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23.11.2020

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Im Osten nichts Neues

Nur weg, lautet die Devise

Sie haben es sicherlich auch gehört, die Ossis sind nach wie vor auf der Flucht. Die Zahl der in den neuen Bundesländern lebenden Menschen sank mit 13,6 Millionen auf das Niveau von 1905.

Den Osten verlassen, das ist nun wirklich kein neuer Trend. Nur weg hier, war schon immer die Devise der Ossis, als das Gebiet wirklich noch Mitteldeutschland war. Die Region war immer dünn besiedelt. Bis dann im Ergebnis des 30jährigen Krieges ganze Landstriche menschenleer waren. Das änderte sich nur langsam. Mit der Industrialisierung änderte sich das Bild in den wenigen Ballungszentren wie Berlin, Dresden oder Leipzig.

Dann kam das Ende des 2. Weltkrieges und wieder flohen die Menschen. Sie flohen erst vor den Russen, dann vor der Kollektivierung der Landwirtschaft, den Enteignungen und dem Stalinismus. Die Leute flohen in den Westen, weil es sich dort besser leben ließ. Das heißt in Zahlen, dass 1949, zur Gründung der DDR,  im Arbeiter- und Bauernstaat 18,79 Millionen Menschen lebten. 1989 waren es  dann noch 16,43 Millionen. In 40 Jahren sank die Bevölkerungszahl also um 3 Millionen. Das schaffte man im gemeinsamen Deutschland in nur 30 Jahren.

Sieht man sich die Geschichte einmal weiter an, so war es vor allem eines, was die Region am totalen Ausbluten hinderte: Es waren Flüchtlinge. Die kamen aus dem Osten, aber vor allem aus den anderen deutschen Kleinstaaten oder wie die Hugenotten aus Frankreich. Später waren es dann unter anderem die billigen Arbeitskräfte aus Vietnam. Ohne diese Zuzüge wäre wohl alles zusammengebrochen.

Nun war die in weiten Teilen nicht gerade fortschrittliche und wenig gebildete Bevölkerung alles andere als glücklich über die Zugezogenen. Die genossen Privilegien, mussten in Preußen beispielsweise nicht zum Militär, mussten keine Frondienste leisten und keine Steuern zahlen. Sie bekamen sogar Land und Baumaterial. Da gab es teilweise heftige Widerstände und Machtworte der Herrscher.

Irgendwie gleichen sich die Bilder oder eben auch nicht. Auch heute blutet das Land aus. Setzt sich der Trend fort, dann leben auf dem Gebiet der Ex-DDR in 30 Jahren kaum noch 10 Millionen Menschen. Nun gibt es auch heute viele Flüchtlinge. Nur gehen wir mit denen heute weit dümmer um, als unsere Vorfahren. Wir siedeln die nicht da an, wo  sie klaffende Lücken füllen können. Wir ernähren sie, aber wir nutzen nicht ihre Leistungsfähigkeit und ihre Leistungsbereitschaft. Wir befreien die Menschen nicht von Steuern. Wozu auch, sie sind ja gar nicht in der Lage, diese zu zahlen.

Wer jetzt an die Sprachbarriere erinnert, der sei daran erinnert, dass keiner der Hugenotten auch nur ein Wort deutsch konnte. Gleiches galt für all die Gastarbeiter, die in den Westen des Landes strömten und der bundesdeutschen Gesellschaft ein völlig neues Gesicht gaben.

Und die Eingeborenen? Die sind eigentlich gar keine Ausländerfeinde, sie haben Angst. Sie haben Angst davor, dass da Menschen kommen, die cleverer, die leistungsbereiter sind als sie selber. Sie haben Angst davor, dass da Menschen kommen, die ihnen die Margarine – Butter gibt es schon lange nicht mehr – vom Brot nehmen. Ich kann die Angst verstehen, denn sie ist nicht unbegründet. Auch das zeigt die Geschichte. Die zeigt aber auch, dass es im Osten, dem Land der ewig gestrigen Krautjunker, ohne Zuwanderung eben nicht geht. Im Osten eben nichts Neues.

So, nun frühstücke ich erst einmal mit der Besten Frau der Welt – auch eine Zugezogene.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

Foto: Pixabay

 


Veröffentlicht am: 14.06.2019

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