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Morgengruß von Helmut Harff: Sparen ist Bürgerpflicht

... oder doch nicht

Sparen – so wurde mir schon lange bevor ich überhaupt zählen konnte beigebracht – ist gaaaaanz wichtig. Es ist mindestens so wichtig wie „Bitte“ und „Danke“ zu sagen, das Taschentuch zu benutzen und in der Bahn für Omas und Opas aufzustehen.

Bekam ich mal irgendwoher einige Groschen geschenkt, so kamen die in die Sparbüchse. Kaum in der Schule, gab es schon von der Sparkasse ein Sparbuch. Darauf konnte ich schon sehr kleine Beträge einzahlen und es gab – glaube ich – sogar Zinsen. Sparen war also etwas, was ich sozusagen mit der Muttermilch mitbekommen habe.

Das war damals, als ich noch glaubte, was man mir erzählte. Als mir dann Jahrzehnte später die Politik erzählte, dass Sparen nicht nur erste Bürgerpflicht sonder auch die vornehmste Aufgabe der Politik sei, hatte ich schnell meine Zweifel. Die wurden auch nicht kleiner, als man mir erzählte, dass man vor allem deshalb sparen müsse, um den Nachfolgenden, den Kindern und Enkeln keine Schulden zu hinterlassen.

Wer will schon Schulden hinterlassen, fragten sich sicherlich viele und wählten die Sparfüchse immer wieder. Die „Schwarze Null“ schien das Goldene Kalb des 21. Jahrhunderts zu sein, um das sehr viele tanzten. Ehrlich, ich habe mich an diesem makabren Tanz nie beteiligt. Ich war immer der Ansicht, dass man keinem Enkel hilft, wenn man weniger Schulden hat – um mehr ging es ja nie – aber es durch das Dach regnet, das geerbte Auto nicht mehr durch den TÜV kommt und der tolle Schmuck sich als billiger Ersatz für den längst versetzten aus Gold entpuppt.

Und nun? Nun tanzt keiner mehr um das Goldene Kalb „Schwarze Null“. Nun macht man Schulden in noch nie gekannter Höhe. Nun ist plötzlich so viel Geld da, dass die Politik schon fast Schwierigkeiten hat, das irgendwie zu verteilen. Zumindest könnte man zu dem Eindruck kommen. Schließlich bemühen sich selbst die Spar-Prediger darum, Geld mit vollen Händen auszugeben.

Klingt ja toll, wenn wir Freiberufler Geld bekommen, wenn in Schulen teilweise nach Jahrzehnten mal die Sanitäranlagen in einen benutzbaren Zustand versetzt werden, wenn man Pflegepersonal und solches in den Krankenhäusern und Arztpraxen besser bezahlen will, wenn man sogar die Krankenhäuser wieder reprivatisieren will.

Doch muss man das bejubeln? Ja, in einer Krise muss man handeln. Niemand denkt an die Höhe des Bankkontos, wenn es gerade um das Überleben geht. Doch wirft man dann das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster? Kauft man gleich eine neue Küche wenn nur die Mikrowelle den Geist aufgegeben hat? Das würde nur jemand tun, der vom Sparen gar nichts hält. Und selbst der würde zumindest darauf achten, dass es auf seiner Einnahmeseite nicht auch noch massiv bergab geht.

Und was passiert gerade in diesem Land? Über Einnahmen redet überhaupt niemand, obwohl jedem klar sein muss, das geschlossene Betriebe, egal wie groß, keine Steuern zahlen, dass arbeitslose oder kurzarbeitende Menschen zumindest viel weniger an Steuern und Sozialabgaben zahlen. Hier sind große Mindereinnahmen so sicher wie das Amen in der Kirche. Auf der anderen Seite wirft man mit den Milliarden Euro nur so um sich. Mit sehr wenigen Ausnahmen wird das Geld aber nicht investiert, sondern mal so verteilt. Wenn man dem Volk schon keine Spiele bieten kann, die total verbietet, so muss es wenigstens Brot, sprich Bares bieten. Sonst fängt es noch an zu maulen. Das mögen Politiker nun gar nicht.

Die Folge ist, dass alle ohnehin seit Jahren nicht getätigten Investitionen in die Infrastruktur, in die Bekämpfung des Klimawandels, in die Digitalisierung, in die Sanierung von öffentlichen Gebäuden auf den Sant-Nimmerleinstag verschoben werden müssen. Es kann aber auch ganz schnell passieren, dass wir nicht mehr sparen können oder gerade erlebte Verluste wieder ausgleichen können. Warum? Weil die, die jetzt das Geld mit vollen Händen ausgeben irgendwann auf die Idee kommen müssen, die Einnahmen zu steigern. Das geht nur, in dem man alle zur Kasse bittet.

Manchmal bin ich wirklich froh nicht mehr jung zu sein, nicht zu denen gehören, die das erben, was die Politik mit dem Geld von uns und den zukünftigen Generationen gerade macht. Meine Erben können ihr Erbe – wenn da eine rote Zahl steht – ausschlagen. Zukünftige Staatsbürger können das nicht – zumindest nicht so einfach.

Ich spare jetzt nicht – zumindest nicht beim Frühstück mit der Besten Frau der Welt.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück und Gesundheit.

Gratulation allen, die heute Namenstag haben: Odetta, Hildegund

Foto: Pixabay

 


Veröffentlicht am: 20.04.2020

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