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Ferrari-Schwemme an der Seine

RM Sotheby’s und Bonhams ignorieren Verschiebung der Rétromobile in Paris

(Hans-Rober Richarz, Autoren-Union Mobilität) Eigentlich sollte die Oldtimermesse Rétromobile in Paris zwischen dem 2. und 6. Februar 2022 stattfinden. Doch die Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung der Veranstalter. Mit viel Optimismus datierten sie die Messe um eineinhalb Monate später auf den Zeitraum vom 16. bis zum 20. März.

Für zwei bedeutende Versteigerer edler Automobile, nämlich RM Sotheby’s und Bonhams, die eigentlich vor dem Hintergrund der Rétromobile zahlreiche Fahrzeuge unter den Hammer nehmen wollten, kommt die Verlegung aber offensichtlich zu plötzlich. Sie bleiben bei ihrer ursprünglichen Planung.

So will RM Sotheby’s finanzkräftiges Publikum am 2. Februar in seine Pariser Niederlassung in der Rue du Faubourg Saint-Honoré zur Versteigerung einladen, nur ein paar Schritte vom Louvre entfernt. Bonhams tritt einen Tag später in Aktion und möchte im Grand Palais Éphémère in Sichtweite des Eiffelturms über 100 Fahrzeuge unter die Leute bringen. Beide Auktionen werden Scharen von Leuten mit ansehnlich gefüllten Bankkonten und reichlich Benzin im Blut an die Seine locken, denn was da alles mit vier Rädern unter den Hammer kommt, kann sich sehen lassen.

Sotheby’s wartet gar mit einer regelrechten Ferrari-Schwemme auf. Gleich 28 Sportwagen aus Maranello, die samt und sonders aus der Sammlung des französischen Ex-Rennfahrers Marcel Petitjean stammen, sollen den Besitzer wechseln. Es ist bereits die zweite Versteigerung, die das Haus für den gewieften Geschäftsmann durchführt. 2020 hatte er bei der ersten RM- Online-Auktion für fast 100 Oldtimer vom Porsche-Traktor von 1950 für knapp 4000 Euro bis zum 1958er Mercedes-Benz 300 SL Roadster für 759.000 Euro insgesamt rund 7,3 Millionen eingestrichen. Ein Ferrari war damals nicht dabei.

Das ist diesmal anders. Das Angebot aus der Petitjean-Sammlung stellt eine repräsentative Zusammenstellung der wichtigsten Fahrzeuge mit dem springenden Pferd im Emblem aus den Jahren 1959 bis 1989 dar. Die eindrucksvolle Tabelle umfasst zum Beispiel (um nur die wirklich herausragenden zu nennen:
- 1959er Ferrari 250 GT Serie II Cabriolet, Schätzpreis 850 000 – 1,1 Millionen Euro
- 1964er Ferrari 250 GT/L Berlinetta Lusso, 900 000 – 1,1 Millionen Euro
- 1966er Ferrari 275 GTB/4, 1,7 – 2,0 Millionen Euro
- 1968er Ferrari 330 GTC, 300 000 – 400 000 Euro
- 1973er Ferrari 365 GTB/4 Daytona Berlinetta, 340 000 – 425 000 Euro
- 1975er Ferrari 365 GT4 BB, 200 000 – 300 000 Euro
- 1985 Ferrari 288 GTO, 2,4 – 2,6 Millionen Euro
- 1963 Ferrari 250 GTE 2+2 Series III, 265 000 – 345 000 Euro.

Die Kasse besonders laut klingen lassen dürfte der Ferrari 288 GTO von 1985, ein Auto, das eine Supercar-Ikone jener Zeit darstellt und das zweite Modell in der Geschichte von Ferrari war, das die Buchstaben GTO im Namen trug. Ursprünglich gehörte das Auto dem deutschen Rennfahrer Bepp Mayer, der es 13 Jahre lang behielt, bevor er es mit nur 6986 Kilometer auf dem Tacho an Petitjean verkaufte.

