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15.08.2020

 

 


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Aufgespießt: Denk mal

... oder Denkmal

(Helmut Harff / Chefredakteur) Erinnerung ist gerade in diese Tagen in aller Munde. Wir erinnern uns an den Beginn des Zweiten Weltkrieges, des Überfalls auf Polen durch Deutschland. Überall werden Reden gehalten, Kränze niedergelegt und sich entschuldigt. Das ist so usus.

Es wird aber auch wieder einmal darüber diskutiert, ob man nicht doch ein Denkmal in Erinnerung an die Millionen durch Deutsche ermordeten Polen während des Krieges errichten soll. Mal abgesehen davon, dass so ein Denkmal sicherlich erst zum 100. Jahrestag des Überfalls fertig sein wird, frage ich mich, worin der Sinn eines solchen Denkmals bestehen soll.

Das frage ich mich vor allem hinsichtlich des Umgangs mit all den Denkmalen allein in Berlin. Wer weiß schon, wer Moltke (Foto), wer Blücher, wer Gneisenau war? Vor vielen Jahren mussten das die Kinder in der Reichshauptstadt noch lernen. Heute werden die Denkmale maximal noch fotografiert. Googeln wird sicherlich kaum jemand nach den Namen.

Was ich meine? Das hat Berthold Brecht in seinem Gedicht - ich lernte das in der Schule - "Die Teppichweber von Kujan-Bulak ehren Lenin" eindrucksvoll geschildert. Die Teppichweber von Kujan-Bulak sollten und wollten wohl auch Lenin ehren. Sie sammelten also Geld für die unvermeidliche Leninbüste. Nun hatten die Menschen im kleinen Ort im südlichen Turkestan ein Problem - die Mücken, die sie vom Moor kommend quälten. Sie wurden vom Fieber geschüttelt. Was tun? Sie kauften Petroleum, schütteten es auf das Moor und vernichteten so die Mückenbrut.

Was sie taten - Umweltschutz kannte man damals noch nicht - fasste B.B. so zusammen:
So nützten sie sich, indem sie Lenin ehrten und
Ehrten ihn, indem sie sich nützten, und hatten ihn
Also verstanden.


Ich frage mich, wann wir verstehen, dass Denkmale uns nicht wirklich zurufen "Denk mal". Ich frage mich, wann wir wie die einfachen Menschen aus dem sowjetischen Flecken Kujan-Bulak, die sicherlich kaum lesen und schreiben konnten, dafür aber ein riesiges Problem hatten - entdecken, wie man ohne die Errichtung von Denkmalen jemanden ehren kann. Ich meine damit keinesfalls die Benennung von Straßen und Plätzen. Ich meine wirklich vernünftige Ideen.

Ich hätte da schon eine, eine die Polen und Deutsche, die Deutsche und Polen sehr viel näher bringen würde. In der Neiße- und Rosenstadt Forst/Lausitz - direkt an der gemeinsamen Grenze gelegen - gab es einst mehrere Brücken über den heutigen Grenzfluss Neiße. Man hat es bis heute nicht geschafft, auch nur eine wieder aufzubauen. Um sich gegenseitig zu besuchen, muss man viele Kilometer mit dem Auto fahren. Einen öffentlichen Nahverkehr mit Bahn oder Bus gibt es nämlich auch nicht. Gäbe es wenigstens einen innerstädtischen Grenzübergang, so würde das die Begegnung deutlich vereinfachen, es wäre ein Beitrag zur Verringerung der Schadstoffemission und auch touristisch interessant.

Wie überlegen sind uns doch die Teppichweber von Kujan-Bulak.

Foto: Pixabay

 


Veröffentlicht am: 02.09.2019

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