
Manchmal braucht es keine große Reise, um irgendwo ganz anders anzukommen. Ein paar Minuten auf der Fähre reichen, eine kurze Bootsfahrt oder der Weg über eine Brücke und schon liegt zwischen dem bekannten Ort und der Insel eine kleine Weltreise.
Vor Seattle wird aus dem quirligen Großstadtleben plötzlich Cottage-Idylle, vor Toronto beginnt ein autofreies Inselleben und gegenüber dem überlaufenen Santorin scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auch vor Hongkong, Göteborg, Palm Beach, Mallorca und an Omans Küste liegen Inseln, die in ihrem eigenen Takt leben. Sie sind nah genug für einen Ausflug und doch weit genug entfernt, um sich wie ein ganz neues Reiseziel anzufühlen. Acht Beispiele dafür, wie wenig Distanz es manchmal braucht, damit ein Urlaub plötzlich eine ganz andere Richtung nimmt.
Palm Beach: Florida trifft auf Gilded Age
Zwischen der Lake Worth Lagoon und dem Atlantik liegt Palm Beach, eine schmale Barriereinsel, die seit den 1890er-Jahren als Winterdomizil gilt. In dieser ruhigen Kulisse liegt die Worth Avenue. Hier säumen Palmen die von Europa inspirierten Fußgängerpassagen mit ihren Luxusboutiquen und Designermarken. Am östlichen Ende der Avenue markiert der Clock Tower mit Blick auf den Stadtstrand einen beliebten Fotospot. Wer tiefer in die Geschichte der Region eintauchen will, findet sie im Henry Morrison Flagler Museum: Das 1902 fertiggestellte Anwesen aus dem Gilded Age zeigt das Leben und Vermächtnis des Industriellen Henry M. Flagler, inklusive seines privaten Eisenbahnwaggons Nr. 91. Durch den Ausbau seiner Florida East Coast Railway trug Flagler maßgeblich dazu bei, mehrere Gemeinden in Florida als Reiseziele zu etablieren. Nur wenige Minuten entfernt liegt The Breakers, das auf das 1896 von Flagler eröffnete Hotel direkt am Meer zurückgeht und bis heute eines der geschichtsträchtigsten Luxusresorts Floridas ist. Trotz allem bewahrt sich Palm Beach ein intimes, kleinstädtisches Flair: Royal Poinciana Way, Sunset Avenue und Sunrise Avenue bilden ein bequem zu Fuß erkundbares Stadtzentrum. Wer lieber mit dem Rad unterwegs ist, folgt dem Palm Beach Lake Trail entlang der Lake Worth Lagoon, vorbei an Anwesen direkt am Wasser, mit Blick auf die Skyline von West Palm Beach auf der anderen Seite.
Göteborgs Schären: Eine einsame Inselwelt vor den Toren der Stadt
Nur etwa 30 Minuten mit der Fähre vom Göteborger Stadtzentrum entfernt wartet eine Welt aus Felsen, Meer und roten Holzhäusern. Schon während der Überfahrt eröffnet sich der Blick auf die malerische Umgebung: Rund 20 größere bewohnte Inseln bilden den Göteborger Schärengarten, der sich nördlich und südlich der Stadt erstreckt und die unterschiedlichen Facetten der schwedischen Westküste widerspiegelt. Während der Süden mit autofreiem und entspanntem Inselleben begeistert, prägen im Norden traditionelle Fischerdörfer, Naturreservate und weitläufige Küstenlandschaften das Bild. Jede Insel hat dabei ihren eigenen Charakter: Beispielsweise verbindet das südlich gelegene Styrsö idyllische Dörfer mit schönen Badebuchten und Wanderwegen, während Rörö im Norden mit unberührter Natur und einem ursprünglichen Inselpanorama beeindruckt. Kleine Häfen, Cafés und Restaurants bieten Gelegenheit zum Verweilen, ruhige Buchten zwischen eindrucksvollen Felsformationen laden zum Baden und Entspannen ein, und die ausgedehnten Küstenwege eignen sich ganzjährig für lange Spaziergänge. So lässt sich auf den Schären ein Stück ursprüngliches Schweden mit maritimer Atmosphäre und entschleunigtem Inselleben direkt vor den Toren Göteborgs erleben.