Aber auch der 1966er 275 GTB/4 gilt als außergewöhnliches Beispiel der Marke. Er ist Ferraris erster Sportwagen mit einem Motor, der mit vier obenliegenden Nockenwellen ausgestattet ist; er besitzt eine Trockensumpfschmierung und zwei vor dem Kühler positionierte Lüfter. Das Gemisch wird von sechs Weber-Doppelvergasern aufbereitet. Über die Motorleistung der 300 PS durfte sich als Erstbesitzer des Fahrzeugs, das in Paris versteigert werden soll, der französische Modeschöpfer Charles Jourdan, freuen.

Dritter Star der Petitjean-Sammlung ist der 1964er Ferrari 250 GT/L Berlinetta Lusso. Der Wagen feierte 1962 beim Automobilsalon in Paris seine Premiere. Er war das letzte Modell der 250-GT-Serie in reiner Straßenform und wurde bis gegen Ende des Jahres 1964 insgesamt 350-mal gebaut.
Wer am 2. Februar bei RM Soptheby’s von Traumwagen noch nicht genug hat, kann am 3. Februar ein paar Straßen weiter bei Bonhams seine Wahl unter 137 Edelkarossen treffen – vorausgesetzt, er oder sie verfügt über das nötige Kleingeld. Auch bei Bonhams spielen Fahrzeuge aus Maranello – wie sollte es auch anders sein – eine wichtige Rolle. Eines davon, nämlich ein La Ferrari Coupé, Baujahr 2014, könnte mit einem Schätzpreis zwischen 2 Millionen und 2,5 Millionen Euro den Spitzenpreis der Versteigerung erzielen. Das Modell erschien erstmals 2013 auf dem Genfer Automobilsalon in der Öffentlichkeit und verfügte als erster Serien-Ferrari über einen Hybridantrieb – ein System, das Ferrari HY-KERS nennt und aus der Formel 1 abgeleitet wurde.

Bei Bedarf treten kurzfristig zwei Elektromotoren in Aktion, die zusammen 120 kW (163 PS) leisten. Einer dieser Motoren gibt seine Kraft unmittelbar an das Doppelkupplungsgetriebe weiter, der zweite betreibt verschiedene Aggregate und entlastet so den Hauptantrieb. Mit einem Stand auf dem Tacho von nur 930 Kilometern verdient der Sportwagen das Prädikat „neuwertig“.

Das Zeug zum Millionenseller hat daneben ein Bugatti Type 57 C Special Coupé, Baujahr 1938. Der Typ 57, der im Oktober 1933 eingeführt wurde, war das erste neue Modell, das unter Jean Bugatti, dem Sohn des Unternehmensgründers Ettore Bugatti, konstruiert und produziert wurde. Eine Kompressor-Version des Typs 57 war von Anfang an vorgesehen, die offizielle Einführung des Type 57 C (C für „compresseur“) erfolgte jedoch erst im Februar 1937. Der Motor wurde weitgehend vom Basismodell übernommen. Mit dem Roots-Gebläse leistete er 160 PS.

Eine ähnlich hohe Summe könnte ein Porsche 904 GTS von 1964 einbringen. Sein Schätzpreis liegt zwischen 1,3 Millionen und 1,6 Millionen Euro. Das von 1963 bis 1965 produzierte Coupé hatte eine Freigabe nach der StVZO und durfte außer auf Rennstrecken auch im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden. Das Porsche-Werksteam setzte ihn in der Sportwagen-Weltmeisterschaft und 1965 in der Europa-Bergmeisterschaft ein. Auch in den USA war er zu seiner Zeit auf zahlreichen Rennstrecken zu Hause. Besitzer des Fahrzeugs der Bonhams-Versteigerung waren unter anderem der Hollywood-Star Robert Redford sowie der Country-Sänger Steve Earle.

Weit weniger teuer, aber mit einem nicht minder prominenten Vorbesitzer warten die Losnummern 208 (ein Mercedes-Benz C 63 AMG T-Modell, Schätzpreis zwischen 50.000 und 100.000 Euro) sowie 207 (Tesla Roadster, Schätzpreis zwischen 135.000 und 200.000 Euro) auf. Der Tesla machte 2010 beim „Race of Champions“ in Düsseldorf mit, den Mercedes bekam sein Besitzer im Januar des gleichen Jahres als Dienstwagen. Am Steuer beider Fahrzeuge saß niemand geringerer als der siebenfache Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher.

Foto: Autoren-Union Mobilität/RM Sotheby's

 


Veröffentlicht am: 27.01.2022

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