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AvD: Besserer Schutz für Lebensretter in Gefahr

Einsatzkräfte riskieren an Unfallstellen täglich ihr Leben



Einsatzfahrten und die Absicherung von Verkehrsunfällen gehören zu den gefährlichsten Aufgaben für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Der aktuelle DEKRA-Verkehrssicherheitsreport 2026 zeigt, dass insbesondere junge und vergleichsweise unerfahrene Fahrer von Einsatzfahrzeugen hohen Belastungen ausgesetzt sind. 


Gleichzeitig werden Defizite bei der Ausbildung in Bereichen wie Fahrphysik, Gefahrenlehre, Stressmanagement und rechtlicher Verantwortung benannt. Hinzu kommt, dass lediglich drei Prozent der im Report befragten Fahrer angaben, während der Einsatzfahrt regelmäßig angeschnallt zu sein! Für den Automobilclub von Deutschland (AvD) steht deshalb fest: Mehr Qualifikation der Einsatzkräfte allein reicht nicht aus. Ebenso notwendig sind mehr Rücksicht, Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein aller Verkehrsteilnehmer. Wer Einsatzkräfte behindert oder keine Rettungsgasse bildet, gefährdet Menschenleben.

Verlässliche bundesweite Zahlen darüber, wie viele Einsatzkräfte an Unfallstellen von anderen Fahrzeugen erfasst werden, fehlen bislang. Umso wichtiger ist der Blick auf wissenschaftliche Untersuchungen und internationale Erfahrungen. DEKRA gibt an, dass in den USA rund 30 Prozent der im Straßenverkehr getöteten Polizei- und Feuerwehrangehörigen am eigentlichen Einsatzort von anderen Verkehrs­teilnehmenden angefahren werden. Bereits 2018 kam die Studie „Achtung Blaulicht“ der Ludwig-Maximilians-Universität München zu dem Ergebnis, dass das Unfallrisiko bei sogenannten Sondersignalfahrten gegenüber normalen Fahrten erheblich steigt: bei Sachschäden um den Faktor 17, bei Unfällen mit Schwerverletzten um das Achtfache und bei Unfällen mit tödlichem Ausgang ist es viermal so hoch.

Besser auf den Ernstfall vorbereiten

Der AvD unterstützt daher die Anregung von DEKRA-Unfallforscher Markus Egelhaaf, eine staatlich geregelte Zusatzqualifikation für Einsatzkräfte einzuführen. Dazu gehört eine intensivere Schulung in Fahrsicherheit und Einsatzfahrdynamik ebenso wie ein bundesweit einheitliches Training für Fahrten unter Sonder- und Wegerechten. Für den AvD ist dieses Thema bereits seit Längerem ein wichtiges Anliegen. Gemeinsam mit Ex-Rennfahrer und Formel-1-Experte Christian Danner hat der Club bereits in der Vergangenheit spezielle Fahrtrainingsseminare für Rettungskräfte angeboten. Darüber hinaus braucht es endlich eine belastbare statistische Erfassung von Unfällen mit Einsatzfahrzeugen und Einsatzkräften. Nur auf einer verlässlichen Datengrundlage lassen sich Risiken gezielt analysieren und wirksame Schutzmaßnahmen entwickeln.

Mindestens ebenso groß ist jedoch die Verantwortung aller Verkehrsteilnehmer. Eine Rettungsgasse muss bereits bei stockendem Verkehr gebildet werden und nicht erst, wenn Blaulicht oder Martinshorn zu sehen beziehungsweise zu hören sind. Sie entsteht auf Autobahnen grundsätzlich zwischen der linken Fahrspur und allen übrigen Fahrstreifen. Auch nach dem Passieren des ersten Einsatzfahrzeugs darf sie nicht sofort wieder geschlossen werden, da häufig weitere Rettungsfahrzeuge folgen. Ebenso wichtig sind ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Unfallstellen, angepasste Geschwindigkeit sowie der konsequente Verzicht auf schaulustiges Gaffen oder Ablenkung durch Smartphones.

Moderne Technik einsetzen

In diesem Zusammenhang begrüßt der AvD auch den flächendeckenden Einsatz von Vehicle-to-Everything-Kommunikation (V2X), wie sie der Internationale Feuerwehrverband CTIF bereits seit Längerem empfiehlt. Dabei senden Einsatzfahrzeuge ihre Position, Fahrtrichtung und Warnmeldungen direkt an kompatible Fahrzeuge und künftig auch an die Verkehrsinfrastruktur. So werden Autofahrer schon vor dem Sichtkontakt mit Blaulicht oder Martinshorn gewarnt und können frühzeitig reagieren. Erste Fahrzeughersteller setzen die Technologie bereits ein und mit der zunehmenden Verbreitung entsprechender Systeme in Neufahrzeugen wird V2X in den kommenden Jahren immer häufiger zum Einsatz kommen. Denkbar sind hier auch intelligente Ampelanlagen, die herannahenden Rettungsfahrzeugen automatisch Vorrang geben. Die dafür notwendige Um- oder Nachrüstung der Leittechnik und der Einsatzwagen dürfte deutlich schneller umzusetzen sein als die sukzessive V2X-Ausstattung des gesamten Pkw-Bestands.

AvD Präsident Lutz Leif Linden: „Jeder Unfallhelfer muss sich darauf verlassen können, nach einem Einsatz gesund nach Hause zurückzukehren. Mehr Qualifikation, moderne Fahrzeugtechnik und vor allem mehr Rücksicht im Straßenverkehr sind die entscheidenden Bausteine, um Einsatzkräfte wirksam zu schützen.“ 

 


Veröffentlicht am: 28.07.2026

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