
Wenn das Thermometer steigt, gibt es kaum eine bessere Erfrischung als ein gutes Gelato. Nur wenige Regionen zelebrieren diese italienische Leidenschaft so wie die Emilia-Romagna. Sie gilt als das Zentrum der professionellen Gelato-Herstellung und des modernen Handwerks.
Nicht ohne Grund befindet sich vor den Toren Bolognas mit der Carpigiani Gelato University die weltweit größte Ausbildungsstätte für Gelatieri. Gleich nebenan macht das Carpigiani Gelato Museum die Geschichte des italienischen Speiseeises bei Führungen, Verkostungen und Eismachkursen erlebbar.
Als eine der bedeutendsten Genussregionen Italiens bringt die Emilia-Romagna nicht nur Spezialitäten wie Parmigiano Reggiano, Prosciutto di Parma oder Aceto Balsamico Tradizionale hervor. Auch ihre Gelaterien gehören zu den besten des Landes. Entlang der Via Emilia entstehen aus regionalen Zutaten kreative Eiskreationen, die von Blütensorbets über Sangiovese-Gelato bis hin zu Eis mit Parmigiano Reggiano oder Balsamico reichen. Viele der handwerklichen Gelaterien wurden vom Gourmetführer Gambero Rosso mit den begehrten Tre Coni ausgezeichnet und zeigen, wie eng in der Emilia-Romagna Tradition, Regionalität und Genuss miteinander verbunden sind.
Parma – Gelato, das von der Region erzählt
Die mehrfach ausgezeichnete Gelateria Ciacco versteht Eis als Spiegel ihrer Heimat. Bei Ciacco wird eng mit regionalen Erzeugern zusammengearbeitet und es werden ausschließlich sorgfältig ausgewählte Zutaten ohne künstliche Zusatzstoffe verarbeitet. Das Ergebnis sind außergewöhnliche Sorten wie Sorbet aus traditionell gereiftem Essig, Eis mit Bienenwachs oder in Eichenholz gereiftes Gelato. Je nach Saison kommen Spezialitäten wie Sorbet aus Violina-Kürbis hinzu.
Fidenza und Piacenza – Eis als kleines Kunstwerk
Die preisgekrönten Eismacher Gian Luca und Giulia arbeiten in ihrer Eisdiele Magritte - Gelati al Cubo eng mit kleinen landwirtschaftlichen Betrieben zusammen und verwandeln hochwertige Zutaten in außergewöhnliche Kompositionen. Klassiker werden neu interpretiert, etwa mit einer Stracciatella aus Landbutter und Kakaomasse oder der Sorte Sorrisi di Luce, einer cremigen Joghurtbasis mit Zitronenpulver und knusprigem Mürbeteig. Ebenso beliebt ist der Bacio Mandorlato, eine Sorte, bei der dunkle Schokolade auf geröstete Mandeln trifft. Das Ergebnis ist handwerkliches Gelato, das ebenso kreativ wie harmonisch ist und jedes Jahr aufs Neue zu den besten Italiens zählt.
Salsomaggiore Terme (Parma) – Parmigiano im Eisbecher
Seit 1949 steht die Gelateria Sanelli für handwerkliches Gelato auf höchstem Niveau. Die traditionsreiche Eisdiele verbindet klassische italienische Eiskunst mit außergewöhnlichen Ideen und regionalen Spezialitäten. So finden sich neben Fruchtsorbets aus saisonalen Feigen oder anderen Früchten der Umgebung auch Kreationen wie Parmigiano Reggiano mit Ingwer, Torta Barozzi oder zartes Roseneis in der Vitrine. Besonders originell ist die süß-salzige Kombination aus Mandeln und dem berühmten Thermal-Badesalz von Salsomaggiore. Viele Zutaten stammen aus nachhaltiger Landwirtschaft und von Produzenten aus der Region – eine Philosophie, die der Gelateria seit Jahren einen Platz unter den besten Eisdielen Italiens sichert.