Therasia: Santorins vergessene Schwester
Gegenüber der weltberühmten Instagram-Kulisse von Santorin erwartet Reisende ein ganz anderes, ein traditionelles Inselleben. Auf der kurzen Bootsfahrt über die Caldera lässt man den Trubel hinter sich. Was am anderen Ufer wartet, ist ein touristisch kaum beeinflusstes Eiland mit knapp 180 Einwohnern, auf dem die Uhren spürbar langsamer ticken. An die „große Schwester“, die einst ein Vulkanausbruch trennte, erinnert nur die kleine denkmalgeschützte Kirche Agia Irini. Sie zeigt sich auf der Nordspitze der von Lavastein dominierten Insel und bildet den Mittelpunkt des Santa Irini Retreats, das aus Liebe zum ursprünglichen Griechenland und Kindheitserinnerungen entstand. Mit viel Bedacht haben seine Besitzer auf dem Land und den Wurzeln ihrer Vorfahren einen Rückzugsort geschaffen, der zum Anhalten und Durchatmen einlädt. Vier Suiten in traditioneller kykladischer Architektur, ein großer Holztisch für gemeinsame Mahlzeiten und unverbaute, weite Aussichten bilden den Rahmen für ganzheitliches Entschleunigen im Rhythmus der Natur. Wer sich trennen kann, dem organisieren die Gastgeber, Paris und Dimitris, Mountainbikes oder eine Wandertour ans andere Ende der Insel oder sie nehmen sie mit auf einen Bootsausflug entlang der eindrucksvollen Calderawand.
Bainbridge Island: Das Kleinod vor Seattle
Vom Colman Dock in Downtown Seattle sind es 35 Minuten mit der Fähre nach Winslow, dem Herzstück von Bainbridge Island. Keine andere Insel im Puget Sound ist so schnell von Downtown Seattle aus erreichbar, trotzdem fühlt sich Bainbridge komplett losgelöst von der Stadt an. Ein Mietwagen braucht hier niemand: Winslow mit seinen zahlreichen Cafés, Galerien und kleinen Läden liegt direkt am Fähranleger und lässt sich komplett zu Fuß erkunden. Jeden ersten Freitag im Monat verwandelt der ArtWalk die Winslow Way und die Madison Avenue in eine Freiluftgalerie. Für eine Insel dieser Größe ist die Dichte an Galerien und Studios ungewöhnlich hoch. Wer weiter raus will, leiht sich ein Fahrrad und radelt in wenigen Minuten zur Bloedel Reserve, einem 150 Hektar großen Park mit japanischem Garten und Moosgärten, ein Naturkontrast auf kleinstem Raum. Im Sommer zieht das Grand Old Fourth of July Fest die halbe Insel auf die Straßen. Im Herbst folgt das Bainbridge Quilt Festival mit über 200 handgefertigten Quilts. Wer noch weiter raus will, findet mit Whidbey Island und Vashon Island zwei weitere Inseln, die sich ebenfalls perfekt für einen Tagesausflug ab Seattle eignen.
Masirah Island vor Oman: Wo der Wind den Takt vorgibt
Auf Masirah bestimmt der Wind den Tagesrhythmus. Die rund zwölf Kilometer vor der omanischen Küste gelegene Insel gilt als einer der besten Kitesurf-Spots des Landes. Von Mai bis September bläst der Khareef-Wind kräftig und zuverlässig über das Arabische Meer und lässt die bunten Kites am Himmel über die Wellen fliegen. Die langen Strände und weiten, offenen Küsten bieten ausreichend Platz für alle. Dazu kommt die Ruhe der Insel: Nach der Kitesurf-Session geht es hier nicht in den nächsten Beachclub mit lauter Musik, sondern einfach nur in die Natur, durch Dünenlandschaften und in kleine Fischerdörfer. Genau dieser Kontrast macht Masirah so besonders – Action trifft auf Landschaft. Übrigens: Die Insel ist auch bei vier Meeresschildkrötenarten beliebt, wie etwa der Grünen Meeresschildkröte und der Unechten Karettschildkröte. Sie kommen alljährlich zur Eiablage nach Masirah.
