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Aufgespießt: Tag der Deutschen Einheit?

... heute?

(Helmut Harff / Chefredakteur) Was fällt Ihnen zum Datum 17. Juni ein? Nichts? Dann sind Sie ein Mensch, der sich für die Geschichte nicht interessiert. Ältere aus der Bundesrepublik Deutschland alt, werden sich sicherlich noch erinnern, denn damals war dieser Tag frei. Der Tag der Deutschen Einheit wurde begangen.

Viele fragen sich jetzt: Deutsche Einheit, vor 1990? Richtig, da gab es zwei deutsche Staaten. Da gab es Deutschland - Westdeutschland - und es gab die DDR. In dem Teil, in dem am 17. Juni Feiertag war, schrieb man sehr lange DDR in Anführungsstrichen.

Doch warum wurde einer nicht vorhandenen deutschen Einheit gedacht? Eigentlich ist das auch eine irreführende Bezeichnung, denn die Ursache war eine andere. In der DDR, vor allem aber nicht nur in Berlin-Ost, gingen Arbeiter auf die Straße. Sie wollten damit weder Stalin noch Walter Ulbricht huldigen - ganz im Gegenteil. Die SED hatte den Bogen wieder einmal überspannt. Sie hatte die ohnehin schon hohen Arbeitsnormen so erhöht, dass es vor allem den Bauarbeitern in Berlin reichte. So streikten die Arbeiter der Vorzeigebaustelle auf der damaligen Stalinallee (Foto) - der heutigen Karl-Marx-Allee - nahe dem Berliner Alexanderplatz.

Dem Streik und den folgenden Protestdemonstrationen schlossen sich sehr schnell tausende, wenn nicht hunderttausende Arbeiter an. Ganze Belegschaften schlossen sich der Streikbewegung an. Mein Vater, damals ein Eisenbahner, hat mir oft davon erzählt. Er, ein Kind der NS-Zeit und in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, kannte keine Streiks, keine Auflehnung. So ging es vielen jungen Männern - damals arbeiteten nur wenige Frauen - die froh waren, dass der Krieg Geschichte war und sie sich ein neues Leben aufbauen konnten.

Doch daran war die SED nicht so interessiert. Sie interessierte das Große und Ganze und weniger das individuelle Glück. Man verfolgte den beschleunigten Aufbau des Sozialismus in der DDR. Das interessierte nun weniger die Arbeiter. Zumindest so lange nicht, bis eben auch die Normen massiv erhöht wurden.

Mein Vater, damals 20 Jahre alt, marschierte also von Schöneweide bis in die Innenstadt von Berlin und mit ihm tausende Arbeiter, die alle die Nase voll hatten. Die hatte auch die SED-Führung angesichts der Streikenden sehr schnell voll. Augenscheinlich ging das auch der Sowjetunion so, schließlich wurde gerade in der Straße am meisten protestiert, die den Namen des Generalisimus Stalin, des sowjetischen Herrschers trug. Die Rote Armee rückt aus, um die von der SED bestimmte Ordnung wieder herzustellen. Es gab Tote und der Aufstand der Arbeiter - wie man ihn später nannte - endete so schnell wie er begonnen hatte.

Im Westen hatte man neugierig auf das geschaut, was da in der sogenannten "DDR" passierte. Hilfe kam außer vom Berliner Radiosender RIAS keine. Man ließ die Arbeiter allein. Die Westalliierten wollten keinen Ärger mit den Russen nur wegen der kleinen DDR. In Westdeutschland beließ man es bei einigen Krokodilstränen und eben der Einführung des Feiertages, des "Tages der Deutschen Einheit". Die haben die Ostdeutschen dann erst Jahrzehnte später durchgesetzt.

Foto: CFalk / pixelio.de

 


Veröffentlicht am: 17.06.2019

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