Feierlicher Höhepunkt des FILM FESTIVAL COLOGNE ist am Abend des 5. November die Preisverleihung im Filmpalast, zuvor geben die Preisträger:innen in Artist Talks persönliche Einblicke in ihre Arbeit. Der Filmpreis Köln ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der Film- und Medienstiftung NRW und der Stadt Köln gestiftet.
Der Hollywood Reporter Award zeichnet den besten fiktionalen Beitrag in den Festivalreihen Top TV, Best of Cinema Fiction und Look aus und ist mit 10.000 Euro dotiert. Der International Actors Award zeichnet Persönlichkeiten aus, die in herausragender Weise durch ihre schauspielerischen Leistungen Bekanntheit und Anerkennung im internationalen Film- und TV-Geschehen erlangt haben.
Der Filmpreis NRW ehrt den besten Beitrag im NRW-Wettbewerb und ist mit 20.000 Euro dotiert; Träger des Preises sind das Land
Nordrhein-Westfalen, die Stadt Köln und die Film- und Medienstiftung NRW.
Ausgezeichnet werden dieses Jahr: Filmpreis Köln für Andrei Swjaginzew
Andrei Swjaginzew gehört zu den herausragendsten Regisseuren der Gegenwart. Geboren 1964 im russischen Nowosibirsk, absolvierte er dort eine Schauspielausbildung, bevor er am Staatlichen Institut für Theaterkunst in Moskau studierte. Von 1992 bis 2000 arbeitete er als Schauspieler, bevor er erste Regieerfahrungen beim Fernsehen sammelte. Für sein Kinodebüt THE RETURN – DIE RÜCKKEHR (2003), eine Geschichte über die Loslösung von väterlicher Autorität, gewann er direkt den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig. Sein nächster Film DIE VERBANNUNG über den Zerfall einer Familie und wie schon sein voriger Film eine Kritik traditioneller Männerbilder, wurde 2007 in Cannes im Wettbewerb gezeigt.
Dort erhielt er 2011 den Sonderpreis der Jury in der Sektion Un Certain Regard für ELENA, eine Kritik der russischen Klassenverhältnisse. Für LEVIATHAN (2014), eine moderne Version der Hiob-Geschichte am arktischen Meer, gewann er (zusammen mit Co-Autor Oleg Negin) in Cannes den Preis für das beste Drehbuch. Der Film wurde als russischer Beitrag für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert ebenso wie sein nächster Film LOVELESS (2017), ein düsteres Familiendrama, das am Stadtrand von Moskau spielt. Mit MINOTAUR (2026) beschäftigt sich Swjaginzew, der mittlerweile in Frankreich lebt, einmal mehr mit Entfremdung, Korruption und dem Zerfall menschlicher Beziehungen im heutigen Russland. Seine Variation von Claude Chabrols EINE UNTREUE FRAU (1969) ist auch eine Kritik an der Barbarisierung der Gesellschaft seines Heimatlandes durch den Krieg in der Ukraine. Der Film gewann in Cannes den Großen Preis der Jury.
The Hollywood Reporter Award für Christophe Honoré
Der Bretone Honoré (*1970) ist einer der vielseitigsten Regisseure des französischen Gegenwartskinos. Nach einem Studium der modernen Literatur und des Films arbeitete er zunächst als Schriftsteller, schrieb Kinder- und Jugendbücher, verfasste Bühnenstücke und publizierte als Filmkritiker für die berühmten Cahiers du cinéma, bevor er 2002 ins Regiefach wechselte. Seine literarische Bildung und seine Arbeit für das Theater prägen bis heute sein Kino, das zwischen Zeitbild, Musical, Literaturadaption und autobiografischer Reflexion beweglich bleibt.
International bekannt wurde Honoré mit IN PARIS (2006), einer melancholisch-komischen Familiengeschichte mit Romain Duris und Louis Garrel, und dem Musical CHANSON DER LIEBE (2007), das in Cannes für die Goldene Palme nominiert war. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählt SORRY ANGEL (2018), ein feinfühliger Liebesfilm über einen Schriftsteller mit HIV im Paris der 1990er-Jahre. Im Programm des FILM FESTIVAL COLOGNE ist er dieses Jahr mit ORANGE-FLAVOURED WEDDING vertreten, der in Cannes seine Weltpremiere feierte.
Honorés Kino verbindet Pop und Literatur, Leichtigkeit und Schmerz, Selbstironie und große Gefühle. Seine Filme erzählen von Liebe und Verlust, aber auch von der Freiheit des Neuanfangs. Seine Mischung aus intellektueller Neugier, musikalischer Sensibilität und emotionaler Unmittelbarkeit macht ihn zu einem herausragenden Autorenfilmer des europäischen Kinos.
International Actors Award für Ingrid Caven
Ingrid Caven (*1938) zählt zu den markanten Persönlichkeiten des deutschen und europäischen Autorenkinos. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin, bevor sie Ende der 1960er Jahre Rainer Werner Fassbinder kennenlernte und in LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD (1969) erstmals vor der Kamera stand. Es begann eine künstlerische Zusammenarbeit, die ihre Laufbahn nachhaltig prägte. Bis 1979 wirkte sie in rund zwanzig seiner Filme mit, darunter HÄNDLER DER VIER JAHRESZEITEN (1972), FAUSTRECHT DER FREIHEIT (1975) und ANGST VOR DER ANGST (1975), in denen Caven oft kühle, selbstbewusste oder geheimnisvolle Frauenfiguren verkörpert.
Über Fassbinder hinaus arbeitete sie mit Regisseuren wie Werner Schroeter (DER TOD DER MARIA MALIBRAN, 1972) und Daniel Schmid (LA PALOMA, 1974). Für ihre Verkörperung einer gedemütigten Diseuse in Walter Bockmayers LOOPING erhielt sie 1981 das Filmband in Gold.
Da hatte Caven bereits eine zweite Karriere als Chansonsängerin in Paris begonnen, das seit 1978 ihre Heimat ist. Als Chansonsängerin sieht man sie auch in ihrem bislang letzten Film 16 MOMENTS OF MY LIFE. Regisseur Albert Serra, mit dem sie bereits an der Berliner Volksbühne zusammengearbeitet hatte, filmt sie bei einer ganz besonderen Performance in ihrer Wahlheimat im Jahr 2025. Caven singt 16 autobiografisch gefärbte Songs in Französisch und Deutsch, begleitet von den Musikern der katalanischen Band Molfort.
Filmpreis NRW
Der oder die Gewinner:in des Filmpreis NRW wird von einer unabhängigen fünfköpfigen Jury bestimmt und am Abend der
Preisverleihung bekanntgegeben.
Das ganze Programm finden Sie hier.
FILM FESTIVAL COLOGNE vom 29. Oktober – 5. November 2026
Filmpreis Köln für Andrei Swjaginzew
Veröffentlicht am: 29.10.2026
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