Toronto Islands: Insel-Auszeit in Kanada
Nur 15 Minuten mit der Fähre von Downtown Toronto entfernt liegt eine Welt ohne Autos. Die Toronto Islands umfassen 15 Inseln im Lake Ontario und beherbergen die größte autofreie urbane Gemeinschaft Nordamerikas. Mehrere hundert Menschen leben hier ganzjährig zwischen Cottages, Gärten, Stränden und verschlungenen Wegen. Drei Inselteile, drei völlig unterschiedliche Stimmungen: Centre Island mit dem Centreville Amusement Park und dem Streichelzoo Far Enough Farm zieht Familien an, Ward's Island wirkt eher wie ein ruhiges Wohnviertel am Wasser und Hanlan's Point im Westen ist bekannt für seinen „clothing-optional“-Strand sowie seine lange Geschichte als Treffpunkt der queeren Community Torontos. Am südlichen Ende der Inseln steht das Gibraltar Point Lighthouse, errichtet 1808 und damit eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt. Über 20 Kilometer asphaltierte Wege eignen sich zum Radfahren. Mit Kajaks oder Stand-up-Paddleboards lassen sich die Kanäle zwischen den Inseln erkunden. Sobald der Winter einzieht, ändert sich jedoch das Bild: Dann verkehrt nur noch die Fähre nach Ward's Island, die Besucherzahlen sinken deutlich, und wer Langlaufskier oder Schneeschuhe mitbringt, hat die verschneiten Pfade fast für sich allein.
Sharp Island: Tropenfeeling vor Hongkong
Wer Hongkong mit pulsierender Metropole verbindet, entdeckt rund um die Stadt eine überraschend wilde Seite: Nur eine kurze Fährfahrt von Sai Kung entfernt liegt Sharp Island, eine unbewohnte Insel im Hong Kong UNESCO Global Geopark, die mit türkisfarbenem Wasser, idyllischen Buchten und spektakulären Felsformationen begeistert. An der Hap Mun Bay und am Kiu Tsui Beach laden feine Strände zum Baden und Entspannen ein, während ein rund zwei Kilometer langer Wanderweg durch den Wald und über den Inselrücken zu Panoramablicken auf Meer, Berge und die umliegenden Inseln führt. Besonders eindrucksvoll ist der natürliche Tombolo, eine schmale Sand- und Geröllbank, die Sharp Island mit dem vorgelagerten Kiu Tau verbindet. Unter der Wasseroberfläche wartet zudem eine farbenprächtige Welt: Rund um die Insel befinden sich Korallenriffe und beliebte Schnorchelspots. Ob beim Wandern, Schwimmen, Schnorcheln oder Kajakfahren, Sharp Island verbindet Naturerlebnis und Erholung und zeigt, wie nah Hongkongs urbane Dynamik und ursprüngliche Inselwelt beieinanderliegen.
Menorca: die ruhige Alternative zu Mallorca
Während Mallorca für lebhafte Strände und lange Partynächte steht, bietet Menorca nur eine kurze Flugstunde entfernt ein völlig anderes Erlebnis: ruhige Sandstrände, kristallklares Wasser und eine fast schon mediterrane Idylle, die zum Durchatmen einlädt. Die Schwester Mallorcas ist UNESCO-Biosphärenreservat und besticht durch ihre unberührte Natur, traditionelle Dörfer und eine insgesamt entspannte Atmosphäre, die weit entfernt ist vom Massentourismus. Ideal als Ausgangspunkt für Inselentdeckungen liegt das zur Wyndham-Gruppe gehörige Palladium Hotel Menorca in Arenal d'en Castell im Norden der Insel. Das frisch renovierte 4-Sterne-Hotel kombiniert familiären Komfort mit erstklassigem Service und bietet drei Außenpools, Familienzimmer, Kinderanimation sowie vielfältige All-inclusive-Optionen. Von hier aus lassen sich Menorcas versteckte Calas, malerische Küstenwege und charmante Fischerorte mühelos erkunden.
Fotos: V.l.n.r.: Vor der wuseligen Millionenmetropole Hongkong liegt die unbewohnte Sharp Island, Therasia mit dem Santa Irini Retreat ist die ruhige Schwester der Touristeninsel Santorin, die Barriereinsel Palm Beach verströmt ein kleinstädtisches Flair – mit Blick auf die Skyline von West Palm Beach. © Hong Kong Tourism Board, Santa Irini Retreat, Discover the Palm Beaches.
Der letzte Kilometer macht den Unterschied
Acht Inseln vor acht bekannten Reisezielen, die ganz neue Perspektiven und Reiseerlebnisse eröffnen
Veröffentlicht am: 13.09.2026
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