
(djd). „Ach, das ist bestimmt gar nicht so wichtig …“ Das haben viele wohl schon einmal gedacht – und im ärztlichen Gespräch lieber etwas verschwiegen. Doch genau das kann Folgen haben.
Für eine gute Diagnose brauchen Ärztinnen und Ärzte ein möglichst vollständiges Bild. Eine aktuelle repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des digitalen Gesundheitsbegleiters Doctolib zeigt: Fast jeder Dritte in Deutschland (31 Prozent) hat beim Arzt schon einmal bewusst nicht die Wahrheit gesagt oder wichtige Auskünfte zur Gesundheit nicht angesprochen.
Scham und Angst sind Gründe
Besonders häufig werden Symptome oder Beschwerden verschwiegen, aber auch psychische Belastungen, Ernährungsgewohnheiten, Alkohol- oder Nikotinkonsum bleiben oft unerwähnt. Hauptgründe sind Scham und Angst vor Verurteilung oder die Annahme, die Information sei ohnehin nicht relevant. Gleichzeitig wissen 87 Prozent der Betroffenen, dass ihr Schweigen der eigenen Gesundheit schaden kann. Auch Ärztinnen und Ärzte erleben dieses Problem regelmäßig. Knapp ein Drittel der Befragten hat bei mindestens jeder zweiten Sprechstunde den Eindruck, dass Patienten nicht alle wichtigen Informationen nennen. Die möglichen Folgen reichen von verzögerten oder falschen Diagnosen über unwirksame Behandlungen bis hin zu unnötigen Untersuchungen.
Digitale Unterstützung
Eine Möglichkeit, Hemmschwellen abzubauen, können digitale Fragebögen sein. Dort lassen sich sensible Themen vorab leichter angeben. „Ich denke, dass Patientinnen und Patienten im Digitalen ehrlicher sind, weil dann wichtige emotionale Faktoren wie Scham keine Rolle spielen. Im persönlichen Gespräch haben viele Sorgen, Ängste, Schamgefühle oder ein schlechtes Gewissen. In der digitalen Kommunikation mit einer KI oder einem Fragebogen fallen diese Hemmungen weg“, erklärt Dr. Shireen Darwesh, Allgemeinmedizinerin und Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie aus Oberhausen.
Gut vorbereitet ins Gespräch
Damit generell das Arztgespräch möglichst hilfreich wird, sollte man sich gut vorbereiten. So empfiehlt Dr. med. Katharina Schweidtmann, medizinische Expertin bei Doctolib: Symptome und eigene Fragen vor dem Termin notieren, nichts bewusst weglassen und im Zweifel lieber eine Information zu viel als zu wenig nennen. Wer sich mit sensiblen Themen schwertut, kann – falls die Praxis oder Klinik dies anbietet – einen digitalen Vorab-Fragebogen nutzen. Scham ist menschlich, sollte aber kein Hindernis sein. Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht und sind auf schwierige Unterredungen vorbereitet.
Foto: djd/Doctolib/Getty Images/nortonrsx
Beim Arzttermin nichts verschweigen
Wie ehrliche Kommunikation die Behandlung verbessern kann
Veröffentlicht am: 12.08.2026
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