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Winterfell oder Winterspeck?

So erkennen Halter den Unterschied



Dichtes Winterfell lässt viele Haustiere schnell rundlicher aussehen. Doch hinter ein bisschen mehr Flausch können sich echte Extrakilos verstecken, die gesundheitliche Probleme mit sich bringen können. Tierärztin Annabelle Pohl von Das Gesunde Tier erklärt, warum das Gewicht gerade im Winter leichter aus dem Gleichgewicht geraten kann, wie Halter Veränderungen früh erkennen und worauf es bei Futter, Snacks und Bewegung ankommt.


Im Winter darf es bei unseren Haustieren ruhig etwas flauschiger werden. Doch irgendwann stellt sich die Frage: Ist das wirklich nur der dickere Pelz oder steckt darunter schon das eine oder andere Extrakilo? Gerade bei langhaarigen und besonders plüschigen Tieren lässt sich das mit bloßem Auge kaum beurteilen. Dazu kommt, dass Gewicht oft so langsam zunimmt, dass es im Alltag lange nicht auffällt. „Das Winterfell ist eine Art optische Daunenjacke. Ich empfehle Herrchen und Frauchen deshalb, sich nie auf den Anblick allein zu verlassen, sondern ganz gezielt das Gewicht zu prüfen“, sagt Tierärztin Annabelle Pohl von Das Gesunde Tier.

Der Winter wird schnell zur Kalorienfalle

Wenn es draußen früh dunkel, nass und kalt wird, fallen Gassirunden schnell kürzer aus und auch Freigänger-Katzen verbringen mehr Zeit im Haus. Die Futtermenge bleibt dagegen häufig gleich. Gerade in der Vorweihnachtszeit kommt hier ein Leckerli und dort vielleicht noch ein Häppchen vom Tisch dazu. Dadurch können Energieaufnahme und Energieverbrauch laut Pohl aus dem Gleichgewicht geraten. Besonders ältere und kastrierte Tiere können einen geringeren Energiebedarf haben. Eine pauschale Winterdiät empfiehlt die Tierärztin dennoch nicht: Ob und wie stark die Energiezufuhr angepasst werden sollte, müsse individuell betrachtet werden und hänge unter anderem von Körperkondition, Aktivität, Energiegehalt des Futters und Gewichtsverlauf ab.

Nicht nur gucken, sondern fühlen: Drei Stellen verraten versteckte Extrakilos

Aus tierärztlicher Sicht sind vor allem drei Körperbereiche entscheidend, um das Gewicht auch unter dichtem Fell einzuschätzen: Die Rippen sollten unter einer dünnen Fettschicht leicht zu ertasten sein, hinter dem Rippenbogen sollte sich eine Taille fühlen lassen und die Bauchlinie sollte zu den Hinterbeinen hin leicht ansteigen. Als einfache Orientierung kann zudem der Vergleich mit der eigenen Hand dienen. Fühlen sich die Rippen ungefähr wie die Knöchel auf dem Handrücken an, kann dies für eine normale Körperkondition sprechen. „Der Vergleich kann Haltern eine erste Orientierung geben, ersetzt aber keine fachliche Beurteilung“, erklärt Pohl. 

In der tierärztlichen Praxis wird unter anderem der sogenannte Body Condition Score genutzt. Auf einer Skala von 1 bis 9 gelten Werte von 4 bis 5 als Idealbereich. Bei Katzen weist Pohl zudem auf eine Besonderheit hin: Die lockere Hautfalte am Unterbauch, die sogenannte Urfalte, ist normal und für sich genommen kein Zeichen für Übergewicht. Zusätzlich empfiehlt die Tierärztin, das Gewicht alle zwei bis vier Wochen zu kontrollieren, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. „Die Zahl auf der Waage zeigt den Trend, die Hände zeigen den Zustand“, fasst Pohl zusammen.

Wenn das Sofa plötzlich zu hoch wird

Auch Veränderungen im Alltag können nach Einschätzung von Pohl erste Hinweise auf Übergewicht liefern. Hunde werden beim Spaziergang möglicherweise schneller müde, hecheln früher oder bleiben häufiger zurück. Treppen oder Sprünge aufs Sofa werden gemieden, während Katzen seltener auf erhöhte Lieblingsplätze springen oder Rücken und Hinterteil beim Putzen schlechter erreichen. Auch ein plötzlich enger sitzendes Halsband oder Geschirr kann ein erstes Zeichen sein. Fettpolster an Lende, Schwanzansatz, Brust oder Nacken lassen sich selbst unter dichtem Fell häufig gut ertasten. Pohl rät Tierhaltern deshalb, nicht nur die Zahl auf der Waage im Blick zu behalten.

Die größte Kalorienfalle lauert oft in der Hosentasche


Ein Snack beim Spaziergang, einer nach dem Training und noch einer, weil der Hund oder die Katze gerade besonders lieb schaut: Leckerlis wirken einzeln harmlos, können sich über den Tag aber schnell summieren. Tierärztin Annabelle Pohl empfiehlt deshalb, zusätzliche Snacks in die tägliche Futtermenge einzurechnen. Sie sollten höchstens zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen. Ein einfacher Trick kann helfen, den Überblick zu behalten: Morgens die gesamte Snackmenge für den Tag in eine Dose füllen. Ist sie leer, ist auch das Tageskontingent ausgeschöpft. Alternativ kann ein Teil des normalen Futters beim Training als Belohnung dienen. In Haushalten mit mehreren Personen kann zudem ein kleines Snack-Tagebuch verhindern, dass der Vierbeiner mehrfach am Tag „nur eine Kleinigkeit“ bekommt. Auch Bewegung lässt sich im Winter anpassen: Mehrere kurze, aktive Runden sowie Such- und Schnüffelspiele können dabei helfen, Hunde auch bei schlechtem Wetter in Bewegung zu halten. Bei Katzen sorgen beispielsweise Jagdspiele für zusätzliche Aktivität.

Übergewicht ist mehr als ein Beauty-Problem

Zusätzliches Gewicht kann Gelenke, Bänder und Wirbelsäule belasten, während Herz und Atmung stärker gefordert werden. Auch das Risiko für verschiedene Stoffwechselerkrankungen kann steigen. Nach Angaben der Tierärztin kann Übergewicht die Lebenserwartung eines Hundes um bis zu 16 Prozent verkürzen. Gleichzeitig betont sie, dass bereits ein moderater Gewichtsverlust die Lebensqualität verbessern kann. Bei Katzen sollte eine Gewichtsreduktion besonders kontrolliert erfolgen: Eine starke Kalorienrestriktion oder länger anhaltende unzureichende Futteraufnahme kann insbesondere bei übergewichtigen Tieren eine Leberverfettung begünstigen. 

Bleibt der Erfolg bei einem Hund trotz angepasster Fütterung über Wochen aus oder nimmt er unerklärlich zu, rät Pohl außerdem zur tierärztlichen Abklärung möglicher hormoneller Ursachen. „Ich möchte niemandem Angst machen. Die gute Nachricht ist: Man kann als Halter sehr viel beeinflussen und selber tun. Und wenn man nicht weiter weiß, gibt es natürlich auch jederzeit professionelle Anlaufstellen, an die sich Tierbesitzer wenden können“, erklärt sie abschließend.

Foto: Pixabay

 


Veröffentlicht am: 20.10.2026

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