Reggio Emilia – Gelato vom Bauernhof
In der Cremeria Capolinea beginnt Qualität bereits auf dem Bauernhof. Zum Beispiel stammen die Früchte für das Birnen-Zimt-Eis von einem Hof in Correggio, die Milch für das Fior di latte wiederum kommt aus den Hügeln des Apennins. Das Sortiment verbindet italienische Klassiker mit saisonalen Spezialitäten und wechselt regelmäßig. Neben Schokolade, Zuppa Inglese oder Zabaione entstehen immer wieder neue Kreationen wie Ricotta mit Haselnusscreme oder überraschende Kombinationen aus regionalen Früchten und Gewürzen. Auch vegane Sorten gehören dazu und wer hier ein Eis bestellt, schmeckt die große Sorgfalt jeder einzelnen Zutat heraus.
Modena – Wenn Blumen zu Sorbet werden
Die Gelateria Bloom hat sich mit ihren Blütensorbets weit über Modena hinaus einen Namen gemacht. Was andernorts den Garten schmückt, landet hier im Eisbecher: Jasmin, Flieder, Veilchen, Ringelblume, Iris oder Magnolie werden zu überraschend aromatischen Sorbets verarbeitet. Selbst Blätter von Feigen-, Zitronen- oder Walnussbäumen dienen als Inspiration für neue Kreationen. Verarbeitet werden ausschließlich hochwertige Rohstoffe, darunter Milch aus dem Apennin und ausgewählte Trockenfrüchte. Bloom beweist eindrucksvoll, dass Gelato eine Reise durch Düfte, Farben und Aromen der Natur sein kann.
Bologna – Zwischen Pistazie und Orangenblüte
Wer vor der Cremeria Santo Stefano steht, muss oft Geduld mitbringen. Die kleine Gelateria im Stil einer Pariser Konditorei der Jahrhundertwende zählt seit Jahren zu den beliebtesten Adressen Bolognas. Neben klassischen Sorten begeistert sie vor allem mit raffinierten Kombinationen: gesalzene Bosporus-Pistazie, libanesische Milchcreme mit Orangenblütenwasser, Pistazien und Mandeln, Spekulatius mit gesalzenem Karamell oder Schokolade aus edlen Kakao-Crus zeigen, wie elegant traditionelle Gelato-Kunst neu interpretiert werden kann.
Bologna – Wenn Mortadella zu Gelato wird
Dass Eis nicht immer süß sein muss, beweist die Cremeria Scirocco. Hier wird das Gelato zur kulinarischen Überraschung und findet sogar seinen Platz auf der Vorspeisenplatte oder beim Aperitivo. Zu den außergewöhnlichsten Kreationen gehören Eis mit Mortadella Bologna und Ricotta, Gorgonzola und Walnüssen, Pecorino und Honig oder Kürbis mit schwarzem Pfeffer. Die herzhaften Sorten entstehen mit derselben handwerklichen Sorgfalt wie die süßen Klassiker. Wer lieber traditionell genießt, findet außerdem Sorten wie Rum-Schokolade, Zitronencreme oder Malaga mit frischer Sahne und Rosinen. Eine Gelateria für alle, die gern Neues ausprobieren.
Bologna – Bio, vegan und glutenfrei
Bei Stefino dreht sich alles um die Natur und Innovation. Sämtliche Eissorten werden aus biologischen Zutaten hergestellt, viele davon sind vegan und sogar die Waffeln sind glutenfrei. Statt klassischer Verdickungsmittel kommen Baobabmehl oder Kuzu zum Einsatz. Das Sortiment überrascht mit außergewöhnlichen Kombinationen wie Wasabi, Kurkuma mit Zimt und schwarzem Pfeffer oder Sorbets aus salziger Zitrone, Feige und Anis. Besonders beliebt sind auch die veganen Reisgelati mit Erdbeer-Zimt, dunkler Schokolade und Sauerkirschen.
