehr dazu. Mit der Reblaus und den Kriegswirren, war das ein herber Schlag. Armand Robert und in der Folge sein Sohn Léon kämpften an der Seite von Gaston Cheq, bis 1927 die Aube wieder als Champagner-Weingut anerkannt war. Léon, langjähriger Bürgermeister von Viviers sur Artaut, gelang es auch, die zertifizierten Weinberge rund um das Dorf auszuweiten und so die Landflucht zu stoppen. Sein eigenes Weingut produzierte nie Champagner, ging dann weiter an die nächsten Generationen, bis seine Enkelin Françoise und ihr Mann, Gilles Grandpierre, 1974 den ersten Champagner unter dem Namen Robert-Grandpierre entwickelten. Später übernahm Sohn Vincent das Unternehmen und nistete sich in einem alten Priorat ein, um das flüssige Gold in allen Ehren zu präsentieren. „La Prieuré de Viverie“ strahlt Tradition aus, zeitgenössische Bauelemente untermauern aber die Dynamik des Weinguts wie die der Traditionsfamilie. Besichtigung und Weinproben sind von Donnerstag bis Montag möglich.

Imagebildung mit Architektur und Kunst


Das Luxusimage rund um Champagner entstand vorwiegend in der Belle Epoque und den goldenen Zwanzigern. Repräsentation in Form von Architektur und Kunst war wichtig für die Imagebildung. Champagne Vranken-Pommery lädt in der Villa Demoiselle in Reims ein, in diese Atmosphäre einzutauchen. Henri Vasnier, der damalige Besitzer von Pommery, wollte mit dem Anwesen den sozialen Aufstieg unterstreichen und lud die damals bekanntesten Vertreter des Jugendstils und Art Deco ein, um die Villa Demoiselle zu bauen und einzurichten. 2004 übernahm Champagne Vranken das Haus Pommery sowie die Villa Demoiselle. Ganze fünf Jahre dauerte die Renovierung in den ursprünglichen Zustand. Heute bewundert man Einrichtungsgegenstände von Gallé, Majorelle, Selmersheim bis Sérurrier-Bovy. Aber nicht nur die Villa selbst, sondern auch die temporären Ausstellungen zu Kunst und französischem Luxushandwerk sind den Besuch wert. Idealerweise verbindet man diesen mit der Besichtigung der nahe gelegenen Kreidekeller von Champagne Vranken-Pommery. Geöffnet ist die Villa Demoiselle stets am Wochenende.
 
Gemeinsam stark in der neuen Residenz

Genossenschaftskellereien haftet manchmal der üble Nebengeschmack der unteren Qualität an. Das sind Tempi passati. Ein gutes Beispiel ist Champagne Gaston Cheq – Coopérative les Coteaux du Landion in Meurville in der Aube! Seit 2001 verfolgen die achzig Winzer aus zwölf Ortschaften eine Qualitätsoffensive von der Pflanzung bis zum Produkt. Vorwiegend steht die integrierte Produktion im Vordergrund, die den Respekt zur Umwelt und der nachhaltigen Entwicklung fördern soll. Seit 2018 werden die Kunden inmitten der Weinberge in einem architektonisch zeitgenössischen Gebäude empfangen, das die Philosophie der Genossenschaft verkörpert – nämlich Transparenz. Große Panoramafenster geben den Blick auf die Weinparzellen frei und lassen so die Weinverkoster direkt in die Weinberge eintauchen. Nicht nur die einzigartigen Cuvées der Kellerei ziehen Besucher an. Viele Animationen wie geführte Weinwanderungen, spezielle Degustationen, aber auch künstlerische wie musikalische Events locken Gäste vor Ort. Die diversen Veranstaltungen finden dienstags bis samstags statt.
 
Studienobjekt Winzerhütten

Seitdem die Weinberge der Champagne im Unesco Kulturerbe aufgenommen wurden, erfahren sie teils sehr originelle Projekte. Eines davon sind die „Loges de Vignes“, eine Projektstudie über Winzerhütten. Um diese aufzuwerten organisieren die Architekturschule Nancy, das regionale Architekturzentrum Champagne-Ardennen und die Agglomeration von Châlons-en-Champagne eine Sommmeruni mit Studenten und Baufachleuten. Winzer, die ihre Weinberge aufwerten möchten, geben ihnen Material aus den Kellereien wie Rüttelpulte, Fässer, Flaschen etc. um eine modern-künstlerische Winzerhütte zu konstruieren. In der Zwischenzeit gibt es 18 von diesen Künstlerobjekten, die Touristen zur Rast einladen. Der gesamte Parcours verläuft über 350 Kilometer von Châlons-en-Champagne nach Les Riceys durch die Weinberge. Mittels der App „ID Vizit“ ist es möglich alle Winzerhütten autonom zu erkunden und weitere Hintergrundinfos abzurufen.
 
Alt und neu im Verbund bei Devaux


Champagne Devaux hat direkt an der Seine ein Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert für die Präsentation seiner Schaumweine eingerichtet. Völlig renoviert verspricht die äußere Hülle des Domaine de Villeneuve in Bar-sur-Seine eben nicht was sie hält. Deshalb ist das Aha-Erlebnis größer, wenn man das Innere betritt. Dieses ist überraschenderweise sehr zeitgenössisch, modern und versprüht einen Hauch Luxus wie der Champagner selbst. In einem Tauben- und einem Gewächshaus aus dem 17. Jahrhundert ist eine Ausstellung über die Champagnerherstellung eingerichtet, die Fans einen tieferen Hintergrund vermittelt. Im Park ist es nichts außerordentliches Besucher mit einem Glas Champagner anzutreffen. Vor allem der direkte Anstoß ans Seine-Ufer ladet förmlich dazu ein, sich ein Gläschen Nektar der Könige zu gönnen. Im Sommer ist das Gut montags bis freitags und im Winter montags bis samstags geöffnet. Es lässt sich frei besichtigen, während man die außerordentlichen Cuvées im chicen Intérieur probiert.

Foto: Prieuré de Viverie, © CDT Aube

 


Veröffentlicht am: 14.09.2020

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