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Hut ab!

Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten

Was der Mensch auf seinem Kopf trägt, setzt Zeichen – ob Helm oder Kopftuch, ob Bollen- oder Heckerhut. Die Ausstellung „Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg führt durch Zeiten, in denen der Mensch ohne Kopfbedeckung nicht vollständig war.

Und sie zeigt, über welche Kopfsachen heute diskutiert wird: Kann man sich in Deutschland mit der jüdischen Kippa auf die Straße trauen? Was trägt der Protest gegen Frauenfeindlichkeit?

„Kopfbedeckungen erzählen Geschichte und Geschichten“
, sagte die Direktorin des Hauses der Geschichte, Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger bei der Eröffnungspressekonferenz am 19. Dezember 2019. „In der Ausstellung geht es um Macht, Ordnung und Auflehnung, um Tradition, Revolution und Religion, um richtig oder missverstandene und widersprüchliche Symbole.“

Der Streit um das Kopftuch steht am Anfang der Ausstellung. „Es zeigt, wie auch andere Objekte, dass Kopfbedeckungen vieldeutige Zeichen sind“, erklärte Kurator Dr. Sebastian Dörfler. „Während es von manchen Musliminnen als Symbol der Unterdrückung bewusst abgelegt wurde, ist es für andere Trägerinnen Teil ihrer Religion und ihrer Persönlichkeit.“ Ausgestellt ist unter anderem ein Kopftuch der Lehrerin Fereshta Ludin: Sie stritt vergeblich vor dem Bundesverfassungsgericht dafür, mit dem Glaubenssymbol unterrichten zu dürfen. Auch traditionelle Christinnen, ein provozierender Pfarrer in Aalen und ein Stuttgarter Kaufhaus spielen in Sachen Kopftuch eine Rolle.

In insgesamt 44 bunten Vitrinen präsentiert das Museum die unterschiedlichsten Kopfbedeckungen und die Geschichten ihrer Trägerinnen und Träger. Als leuchtende Schaufenster sind sie zu vier Plätzen und Straßen gruppiert. Jede Vitrine greift eine Zeit oder ein Thema auf und zeigt züchtige, martialische, streitbare, intellektuelle oder modische Kopfbedeckungen. Manche zierten berühmte Häupter wie die von Schiller, Zeppelin oder Heuss. Manche haben eine tragische Geschichte wie eine Reihe von Mützen, die lange im Besitz einer Studentenverbindung waren, weil sie von ihren jungen Trägern niemals abgeholt wurden – sie fielen im Ersten Weltkrieg. Andere Männer hatten mehr Glück: In zwei der gezeigten Helme blieben Geschosse stecken.

Die Ausstellung stellt außerdem die verblüffenden Anfänge vieler Kopfgeschichten vor. Was haben Hüte mit Naturschützern zu tun, und welche Rolle spielte dabei die „Vogelmutter“ Lina Hähnle? Warum hat der „badische Bollenhut“ auch schwäbische Wurzeln? Wieso sieht ein falscher Heckerhut echter aus als ein echter Heckerhut?

Das Hut-ab-Begleitprogramm widmet sich kontroversen, kreativen und künstlerischen Kopfsachen. Eine Frauenrunde diskutiert am 16. Januar über das „Symbol Kopftuch“.  In einer Modenschau zeigen Models am 13. Februar „Head Pieces“ von Mode-Studierenden der Hochschule Pforzheim. Zur Langen Nacht der Museen zaubert einer der besten Close-up Magier Deutschlands Unglaubliches aus dem Hut. Und für Kinder bietet das Haus der Geschichte mehrere Workshops und Führungen an – von fiesen Fälschern bis zu Klaus der Laus.

Hut ab!
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Konrad-Adenauer-Straße 16
70173 Stuttgart
20.12.2019 - 2.8.2020
www.hut-ab-ausstellung.de

Foto: Pixabay

 


Veröffentlicht am: 25.12.2019

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