Bologna – Maritozzo trifft Gelato
In Maritozzi e Gelati verschmelzen zwei italienische Klassiker zu einem besonderen Genusserlebnis. Barbara und Renato stellen ihre Maritozzi – ein traditionelles, italienisches Gebäck – täglich frisch aus hochwertiger Butter, Honig, Eigelb und Zimt her und füllen sie anschließend mit hausgemachtem Gelato. Zu den beliebtesten Sorten zählen Stracciatella mit Aprikosen, Toffee mit gesalzenem Karamell und Mandeln oder Mascarpone mit Tenerina-Schokoladenkuchen. Auch vegane Varianten wie Schokolade mit Sauerkirschen oder Kaffeecreme mit Mandeln stehen auf der Karte. Das Ergebnis ist ein Dessert, das römische Backtradition mit der kreativen Gelato-Kultur Bolognas verbindet.
Sant'Agostino bei Ferrara – Frühstück auf italienisch
Die mehrfach ausgezeichnete Gelateria Teatro del Gelato ist bekannt für ihre experimentierfreudige Handschrift und setzt auf einen reduzierten Zuckergehalt, damit die natürlichen Aromen besonders gut zur Geltung kommen. Je nach Saison überraschen außergewöhnliche Sorten wie „Kräuter und Blumen“, Aprikose und Lavendel oder Gelato mit 24 Monate gereiftem Parmigiano Reggiano von den roten Kühen aus Reggio Emilia. Daneben begeistern Klassiker wie Zabaione mit sizilianischem Marsala oder fruchtige Kombinationen aus Ananas, Banane und Maracuja. Wer gerne Neues probiert, findet hier immer wieder spannende Geschmackserlebnisse.
Savignano sul Rubicone (Forlì-Cesena) – Die Romagna zum Löffeln
Regionalität steht in der Gelateria del Borgo San Rocco an erster Stelle. Verarbeitet werden Bio-Früchte kleiner Produzenten sowie zahlreiche Zutaten aus der Romagna. Besonders beliebt ist das Sangiovese-Sorbet mit Waldfrüchten, das den Charakter des bekanntesten Rotweins der Region in ein sommerlich-frisches Dessert verwandelt. Daneben begeistern Malaga mit Passito di Albana, Ricotta mit Heidelbeeren vom Monte Cimone, dem höchsten Berg der Emilia-Romagna, oder saisonale Fruchtsorbets aus Kirschen und Nektarinen. Wer es lieber herzhaft mag, kann auf Vorbestellung sogar Eis mit Paprika und Squacquerone-Käse probieren – ein außergewöhnliches Beispiel für die Experimentierfreude der Region.
Rimini & Riccione – Strand ohne Eis geht nicht!
In Rimini und Riccione an der Adriaküste zeigen zwei Gelaterien, wie vielfältig modernes Eishandwerk sein kann: Ciò Gelato in Riccione verbindet technische Präzision mit großer Kreativität. Neben Klassikern wie Zitronencreme, Pistazie, Haselnuss und Stracciatella überraschen originelle Sorten, die von Gianduione mit Rum über neapolitanische Pastiera und Zuppa Inglese bis zur Sachertorte reichen. Sorbets aus Pfirsichen, Erdbeeren und Feigen bringen zudem den Geschmack der Romagna in den Eisbecher. Nur wenige Kilometer weiter setzt die Gelateria Biologica Santa Colomba im Zentrum von Rimini nahe des imposanten Castello Malatestiano konsequent auf biologisch erzeugte Zutaten, glutenfreie Rezepturen und den Verzicht auf Emulgatoren sowie gehärtete Fette. Das mehrmals täglich frisch gerührte Sortiment umfasst über zwanzig Sorten, darunter auch vegane Varianten. Neben intensivem Ingwer, fruchtigem Pfirsich und seidigem Fior di Latte entstehen je nach Marktangebot kreative Kombinationen wie Käsekuchen mit weißer Schokolade, Streuseln und Himbeeren oder Zabaione mit Wein.
Foto: Pixabay
Von Sangiovese-Sorbet bis Blütengelato
Die außergewöhnlichsten Eiskreationen der Emilia-Romagna
Veröffentlicht am: 28.07.2026
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