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Wem glauben, wenn’s ums Geld geht?

Warum Likes, Shares und Views kein Finanzwissen ersetzen



Wo informieren sich Menschen heute über Geldanlagen, Altersvorsorge oder Finanzplanung? Immer häufiger lautet die Antwort auf diese Frage: Social Media. Laut einer Studie des Bankenverbandes suchten bereits 54 Prozent der 14- bis 21-Jährigen online nach Finanzwissen. 

Doch nur ein Drittel plant seine Finanzen regelmäßig. „Der Trend zeigt, dass digitale Möglichkeiten die Hemmschwelle senken, sich mit Geld zu beschäftigen. Das birgt aber auch Risiken. Zahlreiche Inhalte klingen plausibel, sind aber unvollständig oder schlicht falsch“, warnt Vito Micoli, Finanzexperte und Geschäftsführer von FI Investments. Entsprechend wichtig ist es, die Qualität der Quellen zu hinterfragen. 

Zwischen Finfluencern und Faktencheck 


TikTok, YouTube oder Instagram machen Finanzthemen greifbar und schaffen Nähe. Doch laut einer Untersuchung der BaFin zu sogenannten Finfluencern sind viele Beiträge werblich beeinflusst oder enthalten unzureichende Risikohinweise. 37 Prozent der jungen Anleger wussten demnach nicht, dass Content Creators häufig für ihre Produktempfehlungen bezahlt werden. „Und das ist nicht die einzige Informations- oder Wissenslücke, die bestehen bleibt“, weiß Micoli. Eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen verdeutlicht, dass gerade junge Erwachsene in Deutschland deutlichen Aufholbedarf bei Themen wie Kreditaufnahme und Risikoabschätzung haben. „Die Kombination aus hoher Reichweite und geringer Finanzkompetenz ist gefährlich“, so der Finanzexperte. „Sie öffnet Falschinformationen Tür und Tor.“

Vom Algorithmus verführt


Egal auf welcher Social-Media-Plattform Content geteilt wird, die Algorithmen, die dahinterstecken, versuchen die Aufmerksamkeit der User möglichst lange zu halten. Sie analysieren das Verhalten aller Nutzer – also Klicks, Likes, Kommentare – und zeigen anschließend bevorzugte Inhalte, die ähnlich stark fesseln. „Sachliche oder komplexe Erklärungen zu Zinsstrukturen oder Diversifikation erzielen dabei oft weniger Interaktion und werden daher seltener ausgespielt“, betont Micoli. Ganz anders sehe das mit vereinfachten Darstellungen oder überzogenen Versprechen aus. Posts, die mit Versprechen wie „So verdoppelst du dein Geld in 30 Tagen“ locken, performen häufig deutlich besser, auch wenn sie faktisch falsch sind. „Der Social-Media-Algorithmus belohnt also nicht, was stimmt, sondern, was klickt“, unterstreicht der Finanzexperte. Hinzu kommt, dass Influencer-Marketing dieses System aktiv nutzt, wodurch bezahlte Kooperationen häufig immer noch als persönliche Erfahrungen inszeniert werden, was Vertrauen suggeriert. 

Digitale Kompetenz und Datenbasis

Wie also lässt sich Finanzwissen im digitalen Raum stärken – idealerweise bevor Algorithmen hoch emotionalisierte Anlageentscheidungen herbeiführen? „Fachleute aus der Finanzbranche, aber auch im Bereich Bildung, fordern schon seit Langem mehr Transparenz und digitale Aufklärung“, sagt Micoli. Es brauche immer einen kritisch prüfenden Menschen in Finanzfragen. Der sollte dann nicht nur über ein Grundverständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge verfügen, sondern auch über nachvollziehbare Daten, auf denen Anlageentscheidungen fußen können. 

„Sicher kann Technik unterstützen, Märkte zu verstehen, allerdings handelt sich dabei nicht um Algorithmen, die Likes bevorzugen“, erklärt Micoli. Vielmehr gehe es bei KI-gestützten Programmen darum, Marktdaten in Echtzeit auszuwerten, Trends und Abweichungen zu erkennen und Muster möglichst objektiv zu analysieren. Damit wird der Algorithmus zum Instrument der Strukturierung und der Risikoeinschätzung, dessen Ziel es ist, Emotionen und Impulshandlungen zu reduzieren und Finanzentscheidungen nachvollziehbar zu machen. 

Foto: Thomas Feith

 


Veröffentlicht am: 12.01.2026

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