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Montagne Noire: das unbekannte Gebirge

... ist für Überraschungen gut und hat obskure Geschichten auf Lager

Der Tourismus im Tarn startet durch. Das Departement war geringer von COVID-19-Fällen betroffen, trotzdem blieb die Pandemie nicht ohne Auswirkungen. Nun geht es für alle touristischen Betriebe wieder aufwärts, während die Verhaltensregeln zum Schutz vor dem Coronavirus überall berücksichtigt werden.

Die herrliche Natur in der Montagne Noire lässt sich unbehelligt durchstreifen. Baden und Freizeitspaß am See sind ebenso zu genießen wie die Besichtigung interessanter Museen oder der Besuch eines mittelalterlichen Dorfes nach dem Überschreiten der Schlucht auf einem spektakulären Steg. Das mystische Mittelgebirge im Tarn hat einige Überraschungen für schöne Ferien zu bieten.

Besuch in der Elite-Schule

Das Dorf Sorèze am Rand der Montagne Noire entstand im 8. Jahrhundert rund um eine Benediktiner-Abtei, die im 17. Jahrhundert zur Lateinschule wurde. König Louis XVI. erhob sie 1776 zur königlichen Militär-Schule. Sie wurde im 19. Jahrhundert vom Dominikaner-Orden übernommen. Dank neuartiger Unterrichtsmethoden von Henri Lacordaire entwickelte sich die Abtei zu einer Elite-Schule, wo bis 1991 Schüler aus aller Welt die Schulbank drückten. Noch heute sind an den Wänden die Namen von Generationen illustrer Persönlichkeiten verewigt, die hier ihre Examen machten, darunter der berühmte Seefahrer La Pérouse, Nubar Pache, ein ägyptischer Premierminister, General Simon Bolivar, und in jüngerer Zeit die Chansoniers Claude Nougaro und Hugues Aufray. Die unter Denkmalschutz stehende Abtei-Schule ist ein UNESCO-Welterbe und kann besichtigt werden. Die ehemaligen Unterrichtsräume und Schlafsäle vermitteln einen Eindruck vom Leben in einem Elite-Pensionat früherer Zeiten.

Wandern auf den Spuren eines Teppichwebkünstlers

Der 1997 verstorbene Mönch Dom Robert schuf in der Abtei d'En Calcat bei Dourgne die berühmten Teppichwebereien. Mittlerweile ist die Abtei-Schule im nahe gelegenen Sorèze der passende Rahmen für das seiner Kunst gewidmete Museum. Der Benediktiner-Mönch bezog die Inspiration für seine farbenfrohen Werke aus der Natur. Ab Massaguel führt ein neuer 12 km langer Wanderweg auf den Spuren von Dom Robert durch einen Landstrich dessen Fauna und Flora sich in den Werken des Künstlers wiederfinden. Informationstafeln entlang der Strecke verweisen auf Darstellungen seiner Wandteppiche. Das einzige nicht gewebte Werk von Dom Robert findet sich im Chor der Kirche Saint Jean in Massaguel mit einer Freske im bunten Stil der Naiven Kunst.
 
Mit Schwung und Nervenkitzel nach Hautpoul


Der Blick auf das sich 70 Meter tiefer windende Flüsschen Arnette ist wirklich spektakulär. Die Fußgängerbrücke, die auf einer Länge von 140 Meter die Schlucht überquert, wird zum Höhepunkt einer Wanderung von Mazamet in das oberhalb der Stadt liegende, mittelalterliche Dorf Hautpoul. Bei der Überquerung in schwindelnder Höhe vibriert der Metallsteg unter den Füßen und erweckt einen kleinen Nervenkitzel. Das sich auf einem Felssporn erhebende Hautpoul war im 13. Jahrhundert ein Schauplatz des Kreuzzuges gegen die Katharerbewegung. Bei abendlichen Besichtigungen des historischen Dorfes im Schein von Fackeln wirken die verwinkelten Gassen und alten Häuser besonders geheimnisvoll.
 
Montagnès - pack die Badehose ein!

Die 25 Hektar große Wasserfläche erstreckt sich in einer Höhe von 680 Meter über Mazamet in der Montagne Noire. Der 2,7 km botanische Lehrpfad mit Trimm-Dich Einrichtungen  führt rund um den See und ist auch bei Spaziergängern beliebt. Im Juli und August lockt der eingerichtete Sandstrand zum Baden und Wasserspielen. Da Boote hier verboten sind, können Schwimmer unbehelligt das kühle Nass genießen. Pontons für Angler, der Zugang ins Wasser für Rollstuhlfahrer, gepflegte Grünflächen und Picknickbereiche mit Grillplätzen machen den von Wald umgebenen See zu einem reizvollen Freizeitgebiet für die ganze Familie. Im Hochseilgarten amüsieren sich Kletterfreudige und für Reisemobile gibt es eine kostenlose Service-Station. Restaurants bieten Snacks und komplette Menüs. Mehrere Ferienhäuser stehen ebenfalls zur Verfügung.
 
Auch Dior kaufte in Labastide-Rouairoux ein

Für Modeschöpfer wie Dior, Chanel oder Courrèges war die Kleinstadt im Süden des Tarn das ideale Ziel um die edlen Stoffe für ihre Kreationen auszuwählen. Von den Zeiten einer florierenden Textilherstellung können sich Besucher im Musée Départemental du Textile Labastide-Rouairoux überzeugen. Das Museum wurde in einer ehemaligen Textilmanufaktur aus dem 19. Jahrhundert eingerichtet. Durch die industrielle Revolution errangen die kreativen Stoffe aus Labastide-Rouairoux eine Spitzenposition in Frankreich, genau wie die Wollverarbeitung in Mazamet. Die damaligen neuen Verfahren waren in diesen Kleinstädten bedeutende Wirtschaftszweige bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Das Textilmuseum vermittelt einen Eindruck vom Können und dem langen Weg vom Faden zum edlen Stoff.

Foto: Fußgängerbrücke Mazamet
© Luc Beziat - Tarn Tourisme

 


Veröffentlicht am: 17.07.2020

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