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Chinesische Hersteller wollen Autos in Europa bauen

BYD macht es schon einmal vor



(von Walther Wuttke) Die Chinesen sind schnell, viel schneller als die japanischen und koreanischen Hersteller, die sich nach ihrem Marktstart in Europa einige Jahre Zeit ließen, bis sie die ersten europäischen Produktionsstätten aufbauten. Die meisten Hersteller aus dem Reich der Mitte überlegen inzwischen, eigene Fabriken in Europa aufzubauen, um so auch drohenden Abwehrmaßnahmen der Europäischen Union zu entgehen.

Obwohl der Absatz der bisher angebotenen Automobile aus China mit Ausnahme von MG durchaus überschaubar ist, plant die EU-Kommission Strafzölle auf chinesische Automobile oder nimmt sie, wie in Frankreich bereits angeordnet, aus der stattlichen Förderung von Elektromobilen aus.

Nach einer im März veröffentlichten Durchführungsverordnung der EU soll demnächst eine „zollamtliche Erfassung aller aus China eingeführten Elektroautos“ erfolgen. Hintergrund ist der Vorwurf, dass es „hinreichende Beweise“ gibt, nachdem die Einfuhren der betroffenen Waren aus der Volksrepublik subventioniert werden. Mit der Erfassung sollen mögliche Strafzölle auch rückwirkend erhoben werden können, wobei die Höhe noch nicht festgelegt ist. Allerdings gilt es als sicher, dass diese Abgaben in Zukunft kommen werden. Das Ganze erinnert an die 1970er-Jahre, als Europa (vergeblich) versuchte, die Einfuhr japanischer Automobile zu verhindern. Mit dem Aufbau eigener Produktionskapazitäten ließen sich für die chinesischen Konzerne diese Maßnahmen umgehen.

Am weitesten fortgeschritten sind die Pläne bei BYD (Build Your Dreams). Das Unternehmen wird seine erste europäische Fabrik im ungarischen Szeged aufbauen, nachdem Regierungschef Victor Orban persönlich bei einem Besuch in der Volksrepublik für den Standort Ungarn geworben hatte. Der ungarische Außenminister Peter Sziijart spricht von einer der größten Investitionen der Geschichte des Landes. BYD produziert in Ungarn bereits seit 2016 Elektrobusse am Standort Komarom.

Bei Nio warten die Verantwortlichen noch ab, wie sich der Absatz entwickelt und werden, so Europa-Chef Hui Zhang auf der IAA im vergangenen Jahr, eine europäische Produktion ins Auge fassen, wenn der Absatz 100.000 Fahrzeuge erreichen sollte. Davon ist die Marke aktuell weit entfernt. Im vergangenen Jahr wurden in Europa rund 2000 Modelle abgesetzt.

Auch bei Chery, die Marke startet gerade in Spanien und wird im Laufe des Jahres auch nach Deutschland kommen, und Great Wall mit dem Marken Ora und Wey entscheiden die Zulassungen über die Pläne für eine Produktion vor Ort. Allerdings plant der Batteriehersteller S-Volt, ein Ableger von Great Wall, demnächst eine Batterieproduktion in Europa aufzubauen. Xpeng, gerade in Deutschland an den Start gegangen, hält sich mit seinen Absichten noch zurück. „Da die mittelfristigen Planungen von Xpeng noch im Gange sind, ist noch nicht klar, ob das Unternehmen in Deutschland oder Europa eine Produktion plant oder nicht,“ erklärt Deutschland-Chef Markus Schrick. Bisher reiche die Kapazität der drei Werke in der Volksrepublik, um die Nachfrage in Europa zu erfüllen.

Die mitunter nicht immer eindeutigen Aussagen chinesischer Hersteller bringen auf jeden Fall die Gerüchteküche auf Temperatur. „Wenn ein chinesischer Manager in der Nähe einer geschlossenen Fabrik gesichtet wird, entstehen sofort Geschichten, dass dort demnächst wieder produziert wird“, beschreibt ein Mitarbeiter eines chinesischen Herstellers die Situation. Zu den Werken mit einer vermeintlichen chinesischen Zukunft gehören unter anderem das Nissan-Werk in Barcelona und das Ford-Werk in Saarlouis, das ebenfalls vor einer vermeintlichen asiatischen Zukunft stand. Obwohl sich Chery-Europachef Jochen Tüting eine Produktion bereits bei einem Absatz von 50.000 Einheiten vorstellen kann, liegen die Produktionspläne aktuell auf Eis. „Wir wollen erst erfolgreich auf dem Markt starten, bevor wir über eine eigene Produktion reden“, erklärt ein Markensprecher.

Die erfolgreichste chinesische Marke in Deutschland und Europa ist aktuell MG, die zum staatlichen SAIC-Konzern gehört und im vergangenen Jahr europaweit mehr als 230.000 Modelle absetzen konnte. In Deutschland waren es rund 22.000 Zulassungen. Daher überlegt die einst britische Marke, den Aufbau einer europäischen Produktion und hat dabei angeblich neben anderen möglichen Kandidaten auch das niederländische Nedcar-Werk besichtigt, wo unter anderem der Mini im Auftrag von BMW gefertigt wurde. Allerdings ist auch der Bau einer vollkommen neuen Fabrik möglich. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Das Unternehmen befindet sich nach eigenen Angaben noch im Findungsprozess. MG nimmt dabei bewusst Standortnachteile in Kauf. In einem Interview mit dem Fachblatt „Automotive News Europe“ erklärte Europachef William Wang: „Ich erwarte, dass es teurer sein wird vor Ort zu bauen, aber wenn man 200.000 Autos pro Jahr verkauft, ist es an der Zeit.“

Wo und welches Modell in Europa von den Bändern rollen soll, ist noch nicht entscheiden. Bisher hat sich das Unternehmen, so Wang in dem Interview, noch nicht abschließend für ein Land entscheiden. „Wir müssen die Energiekosten, die Arbeitskosten, einfach alles prüfen, um herauszufinden, welches Land am besten geeignet ist.“

Möglicherweise wird der chinesische Elektroauto-Spezialist Leapmotor als erstes chinesisches Unternehmen in Europa produzieren. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters plant das Unternehmen, im polnischen Stellantis-Werk in Tichy seinen elektrischen Kleinwagen T03 zu produzieren. In dem Werk entstehen aktuell die Modelle Fiat 500 und 600 sowie der Jeep Avenger, und in Zukunft soll dort auch der Alfa Romeo Milano vom Band laufen. Reuters berichtet, dass die Produktion noch vor Ende Juni beginnen könnte. Die vermeintlichen Pläne wurden von Stellantis weder bestätigt noch dementiert. „Spekulationen kommentieren wir nicht“, heißt es aus der Konzernzentrale. In Frankreich werden die möglicherweise in Polen montierten Modelle allerdings nicht gefördert werden, weil sie als Bausätze aus China angeliefert werden.

Stellantis hat im vergangenen Oktober angekündigt, 1,5 Milliarde Euro in Leapmotor zu investieren und so 20 Prozent des Unternehmens zu erwerben. Mit 51 Prozent ist der Konzern an Leapmotor International beteiligt und besitzt damit unter anderem die Rechte für die Produktion der Leapmotor-Modellen außerhalb der Volkrepublik. (cen)

Foto: Autoren-Union Mobilität/BYD

 


Veröffentlicht am: 03.04.2024

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